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Neuburg

10.02.2019

Wirtsleute: Die Tage des Assmann-Kreil sind gezählt

Drei Generationen einer Wirtsfamilie: Seniorchefin Eleonore Kreil mit Tochter Roswitha Zach und Enkel Michael.
Bild: Claudia Stegmann

Plus Das Traditionswirtshaus in Neuburg schließt spätestens im Frühsommer. Doch es gibt Hoffnung, dass der Betrieb auch ohne die Familie Assmann-Kreil weitergeht.

Unter den alteingesessenen Neuburgern war es schon längst kein Geheimnis mehr: Das Gasthaus Assmann-Kreil, das es seit 245 Jahren in Neuburg gibt und davon seit mehr als 100 Jahren im Besitz der Familie Assmann-Kreil ist, wird demnächst schließen. Einzig und allein der Zeitpunkt sorgte unter den Gästen für Spekulationen. Doch der kann derzeit nicht einmal von der Familie fix bestimmt werden. Nur so viel: Spätestens im Frühsommer soll Schluss sein.

Der Grund liegt nahe: Wirtin Eleonore „Elly“ Kreil ist mittlerweile 84 Jahre alt und weder Tochter Roswitha Zach noch Enkel Michael haben Interesse daran, das Lokal weiterzuführen. Das Ende der Assmann-Kreil’schen Dynastie war demnach automatisch mit dem Ruhestand der Seniorchefin verbunden. Dass dieser Zeitpunkt jetzt gekommen ist, hängt unter anderem mit dem Gesundheitszustand von Elly Kreil zusammen. Nachdem sie sich vergangenen Sommer das Handgelenk gebrochen hatte, folgte ein weiterer gesundheitlicher Rückschlag. Fast vier Monate war sie in der Folge im Krankenhaus. In dieser Zeit wurde der Familie klar: Unter den gegebenen Umständen kann es nicht weitergehen. Also wurde das Anwesen zum Kauf beziehungsweise zur Verpachtung angeboten.

Es haben sich schon mehrere Interessenten gemeldet, die das Gasthaus in der Hirschenstraße in Neuburg erhalten wollen

Seitdem haben sich mehrere Interessenten gemeldet. Wie Michael Zach erzählt, gibt es unter anderem einen Investor, der im Erdgeschoss das Gasthaus erhalten und im Obergeschoss Studentenwohnungen errichten würde – im Hinblick auf den Uni-Campus, der auf dem ehemaligen Lassigny-Areal entstehen soll. Außerdem hat sich ein Privatmann gemeldet, der schon Erfahrungen mit der Sanierung denkmalgeschützter Gebäude hat und ebenfalls eine Gasthaus-Wohnungen-Kombination anstrebt. Darüber hinaus haben Brauereien aus der Region ihr Interesse bekundet.

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Ihre Entscheidungen hängen allerdings davon ab, wie das Gebäude bewertet wird. Dafür hat die Familie nun einen Architekten mit einer Bauvoruntersuchung beauftragt. Die Ergebnisse dienen unter anderem der Denkmalschutzbehörde als Grundlage, um festlegen zu können, welche Gebäudeteile im Original erhalten werden müssen. Und diese denkmalschutzrechtlichen Festlegungen sind wiederum wichtig für einen Käufer, um den Aufwand und die Einschränkungen bei einem Umbau kalkulieren zu können. Erst dann könnten die Interessenten überhaupt beurteilen, ob sich ihr Konzept verwirklichen ließe oder nicht.

Seit 1778 gibt es das Wirtshaus in der Hirschenstraße. Ob es auch nach dem Rückzug der Familie Assmann-Kreil als Lokal weitergeführt wird, ist derzeit noch ungewiss.
Bild: Claudia Stegmann

Unabhängig davon, ob unter den momentanen Interessenten tatsächlich ein Käufer ist: Das Gasthaus Assmann-Kreil wird in jedem Fall geschlossen – „und zwar noch in der ersten Jahreshälfte“, sagt Michael Zach. Der 29-Jährige hat zusammen mit seiner Mutter und deren Lebensgefährten in den vergangenen Monaten die Wirtschaft am Laufen gehalten – und zwar neben dem Job, was bedeutete, nach Feierabend und am Wochenende hinter dem Tresen zu stehen. „In dieser Zeit konnten wir uns natürlich auch auf die langjährigen Mitarbeiter des Hauses verlassen und auf deren Mithilfe vertrauen“, betont Roswitha Zach. Nichtsdestotrotz war auch der Seniorchefin Elly Kreil bewusst, dass dies kein dauerhafter Zustand sein konnte. 60 Jahre ihres Lebens hat sie in der Wirtschaft verbracht, die für sie und ihre Familie wie ein Wohnzimmer war. Bis vor ihrem Sturz hat sie noch im Obergeschoss gewohnt, morgens in der Gaststube gefrühstückt und nachts den „Schlussdienst“ übernommen. „Sie war immer da und die Seele des Hauses“, sagt ihre Tochter. Doch jetzt sei es an der Zeit, umzudenken.

Die Vereine, die sich regelmäßig im Assmann-Kreil treffen, wurden bereits über die Schließung informiert

Auch mit den Vereinen, die sich im Assmann-Kreil regelmäßig treffen, hat Roswitha Zach schon gesprochen. „Mir war wichtig, dass sie es rechtzeitig erfahren und Zeit genug haben, sich eine Alternative zu suchen“, sagt sie. Dazu gehören auch die Schafkopffreunde, die sich vor acht Jahren im Assmann-Kreil gegründet haben und am Samstag ihren Abschied von ihrer bisherigen Heimat gefeiert haben.

Wie der letzte Tag im Assmann-Kreil aussehen wird, weiß die Familie noch nicht. Sicher ist dagegen, dass es am Faschingswochenende wieder hoch hergehen wird. Es wird das letzte Mal sein, dass in der Wirtsstube Polonaise getanzt wird und aus jungen und alten Kehlen gleichermaßen „An der Nordseeküste“ erschallt. Die Bedienungen werden „Nikolaschkas“ an die Tische bringen – das Assmann-Kreil’sche Nationalgetränk aus Asbach, Zitrone, Zucker und Kaffeepulver. Michael Zach wird am Zapfhahn stehen und seine Mutter wird sich um die Gäste kümmern. Und mitten drin im Getümmel wird vielleicht auch Elly Kreil sitzen. 60 Jahre hat sie in diesem Wohnzimmer verbracht. Jetzt ist es an der Zeit, die Türe hinter sich zu schließen.

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