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Kleinhohenried

23.07.2020

Zwei Wisente aus dem Donaumoos werden in Rumänien ausgewildert

Jungbulle Donat wurde mit Hilfe eines Gabelstaplers und Strohballen sanft auf den Hänger gedrängt.
Bild: Andrea Hammerl

Plus Aus dem Wisentgehege in Kleinhohenried wurden wieder zwei Tiere ausgewildert. Die Reise geht nach Rumänien. Doch zuvor muss die Hürde in den Transporter geschafft werden.

Die Freiheit in den wilden Karpaten ruft: Die beiden Wisentjungbullen Donat und Donthor sind am Dienstagabend am Wisentgehege in Kleinhohenried verladen worden. Zwölf Stunden Fahrt haben sie gemeinsam mit sechs Jungkühen aus dem niedersächsischen Wiesentzentrum Sprenge vor sich. Die acht Wildrinder sind Teil eines Auswilderungsprojektes des WWF Rumänien. Seit 2012 wird das größte wildlebende Landsäugetier Europas dort wieder angesiedelt.

Wer schon einmal erlebt hat, welche Dramen sich abspielen, wenn ein Pferd oder eine Kuh verladen werden soll und nicht auf den Hänger gehen will, erwartet eine hochspektakuläre Aktion. Denn Wisente sind keine Kuscheltiere. „Wir sind die einzigen, die Wisente ohne Narkose verladen“, erklärt Wiesentbetreuer Alfred Wittmann stolz. Dass beide Jungbullen sich völlig unproblematisch verladen lassen und knapp 50 Minuten später friedlich im ungarischen Viehtransporter stehen, ist der langjährigen Erfahrung und der aufwendigen Vorarbeit des Teams um Amtstierarzt Johannes Riedl und Michael Hafner vom Donaumoos-Zweckverband zu verdanken.

Beiden kommen in ein Auswilderungsgehege nach Rumänien

Der Laster wird rückwärts an die Scheune dirigiert, wo ein schmaler Korridor beidseits mit Strohballen ausgepolstert wurde. Von Toren abgetrennt, harrt derweil der dreijährige Donthor im angeschlossenen Stall auf das, was da auf ihn zukommt. Ein Gabelstapler mit Strohballen steht bereit, um das Tier sanft auf die Lkw-Rampe zuzutreiben. Für Donthor wird er nicht benötigt. Der dreijährige, circa 320 Kilogramm schwere Wiesentbulle ziert sich nur kurz, betrachtet die Rampe, dreht sich mehrfach um und entschließt sich dann relativ schnell, den Weg nach vorne anzutreten. Blitzschnell wird eine Trennwand eingezogen, um Platz für Donat zu schaffen.

Der Zweijährige lässt sich etwas länger bitten und betrachtet die dunkle Behausung intensiv, bis Wisentbetreuerin Paula Fletcher das Licht der Scheune ausschaltet, sodass Donat nun selbst im Dunkeln steht. Er streift entlang der Strohballen, senkt den Kopf mit den veritablen, schöngeformten Hörnern, bleibt aber erstaunlich entspannt – auch als sich der Gabelstapler mit den Strohballen in Bewegung setzt und ihn sanft Richtung Rampe drängt. Plötzlich entscheidet sich Donat, seine 230 Kilogramm auf den Lkw zu bewegen, Sekunden später ist er drin und die Betreuer kommen aus der Deckung, um die Klappe zu schließen.

32 Wisente leben im Donaumoos auf 25 Hektar

Im rumänischen Armenis in den Süd-West-Karpaten wartet ein Auswilderungsgehege auf die Tiere. „Sobald sie sich da zurechtfinden, werden sie voraussichtlich nach einigen Monaten in die Freiheit entlassen“, erklärt Riedl. Vor zwei Jahren hat er bereits fünf, im vergangenen Jahr vier Jungkühe an das Projekt abgegeben. Alle sind noch putzmunter, wie er dank eines Senders, den alle auswilderten Tiere um den Hals tragen, weiß.

Welche Jungtiere abgegeben werden, entscheidet der Veterinär nach genetischen Gesichtspunkten. Alle heute lebenden Wisente stammen von den zwölf sogenannten Gründertieren ab, die in Zoos und Wildgehegen überlebt hatten, als die freilebenden Wisente in den 1920er Jahren in Europa ausgestorben waren. Ziel der Wisentzentren ist es, die Gene der Gründertiere in allen Herden möglichst ausgewogen zu erhalten, weshalb die Herdbuchbetriebe in regem Austausch miteinander stehen.

In Kleinhohenried gibt es Tiere aus ganz Deutschland, der Schweiz und Schweden. Mit aktuell 32 Tieren ist die maximale Herdengröße von 30 erwachsenen Tieren, die der Donaumoos-Zweckverband für das 25 Hektar große Gelände festgelegt hat, nahezu erreicht. Fünf Kälbchen wurden heuer geboren, darunter drei Stierkälbchen und ein Kuhkälbchen. Das Jüngste konnte noch nicht identifiziert werden. „Wir nehmen nur noch Kuhkälbchen“, witzelt Riedl. Insgesamt wurden im Donaumoos 83 Kälber geboren. Das derzeit älteste Tier ist die 18-jährige Wisentkuh Dalida. Bulle Elhard, der seit drei Jahren hier lebt und für Nachwuchs sorgt, ist 14 Jahre alt.

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