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Goldschatz aus Manching: Sensationelle Entdeckung und spektakulärer Diebstahl

Manching

Der Mann, der den Goldschatz gefunden hat

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    Archäologe Matthias Leicht hat den Goldschatz von Manching gefunden.
    Archäologe Matthias Leicht hat den Goldschatz von Manching gefunden. Foto: Fa. ADA/Weißenburg

    Die Kollegen hatten schon alle Sachen zusammengepackt, sie wollten bald Feierabend machen an diesem späten Augustnachmittag im Jahr 1999. Der Archäologe Matthias Leicht hatte noch letzte Abtragungen mit dem Bagger erledigt, dann machte er sich mit seiner Assistentin auf zu einem Kontrollgang über den ehemaligen Spargelacker. Dort wollte die Marktgemeinde Manching ein neues Baugebiet ausweisen.

    Der Goldschatz von Manching wurde auf einem ehemaligen Spargelacker entdeckt

    Archäologen sollten deshalb auf der rund sechs Hektar großen Fläche sämtliche Funde genau dokumentieren und für die Wissenschaft erhalten. Wochenlang haben die Experten den Boden Schicht für Schicht abgetragen, sich so buchstäblich durchgegraben durch die Jahrhunderte bis in die Keltenzeit. Denn vor mehr als 2000 Jahren war das Manchinger Oppidum eine der bedeutendsten Keltensiedlungen nördlich der Alpen. 10.000 Menschen sollen dort gelebt haben, für damalige Verhältnisse eine stattliche Großstadt.

    Viel hatte sich Matthias Leicht, damals 37 Jahre alt und Grabungsleiter für die Römisch-Germanische Kommission, nicht erhofft bei den Grabungen. Spargel steckt tief drin im Boden, beim Anbau über die vielen Jahre dürfte das Areal ziemlich Schaden genommen haben. Eine Humusschicht war praktisch nicht vorhanden. Als er nicht weit weg von der Straße etwas Gelbliches im Boden sah, rechnete er am ehesten mit einem Knochen. Was sollte es sonst sein?

    Der Goldschatz von Manching war im November 2022 gestohlen worden

    Er ging näher hin und sah - eine Goldmünze. Es war die erste von mehr als 400, die noch folgen sollten. Schon da dämmerte Leicht, dass er etwas Bedeutendes entdeckt hatte, „ich bin ja schließlich vom Fach“. Was er erst später erfahren sollte: Ihm war an diesem Augustnachmittag der bedeutendste keltische Goldfund des 20. Jahrhunderts gelungen. Ein Fund, der 23 Jahre später erneut für Schlagzeilen sorgen sollte. Denn Diebe haben den Schatz am 22. November 2022 in einem spektakulären Coup gestohlen. Aktuell stehen vier Angeklagte aus Norddeutschland am Landgericht Ingolstadt vor Gericht. Ihnen wird unter anderem schwerer Bandendiebstahl vorgeworfen.

    Manching war nicht nur für Archäologen, sondern auch für Kriminelle schon immer ein interessanter Ort gewesen. Das wusste auch Leicht, als er die ersten Münzen gefunden hatte. Ihm war klar: Der Schatz musste möglichst noch an diesem Abend komplett geborgen werden. Raubgräber, die auch in Manching immer wieder ihr Unwesen trieben, hätten ein leichtes Spiel gehabt. Nach der ersten Goldmünze grub der Archäologe weiter und fand immer mehr Gold. Nach rund drei Stunden hatte er an die 450 Münzen fachmännisch geborgen und in sein Büro getragen.

    Landgericht Ingolstadt: Vier Männern wird vorgeworfen, den Manchinger Goldschatz gestohlen zu haben

    Der Fund sollte so lange wie möglich geheim bleiben, nur wenige Eingeweihte, darunter der damalige Bürgermeister von Manching, sollten vorerst davon erfahren. Doch der Plan ging nicht ganz auf, Gerüchte rund um die sensationelle Entdeckung müssen durchgesickert sein. Denn ein Sondengänger aus der Gegend hatte in den Tagen darauf weitere Münzen entdeckt und wollte sie zu Geld machen. Doch als er sie in München begutachten lassen wollte, bekam Matthias Leicht einen Anruf des dortigen Kollegen, der skeptisch geworden war - und der Sondengänger konnte seinen Plan, aus dem Gold Kapital zu schlagen, nicht mehr verwirklichen.

    Drei Monate nach der Entdeckung wurde der Schatz - 483 Goldmünzen, ein Goldgusskuchen und drei Bronzeringe - der Öffentlichkeit vorgestellt. Und noch einmal sieben Jahre später bekam der Schatz sein eigenes Museum: 2006 wurde das Kelten-Römer-Museum in Manching offiziell eröffnet. Zuletzt war Leicht im Sommer 2022 dort gewesen. Damals ahnte er nicht, dass es das letzte Mal sein sollte, dass er „seinen“ Schatz in Gänze zu sehen bekommt. Ein paar Monate später ist er gestohlen worden, bislang sind nur ein paar Goldklumpen wieder aufgetaucht.

    Derzeit ist Pause im Goldschatz-Prozess am Landgericht Ingolstadt. Am Dienstag, 11. März, wird die Hauptverhandlung fortgesetzt.

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