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  3. Ingolstadt: "Königin Lear" und das hochnotpeinliche Erbschafts-Casting im Stadttheater

Ingolstadt
05.02.2023

"Königin Lear" und das hochnotpeinliche Erbschafts-Casting im Stadttheater

Königin Lear feierte im Stadttheater Ingolstadt Premiere. Das Stück schafft es, die Gegenwart in diesem Klassiker zu spiegeln, ohne dessen Wucht banal zu modernisieren.
Foto: Jochen Klenk

Plus Am Stadttheater in Ingolstadt feiert das Stück "Königin Lear" Premiere. Das Drama von Hass und Gier überzeugt das Publikum.

Überschreibungen von Bühnenklassikern sind schon eine ganze Zeit lang Mode und als solche nerven sie nicht selten. Bei einem der größten Dramen der Weltliteratur, dem "King Lear" von Shakespeare, kann das nur schiefgehen. Meint man. Nicht bei "Königin Lear", das jetzt unter der Regie von Anne Mulleners im Ingolstädter Stadttheater Premiere hatte. Der niederländische Autor Tom Lanoye hat den Bogen offensichtlich raus, kennt seinen Shakespeare und schafft es, die Gegenwart in diesem Königs(familien)drama zu spiegeln, ohne dessen Wucht und Wahrheit banal zu modernisieren.

Die betagte Chefin des weltweit erfolgreichen Lear-Konzerns will ihren Rückzug regeln und lässt ihre drei Söhne antreten, um den Kuchen zu verteilen: Wer sie am meisten liebt, der soll am meisten kriegen. Ihren grotesken exklusiven Liebesanspruch beantworten zwei der Söhne mit pragmatischer Schleimerei, der jüngste verweigert sich dem hochnotpeinlichen Erbschafts-Casting. Er wird enterbt und vertrieben. Dann nimmt das Schicksal in Form einer galoppierenden Weltwirtschaftskrise seinen Lauf. 

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