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Schießen

26.01.2019

„Die Nerven spielen eine große Rolle“

Alles im Blick: Trainer und sportlicher Leiter Jürgen Breit (hinten; vorne Juliane Gersler) freut sich auf den Bundesliga-Aufstiegskampf mit Eichenlaub Unterstall am Sonntag in Ruit.
Bild: Xaver Habermeier

Zum ersten Mal kämpft ein Team des Sportschützengaus Pöttmes-Neuburg um den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Am Sonntag möchte Eichenlaub Unterstall mit Trainer Jürgen Breit das „Wunder“ vollbringen

Wenn sich die Aktiven, Verantwortlichen und Fans von Eichenlaub Unterstall am Sonntagmorgen auf die Fahrt nach Ruith (Stadt Ostfildern/ Baden-Württemberg) machen, dann schreiben sie – unabhängig vom sportlichen Ausgang – bereits Geschichte. Noch nie zuvor hat eine Luftgewehr-Mannschaft aus dem Sportschützengau Pöttmes-Neuburg an einem Aufstiegskampf zur 1. Bundesliga teilgenommen. „Wir betreten diesbezüglich absolutes Neuland“, erklärt Jürgen Breit.

Im Gespräch mit unserer Zeitung äußert sich der Trainer und sportliche Leiter der Eichenlaub-Schützen unter anderem über die Chancen seines Teams, die „Bezahlung“ seiner Schützen und was sich im Aufstiegsfall für den Verein ändern würde.

Herr Breit, wie würden Sie denn bei sich selbst die aktuelle Stimmungslage kurz vor diesem Aufstiegskampf beschreiben?

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(lacht) Noch geht’s! Nachdem ich die komplette Woche ohnehin mit Schießen beschäftigt bin und auch am Samstag noch zu einem internationalen Wettkampf nach München fahre, an dem unser österreichischer Neuzugang für die kommende Saison teilnimmt, bin ich ganz gut abgelenkt. Je näher es dann aber auf den Aufstiegskampf am Sonntag hingeht, umso mehr wird sich das ändern. Ich glaube, der Angespannteste im Verein bin immer ich (lacht). Während eines Wettkampfs bin ich beispielsweise überhaupt nicht ansprechbar, weil ich einfach voll dabei bin. Erst danach fällt dann so langsam alles ab.

Wenn Ihnen vor der Saison jemand gesagt hätte, dass die „Erste“ von Eichenlaub Unterstall Ende Januar 2019 am Aufstiegskampf zur 1. Bundesliga teilnimmt: Was wäre Ihre Antwort gewesen?

Als Trainer ist man ja grundsätzlich mal der Skeptiker! Aktuell absolvieren wir ja unsere dritte Saison in der 2. Bundesliga – und haben uns dabei stetig gesteigert. Natürlich haben wir auch vor jedem Jahr ein Ziel ausgesprochen. Dieses war stets ein bisschen höher als in der Vorsaison. Nachdem wir zuletzt den vierten Platz belegt haben, wollten wir diesmal schon unter die ersten Drei kommen! Persönlich habe ich aber eher dafür plädiert, einen Blick nach hinten zu werfen. In den vorangegangenen beiden Jahren gab es jeweils zwei Teams, die frühzeitig abgeschlagen haben, während es in dieser Saison nur eine schwächere Mannschaft gab. Gleichzeitig sind extrem starke Teams nach oben gekommen. Wie eng das ganze Feld beieinander lag, hat sich allein daran schon gezeigt, dass sich erst am vorletzten Durchgang entschieden hat, dass wir mit hinten nichts mehr zu tun haben. Dass sich das Ganze für uns dann so positiv entwickelt hat, war natürlich großartig.

Was hat die Mannschaft in diesem Jahr besonders ausgezeichnet?

Genau das, was in den vorangegangenen Jahren auch schon die große Stärke war: das Zusammengehörigkeits-Gefühl! Wenn ich beispielsweise einen Schützen für unser Team verpflichte, schaue ich in erster Linie darauf, ob er in die Mannschaft passt! Nachdem wir kein Verein sind, der den Geldbeutel aufmacht, muss dieser Schütze gerne für uns schießen und sich perfekt eingliedern. Das heißt unter anderem, dass er nach einem Wettkampf nicht gleich wieder nach Hause fährt, sondern sich mit den anderen Leuten aus der Mannschaft zusammensetzt und so den Zusammenhalt stärkt. Man gewinnt und verliert immer gemeinsam. Das ist mir extrem wichtig.

Stichwort Geldbeutel: Können Sie verraten, was man als Schütze in der 2. Bundesliga bei Eichenlaub Unterstall verdienen kann?

Nun, es gibt beispielsweise Vereine in München, die zahlen ihren Schützen eine Antritts- und Punkteprämie. Dann gibt es andere Klubs, bei denen bleibt nach der Saison finanziell etwas übrig, das dann unter den Schützen aufgeteilt wird. Das ist Fakt. Bei uns bekommt dagegen in dieser Richtung keiner etwas – auch unsere Schützen aus Österreich nicht! Im Gegenteil, laut Vereinssatzung müssen sie sogar ihren Beitrag selbst bezahlen. Das Einzige, was die Athleten von uns bekommen, sind Fahrtkosten, wenn jemand von sich daheim direkt zum Wettkampf fährt. Darüber hinaus gibt es am Wettkampftag selbst noch zehn Euro für ein Mittagessen. Das war es dann aber auch schon! Wenn ich das immer erzähle, glaubt mir das kaum jemand. Es ist aber die Wahrheit!

Angenommen, der Sprung in die 1. Bundesliga würde am Sonntag gelingen! Was würde sich denn in Sachen Finanzen oder Struktur für Eichenlaub Unterstall verändern?

Bis auf die Zusammensetzung unserer Mannschaft – lediglich auf einer Ausländer-Position gibt es einen Wechsel – würde sich im Grunde alles ändern. Während beispielsweise in der 2. Bundesliga nur am Sonntag ein Wettkampf auf dem Programm steht, wird in der ersten Liga am Samstag und Sonntag geschossen. Sprich: Es wird nicht selten vorkommen, dass man quasi von Samstagvormittag bis Sonntagabend unterwegs ist.

Dürfte man die Heim-Wettkämpfe weiterhin im Unterstaller Schützenheim austragen?

Nein, leider nicht! Da es in der 1. Bundesliga spezielle Vorgaben wie eine beheizte Halle mit mindestens 200 Zuschauer-Plätzen gibt, die wir in unserem Schützenheim nicht erfüllen könnten, müssten wir in die Unterstaller Turnhalle ausweichen. Dort müssten wir Stände anmieten, einen Boden verlegen und das Ganze bestuhlen.

Dementsprechend dürfte sich auch der finanzielle Aufwand stark erhöhen...

Nun, die 2. Bundesliga kostet uns ungefähr 2000 Euro, was durch Sponsoren gedeckt ist. Natürlich wäre der Aufwand bei einem Aufstieg nochmals höher. Nachdem wir diesbezüglich aber noch in der Findungs-und Informationsphase sind, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkrete Angabe machen. Fakt ist, dass man letztlich nur das ausgeben kann, was man zur Verfügung hat. Im Aufstiegsfall sind wir aber optimistisch, dass sich weitere Sponsoren finden ließen, die uns ebenfalls tatkräftig unterstützen würden.

Kommen wir nochmals auf den Aufstiegskampf am Sonntag zu sprechen. Wie schätzen Sie die Chancen Ihrer Truppe ein?

Grundsätzlich muss man einmal sagen, dass wir jetzt schon mehr erreicht haben, als wir uns vorgenommen hatten. In meinen Augen käme der Aufstieg vielleicht sogar ein Jahr zu früh, da einige Schützen in unseren Reihen stehen, die noch nicht einmal Richtung Fuß in der zweiten Liga gefasst haben. Von dem her können wir also völlig befreit und ohne Druck an diesem Wettkampf teilnehmen. Rein rechnerisch betrachtet liegt unsere Chance bei 25 Prozent.

Und sportlich gesehen?

Nun, rein vom Ringdurchschnitt her sind wir die schwächste Mannschaft – wobei man betonen muss, dass sich dieser bei den Teams aus Baden-Württemberg aus den fünf Top-Schützen errechnet, während er bei uns von allen acht Schützen gebildet wird. Demnach sind wir also schon in der Lage, mit diesen Mannschaften mitzuhalten.

Welche Rolle werden die Nerven am Sonntag spielen?

Sicherlich eine ganz entscheidende! Es gibt Schützen, die gehen da ganz entspannt hin und können das Ganze ausblenden. Andere wiederum machen sich halb verrückt. Bei denen kommt es darauf an, wie die ersten Schüsse fallen. Letztlich geht mit einer solchen Situation jeder anders um. Aber klar, die Nerven werden an Sonntag sicherlich mitentscheidend sein.

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