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Neuburg

01.10.2020

Fußball: Warum Bayern München und Joshofen-Bergheim zusammenarbeiten

Auf eine gute Zusammenarbeit: Matthias Kohl (links) und Maximilian Obermeier arbeiten im Nachwuchsbereich künftig zusammen.
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Auf eine gute Zusammenarbeit: Matthias Kohl (links) und Maximilian Obermeier arbeiten im Nachwuchsbereich künftig zusammen.
Bild: Fabian Huber

Plus Der FC Bayern München strukturiert seine Jugendarbeit um. Weniger Leistungsdruck für die ganz Kleinen, mehr Heimatnähe. Davon soll auch die SpVgg Joshofen-Bergheim profitieren.

An den Wänden im Treppenhaus des FC Bayern Campus hängen die Stars von morgen. Die Bärte auf den Mannschaftsfotos sind noch flaumig, die Bayern-Raute prangt auf stolzen Hühnerbrüsten. Gut möglich, dass einer dieser Buben in zwölf Jahren, in irgendeinem Olympiastadion dieser Welt als Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft den WM-Pokal nach oben stemmen wird, unter dem Auge ein Cut, auf dem Platz ein General, im Kopf der Fans schon längst Legende, Stoff für eine Dokumentation auf Amazon Prime. So wie Bastian Schweinsteiger.

Die zukünftigen Schweinsteigers in spe grüßen freundlich, wenn man ihnen auf dem weitläufigen Trainingsgelände der Bayern-Jugend entgegenläuft. Alle im Trainingsanzug, je nach Infektionslage mehrmals wöchentlich auf Corona getestet, Leben im Kosmos eines Weltvereins. Doch wenn es nach den Köpfen des FCB geht, dann sollen ihre zukünftigen Spieler nicht in diesem pompösen Fußballressort aufwachsen, sondern lieber draußen, in Joshofen, neben Stockschützenbahn und Sportgaststätte.

Die Bayern haben sich dazu entschlossen, ihre Jugendarbeit umzukrempeln. Die jüngsten Altersklassen U9 und U10 werden stufenweise in den nächsten beiden Jahren abgemeldet. Der Radar für junge Talente bleibt trotzdem an. Und er vergrößert sich sogar. FCB-Trainer sollen wochenends an fünf Standorten Stützpunkt-Trainingseinheiten leiten: für Münchner Kinder am Bayern-Campus selbst, außerdem bei der SpVgg Landshut, dem SV Schloßberg-Stephanskirchen (Landkreis Rosenheim), dem FC Issing (Landkreis Landsberg am Lech) und – im Norden – eben bei der SpVgg Joshofen-Bergheim.

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Unterschiedliche Erwartungen bei den Vereinen

Der frisch gebackene Quadrouple-Sieger, 293.000 Mitglieder, Weltmarke. Und der Neuburger „Dorfklub“, wie SpVgg-Jugendleiter Matthias Kohl selbst sagt, 750 Mitglieder, Kreisklassenfußball.

Es ist der vergangene Montag, das bereits vierte Treffen der beiden Kooperationspartner. Kohl und sein Kollege Klaus Fischer-Stabauer schlendern beeindruckt durch den Bayern-Campus, vorbei an der Rezeption, kunstledernen Couchmöbeln, Foyers in Sportheimgröße.


Gesprächsrunde in einem Konferenzraum des Stadions am Bayern-Campus: Kilian König (von links), Maximilian Obermeier vom FC Bayern München unterhalten sich mit den Verantwortlichen der SpVgg Joshofen-Bergheim, Matthias Kohl und Klaus Fischer-Stabauer.
Bild: Fabian Huber

In einem Besprechungszimmer mit Blick auf den irisch-grünen Rasen der Campus-Arena begründet Maximilian Obermeier, Assistenz der Sportlichen Leitung beim FCB, die Umorientierung der Roten: „Wir haben festgestellt, dass der Druck und auch der Zeitaufwand im ganz jungen Alter enorm ist. Das wollen wir ein Stück weit wegnehmen, weil wir glauben, dass es für diese Kinder zielführender ist, im gewohnten Umfeld zu sein und beim Heimatverein zu bleiben und einmal die Woche an unseren Förderkader-Standorten zu trainieren.“ Es ist ein Tritt auf die Bremse angesichts von Millionensummen für Jugendspieler, Zwölfjährigen mit eigenen Agenten, dem Immer-mehr, Immer-weiter, Immer-größer des Profifußballs.

FC Bayern München mit neuem Konzept

„Unser Konzept ist zugunsten der Kinder ausgerichtet“, erklärt Kilian König, Koordinator des Förderkaders. Es klingt ein wenig nach Grundschullehrer, was nicht verwundert: König hat neben Sport auch Pädagogik studiert. Das neue Konzept, sagt er, solle Kindern auch ermöglichen, mehrere Sportarten gleichzeitig auszuüben. „Das hat eine gute Auswirkung auf die fußballerische Leistungsfähigkeit und ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Konzeptes.“

Vermutlich können die ehrenamtlichen Trainer in Joshofen, meist Spieler-Väter, noch nicht viel mit dem Begriff „polysportive Ausbildung“ anfangen, den König da ausmalt. Noch nicht zumindest. „Es gibt doch nichts Besseres, als den FC Bayern als Partner zu haben, der einem Trainingskonzepte zeigt, der die Trainer schult und versucht, die Kinder besser zu machen“, sagt Fischer-Stabauer. Ab Januar werden die Bayern-Scouts auf Turnieren und Spielen im Neuburger Umland unterwegs sein, um den Förderkader zusammenzustellen. Ab September 2021 sollen FCB-Trainer dann einmal pro Woche ein Stützpunkttraining leiten, lokale Coaches im Gegenzug an Workshops und Fortbildungen teilnehmen können.

Schon einmal war die SpVgg eine solche Partnerschaft eingegangen, 2016 mit dem FC Ingolstadt, eine Handvoll ehemaliger Joshofener spielen derzeit im dortigen Nachwuchsleistungszentrum. Nach vier Jahren sei es dann Zeit für „etwas anderes“ gewesen, sagt Fischer-Stabauer kurz. Im Frühling endete die Zusammenarbeit. Und dann kam die Meldung der Bayern und ihre Idee mit den Förderkadern. Kohl und Fischer-Stabauer bewarben sich - und bekamen den Zuschlag.

Lage der SpVgg Joshofen-Bergheim war ausschlaggebend

Wie kommt man beim FC Bayern auf Joshofen-Bergheim? Obermeier hat mehrere Antworten: „Die geografische Lage war ein ausschlaggebender Punkt. Wir wollten flächendeckend breit aufgestellt sein, um die Anfahrtszeiten für die Kinder bestmöglich reduzieren zu können und wollten deshalb im Neuburger Raum vertreten sein. Die Infrastruktur vor Ort ist herausragend.“ Neben einigen Trainingsplätzen und einer Schulturnhalle in Unterstall bekommt die SpVgg bald noch einen Kunstrasenplatz hinzu.

Ob dort schon bald der nächste Schweini kickt? Klar, pure Spekulation. „Das ist das Ziel. Jeder wäre glücklich, wenn’s so käme“, sagt Fischer-Stabauer. Als Bastian Schweinsteiger sich das erste Mal ein Bayern-Trikot überstreifte, gab es den Bayern Campus noch nicht. Er war damals bereits 14 Jahre alt. Und kam vom Land: aus Rosenheim.

Besuch Die Nachwuchsabteilung des FC Bayern München stellt ihr Konzept am Montag, 9. November, um 18 Uhr im Sportheim der SpVgg Joshofen-Bergheim vor. Die Anmeldung erfolgt per E-Mail unter kilian.koenig@fcbayern.com. Hierzu sind Vereinsname, Personenanzahl (maximal drei pro Verein) und die einfache Entfernung (in Kilometern) nach Joshofen zu nennen.

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