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Fußball

20.03.2020

VfR Neuburg und FC Ehekirchen trifft die Corona-Krise "natürlich schon hart“

Bleibt leer: Auf Fußballplätzen, hier der des VfR Neuburg, finden derzeit weder Spiele noch Trainingseinheiten statt.
Bild: Daniel Worsch

Plus Die Abteilungsleiter des FC Ehekirchen, Markus Bissinger, und VfR Neuburg, Roland Egen, sprechen über finanzielle Folgen. Warum ihnen das Thema Sponsoring Sorgen bereitet.

Der Bayerische Fußball-Verband hat den Spielbetrieb in sämtlichen Ligen aufgrund der Corona-Krise vorerst bis zum 19. April ausgesetzt. Ob und wann es danach weitergeht, steht derzeit noch in den Sternen. Wir haben uns mit den Abteilungsleitern der beiden Landesligisten in der Region, Roland Egen (VfR Neuburg), und Markus Bissinger ( FC Ehekirchen), über die aktuelle Situation sowie mögliche Auswirkungen unterhalten.

Was sagt Ihr Bauchgefühl: Wird in dieser Spielzeit nochmals um Tore und Punkte gekämpft?

Bissinger: Das ist schwer zu sagen. Zunächst einmal steht natürlich die Gesundheit aller an oberster Stelle. Diesbezüglich spielt der Fußball sicher eine untergeordnete Rolle. Aber grundsätzlich kann ich mir schon vorstellen, dass es beispielsweise Anfang Mai wieder losgeht. Letztlich hat man ja Zeit bis Ende Juni, um die Saison geregelt durchzuziehen. In diesen Monaten ist das Wetter ohnehin immer am besten. Ein solches Konstrukt wird ja auch ganz oben in der Bundesliga diskutiert. Warum soll das dann nicht einige Ligen tiefer gehen?
Egen: Ich bin eigentlich bis Montag oder Dienstag davon ausgegangen, dass nicht mehr gespielt wird. Nach den Entscheidungen von „oben“, dass die Europameisterschaft beziehungsweise auch der Spielbetrieb in den Profi-Ligen nach hinten verschoben wird, gehe ich aber mittlerweile davon aus, dass auch im Amateurbereich doch noch eine realistische Chance besteht, die aktuelle Saison zu beenden.

VfR Neuburg und FC Ehekirchen trifft die Corona-Krise "natürlich schon hart“

Angenommen, der Ball würde in dieser Saison doch nicht mehr rollen: Was wäre in Ihren Augen in Sachen Abschlusstabelle, Aufsteiger und Absteiger eine faire Lösung?

Bissinger: Darüber haben wir intern auch schon einmal diskutiert, sind aber letztlich zu keinem richtigen Lösungsansatz gekommen. Klar kann man die bisherige Saison auf 34 Partien hochrechnen. Aber die Relegation fällt ja ohnehin flach. Und wie geht man dann mit möglichen Auf- und Absteigern um? Da eine richtige Entscheidung zu treffen, ist nahezu unmöglich. Wir sind aktuell Achter – da ist es eigentlich egal, in welche Richtung entschieden wird. Aber für andere Teams wie beispielsweise den FC Gundelfingen oder FC Pipinsried in der Regionalliga, die ganz vorne stehen, hat das schon eine ganz andere Bedeutung. Ich bin jedenfalls froh, dass ich eine solche Entscheidung nie treffen muss.
Egen: (überlegt) Dann müsste man wohl die jetzige Tabelle einfrieren. Es würde in diesem Fall zwar feste Auf- und Absteiger geben – aber was macht man dann mit den ganzen Relegationsspielen? Vor der neuen Saison kann man diese auch kaum durchführen, da das Ganze schlichtweg auch eine Termin-Sache ist. Möglicherweise müsste man in dieser Saison dann die Relegations-Regelungen komplett aussetzen. Aktuell würde das ja auch uns als Zweiter in der Landesliga betreffen. Das ist definitiv eine ganz schwere Entscheidung. Allen Vereinen wird man es am Ende ohnehin nicht recht machen können.

Spieler und Trainer haben (teilweise) Verträge, zudem spielen die Zuschauer-Einnahmen bei Heimspielen keine unerhebliche Rolle. Wie hart trifft die Vereine in finanzieller Hinsicht die aktuelle Situation?

Bissinger: Nachdem bei uns die Spieler kein Geld bekommen, fällt dieses Problem schon einmal weg. Was die Trainer betrifft: Wir werden uns in 14 Tagen wieder zusammensetzen, um dann zu schauen, wie die Situation ist. Sollte tatsächlich nicht mehr gespielt werden, kann man das Ganze irgendwann auch nicht mehr bezahlen.
Egen: Das trifft uns natürlich schon sehr hart. Derzeit haben wir ja sowohl aufgrund der fehlenden Eintrittsgelder als auch aus der Gastronomie keinerlei Einnahmen. Auf der anderen Seite haben wir – auch wenn vieles leistungsbezogen ist – schon auch den einen oder anderen Spieler mit einem festen Vertrag. Diesbezüglich haben wir noch keine feste Entscheidung getroffen. Falls sich das Ganze noch länger hinzieht oder gar nicht mehr gespielt werden kann, müssten wir uns schon mit den Leuten unterhalten, ob man sich in einem solchen Ausnahmefall nicht gegenseitig entgegenkommen kann.

Auch auf die Wirtschaft, darunter viele kleine und mittelständische Unternehmen – wird durch die Krise ein immenser finanzieller Schaden zukommen. Befürchten Sie, dass das gravierende Auswirkungen auf künftige Sponsoring-Einnahmen haben wird?

Bissinger: Klar, unseren Hauptsponsor, der in der Touristik-Branche tätig ist, wird diese Krise mit Sicherheit hart treffen. Welchen Einfluss das jetzt genau auf uns haben wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch nicht sagen. Aber grundsätzlich kann ich mir schon vorstellen, dass es in bestimmten Branchen künftig nicht allzu rosig ausschauen wird. Man kann nur hoffen, dass sich die Unternehmen von dieser Ausnahmesituation möglichst schnell wieder erholen. In erster Linie geht es ja dort um Arbeitsplätze.
Egen: Das kann ich mir schon vorstellen, ja. Wir haben beim VfR Neuburg zwar nicht diesen einen oder zwei Großsponsoren. Wenn dir aber von den vielen kleineren Sponsoren etliche wegbrechen, dann merkt man das natürlich schon sehr. Wir haben ja mit Jürgen Meissner einen neuen sportlichen Leiter installiert, in dessen Aufgabenbereich auch die Gewinnung neuer Sponsoren fällt. Diesbezüglich ist der momentane Zeitpunkt freilich alles andere als gut. Die meisten Unternehmen haben derzeit ganz andere Sorgen, als beim VfR Neuburg eine Werbebande zu kaufen. Diese Folgen werden wir sicherlich zu spüren bekommen.

In der aktuellen Landesliga-Tabelle kämpft der VfR Neuburg (Platz zwei) um den Aufstieg, während für den FC Ehekirchen (Platz acht) der Klassenerhalt noch nicht endgültig unter Dach und Fach ist. Erschwert die momentane Ungewissheit auch die Personal-Planungen für die kommende Saison?

Bissinger: Eigentlich nicht! Stand jetzt werden mit Florian Wenger, der zum SV Echsheim-Reicherstein geht, Sebastian Rutkowski, der zum FC Schrobenhausen wechseln wird, und Christoph Appel, der dann unsere zweite Mannschaft verstärkt, nur drei Akteure die „Erste“ verlassen. Auf der Gegenseite stehen auch schon zwei externe Neuzugänge fest, deren Namen ich aber noch nicht sagen kann. Sollten wir keinen weiteren Abgang mehr haben, steht der Kader für die nächste Spielzeit größtenteils.
Egen: Was die Personalplanung betrifft, stehen wir ja quasi ohnehin zwischen den Stühlen. Auch ohne die Corona-Krise hätten wir die Situation gehabt, sowohl für die Landesliga als auch Bayernliga einen Kader zusammenzustellen – wobei wir ja immer gesagt haben, dass unser Hauptfokus auf der Landesliga liegt. Würde es mit einem Aufstieg klappen, würden wir diesen selbstverständlich mitnehmen. Etwas schwieriger ist dagegen – wie schon zuvor besprochen – die finanzielle Seite bei der Planung, da wir momentan einfach noch nicht genau wissen, wie hoch unser Budget letztlich sein wird.

Nachdem bei beiden Vereinen der Trainingsbetrieb seit vergangener Woche komplett eingestellt ist: Wie halten sich Ihre Kicker aktuell fit?

Bissinger: Die Jungs haben von unserem Trainer Gerhard Hildmann den Auftrag bekommen, zwei- oder dreimal pro Woche zum Laufen zu gehen, um körperlich in Form zu bleiben. Nachdem unser Team sehr fleißig und zuverlässig ist, bin ich überzeugt, dass sich jeder daran halten wird.
Egen: Unsere Spieler haben von den Trainern Aufgaben bekommen, um die in der Vorbereitung erarbeitete Grund-Fitness nicht zu verlieren. Im Grunde geht es hier um individuelle Laufeinheiten. Viel mehr kann man momentan auch gar nicht machen.

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