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Schützen in Schmähingen

27.02.2018

Albuchschützen stehen vor größtem Projekt ihrer Geschichte

Martin Rösch nimmt den Vinyl-Boden in Augenschein. Zusammen mit den Mitgliedern des Bauausschusses hat er sich für diesen Belag entschieden. 
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Martin Rösch nimmt den Vinyl-Boden in Augenschein. Zusammen mit den Mitgliedern des Bauausschusses hat er sich für diesen Belag entschieden. 
Bild: Christina Zuber

Wenn Vereine im Ries bauen, packen meist viele mit an. Derzeit arbeiten die Schmähinger mit viel Eigenleistung an einer neuen Schießstätte.

Fließen oder Vinyl, kaltes oder warmes Licht, die einfache oder die teure Variante? Jeder Bauherr kennt solche Fragen, die man beim Bau des Eigenheims klären muss. Martin Rösch hat diese Fragen auch zu klären. Nicht für sein eigenes Haus, sondern zusammen mit den Mitgliedern des Bauausschusses der Schmähiger Albuchschützen für das größte Bauprojekt in der Vereinsgeschichte: eine neue Schießstätte.

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Überlegt und geplant wurde schon seit 2014, im Mai 2016 gingen die Bauarbeiten los. Viele Schmähinger opferten Urlaubstage, arbeiteten am Feierabend und am Wochenende mit. Martin Rösch hat die meisten Helfer selbst angeworben. „Ich habe jeden Handwerker im Dorf angesprochen“, erzählt der Kassier des Schützenvereins, der selber gelernter Elektriker ist. Dafür ist er auch von Tür zu Tür gezogen. Einen Heizungsbauer hat er dabei nicht gefunden. Wohl aber bei einer Faschingsfeier im Reimlingen an der Bar. Das zu später Stunde gegebene Versprechen wurde inzwischen eingelöst. Die Heizkörper hängen bereits an den Wänden. Der Innenausbau läuft auf Hochtouren.

Direkt an die Alte Schule, in Sichtweite von Kirche und Friedhof, ist das quaderförmige Gebäude mit Flachdach und bodentiefen Fenstern zum Hof angebaut. Auf rund 220 Quadratmetern entsteht drinnen ein Schießstand mit elf Schießplätzen, ein Raum für die elektronische Auswertung und zwei Umkleidekabinen. Die Planungskosten hatte ein privater Spender finanziert.

Albuchschützen stehen vor größtem Projekt ihrer Geschichte

Der neue Komplex ist mit dem Alten Schulhaus durch einen modernen Eingangsbereich verbunden. Und auch im Alten Schulhaus ist in den vergangenen Monaten viel passiert. Hier hat die Stadt Nördlingen als Bauherr saniert. Zusammen wird dann ein neues Zentrum für den Stadtteil entstehen. „Wir können auch Bürgerversammlungen hier abhalten“, erklärt Rösch. Dafür gebe es extra Zuschüsse, und deshalb habe man die Schießstände mobil konzipiert. Sie können in der Wand versenkt werden, sodass nicht nur ein Platz zum Schießen ist, sondern der Raum auch als großer Versammlungssaal genutzt werden kann. Die Albuchschützen haben in einen modernen Eingangsbereich mit automatisch zu öffnenden Türen investiert. Neben dem barrierefreien Eingang wurde auch ein Behinderten-WC installiert. „Die anderen Toiletten gehören zur Alten Schule“, erklärt Rösch. Auch die Küche mit Schanktheke ist in der Alten Schule. Der Haupteingang liegt zwischen dem alten und dem neuen Gebäude.

Martin Rösch ist mit Gerhard Klein und Markus Hopf auf der Baustelle, immer gibt es etwas zu tun. Die Wände sind schon weiß angestrichen, die Platten für die Akustikdecke stehen verpackt in einer Ecke des Raumes – dafür ist Lorenz „Lolle“ Ott zuständig. Der Reimlinger montiert für den Schmähinger Verein die schalldämmenden Platten der Akustikdecke. „Dazu brauche ich keinen Helfer“, sagt Ott. Er wird das innerhalb von ein paar Tagen im Alleingang schaffen. In der Rohbauphase waren sieben Wochen lang immer vier Mann pro Schicht eingeteilt, beim Wegfahren des Aushubs hatten die Schmähinger Landwirte geholfen. „Unser Baggerfahrer ist 83 Jahre alt“, sagt Rösch. Insgesamt waren rund 60 Leute regelmäßige Helfer. Jetzt, in der letzten Phase der Bauarbeiten, sind schon über 4000 Stunden ehrenamtlich geleistet worden. Bei einem Projekt, das mit rund einer halben Million Euro angesetzt wurde, hat sich das immens bemerkbar gemacht. „Eine tolle Gemeinschaftsleistung“, sagt Rösch. Hans Hussel ist 73 Jahre alt und kann sich noch gut an den Unterricht im Alten Schulhaus erinnern. Wenn er auf der Baustelle vorbeischaut, freut er sich: Denn da werde mit Leidenschaft gearbeitet, sagt er.

Bisher haben die Albuchschützen ihre Schießstätte in der Dorfwirtschaft. „Wir lieben unsere Wirtschaft“, sagt Rösch. Doch nachdem nicht klar war, ob und wie es dort weitergeht, musste der Verein eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung aus der Not geboren, die sich als goldrichtig erweist. Das ehrenamtliche Engagement der Schmähinger wird auch weiterhin gefragt sein, denn ohne einen Wirt ist der Verein selbst für den Betrieb und den Unterhalt des neuen Gebäudes verantwortlich. Aber 40 Jahre nach der Eingemeindung zu Nördlingen haben die Schmähinger „was Eigenes“. Das sei ein gutes Gefühl.

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