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Jahrestag

09.03.2021

Als plötzlich alles stillstand – wie Corona in den Landkreis kam

Die Stadt Nördlingen mahnt, auf der Marienhöhe den Abstand einzuhalten.
Foto: Jochen Aumann (Archiv)

Plus Vor einem Jahr hat die Pandemie Einzug gehalten in der Region. Einiges aus den Anfängen wirkt heute sonderbar.

Die erste Meldung zu jener Pandemie, die seit einem Jahr die ganze Welt im Griff hat, erschien im Lokalteil unserer Zeitung am 1. Februar vergangenen Jahres. Damals berichteten die RN über die Auswirkungen des Coronavirus, das damals vor allem in China verortet wurde, darüber, dass die international tätigen Firmen in der Region begannen, ihre Mitarbeiter nicht mehr nach Asien reisen zu lassen. Der Vorstandsvorsitzende der Donau-Ries-Klinik in Donauwörth, Jürgen Busse, teilte damals mit, dass Patienten mit Verdacht auf das neuartige Coronavirus in den gKU-Krankenhäusern „noch nicht vorstellig geworden“ seien. Aber: Man sei vorbereitet. Doch eigentlich schien alles noch ziemlich weit weg.

Parallel dazu hatte das Landratsamt eine Mitteilung mit Informationen zum Virus veröffentlicht. Darin hieß es: „Als begründete Verdachtsfälle gelten derzeit nur Personen mit Symptomen an den Atemwegen, unabhängig von deren Schwere, die bis maximal 14 Tage vor Erkrankungsbeginn entweder Kontakt zu einem bestätigten Infektionsfall mit dem neuen Coronavirus hatten oder sich im Risikogebiet, der Provinz Hubei, aufgehalten haben.“

In Megesheim wurde noch groß Fasching gefeiert

Heute wissen wir, dass bis zu 50 Prozent der Krankheitsverläufe asymptomatisch sein und trotzdem Ansteckungen stattfinden können. Was die RN dann am 24. Februar vermeldeten, klingt aus heutiger Sicht fast schon makaber. In Megesheim wurde noch groß Fasching gefeiert. „Auch der derzeit omnipräsente Corona-Virus wird thematisiert.

Faschingsumzug in Megesheim im Jahr 2020.
Foto: Richard Lechner (Archiv)

Auf ihren großen Wagen haben die Faschingsfreunde Megesheim einen nachgebauten Rettungshelikopter gestellt, neben ihm eine riesige Corona-Bierkiste. Der Wagen ist mit dem Spruch versehen: ,Wir fliegen jetzt den Impfstoff ein, Corona-Bier das soll es sein.’“ Rund 10.000 Menschen feierten vor Ort, einige Wochen später war dann allgemein Schluss – beim ersten harten Lockdown, den der Kreis Donau-Ries erlebte.

Ab März spielt das Coronavirus im Landkreis eine immer größere Rolle

Ende Februar häuften sich die ersten Fälle bestätigter Corona-Infektionen in Bayern. Im Landkreis beschlich viele ein mulmiges Gefühl beim Betreten der Arztpraxen. In den Krankenhäusern des Landkreises wurden die ersten erforderlichen Maßnahmen für die Versorgung von Fällen getroffen. Einige Tage später registrierten die Behörden erste Covid-Fälle im Ostalbkreis.

Derweil wurden dem Gesundheitsamt bis zu diesem Zeitpunkt 241 an Influenza Erkrankte gemeldet – hierbei gab es einen Todesfall. In den Köpfen spielte dann ab Anfang März 2020 allerdings das Coronavirus die vorherrschende Rolle.

Erste Schüler müssen in Quarantäne

Am Samstag, 7. März, berichteten die Rieser Nachrichten, dass Schüler der Realschule Maria Stern in Quarantäne müssten. Drei siebte Klassen waren in Südtirol auf Klassenfahrt. Doch in der Nacht auf Freitag hatte das Auswärtige Amt diese Region als Risikogebiet eingestuft.

An diesem Abend meldete das Gesundheitsministerium die ersten beiden Corona-Fälle im Landkreis. Den Betroffenen ging es gut („beide Patienten sind wohlauf“). Sie waren aus einem Risikogebiet im Norden Italiens zurückgekommen.

Die Fallzahlen stiegen, bei den gesellschaftlichen Terminen hagelte es Absagen: Wemdinger Männerballett, nordschwäbisches Literaturfestival, Sportwettkämpfe … Unterdessen wurde am 12. März der erste schwere Covid-Fall im Landkreis gemeldet.

Mitte März wurden die Schulen geschlossen

Ein 48-jähriger Mann aus einem Ort nahe Donauwörth, ein trainierter Sportler, hatte sich in Südtirol das Coronavirus eingefangen. Es begann mit Schnupfen, endete mit akuten Schmerzen und hohem Fieber.

Es folgte die Krankenhaus-Einweisung nach Augsburg – nach einem Hin und Her an der Hotline 116117 und mit dem Gesundheitsamt. Nach einigen Tagen besserte sich sein Zustand, der Mann konnte in der Folge aus der Klinik entlassen werden.

Auch die Nördlinger OB-Wahl findet unter Corona-Bedingungen statt

Wiederum zwei Tage später wurden alle Schulen und Kitas in Bayern geschlossen, ausnahmslos – die Kommunalwahlen fanden am 15. März trotzdem statt, direkt an den Wahlurnen. Das Bild auf der ersten Seite unseres Lokalteils zeigte David Wittner und Steffen Höhn, die beiden OB-Kandidaten für die Stichwahl mit Ellbogengruß. „So begrüßt man sich in Zeiten des Coronavirus“ heißt es in der Bildunterschrift.

Doch in einem Artikel heißt es auch: „Wer an diesem Sonntag durch die Nördlinger Altstadt schlendert, der merkt schnell: Wirklich beunruhigt angesichts des Coronavirus scheint hier niemand zu sein. Die Leute sitzen in Cafés, trinken Bier oder schlecken ein Eis. Dabei sind die Auswirkungen nun auch im Landkreis Donau-Ries vollends angekommen, immer mehr Veranstaltungen werden abgesagt.“

Es herrscht ein Mangel am Nötigsten

Schließlich ging es für die Region wie für das ganze Land in den ersten Corona-Lockdown, die Polizei kontrollierte die Einhaltung der neuen Verordnungen zum Infektionsschutz. Die wurden verschärft, nachdem die Frühlingssonne die Menschen scharenweise in die Städte getrieben hatte. Menschen durften sich dann nicht mehr in Gruppen treffen, Einkäufe wurden auf „Versorgungsgänge für die Gegenstände des täglichen Bedarfs“ beschränkt und sämtliche Gaststätten geschlossen.

Anfang April ist das Virus mit tragischer Wucht im Landkreis Donau-Ries angekommen: Binnen weniger Tage sterben im Seniorenheim der Diakonie in Harburg acht Bewohner. Am 2. April meldet das Gesundheitsamt bis dahin 113 bestätigte Corona-Erkrankte. In Monheim wird das erste zentrale Testzentrum eingerichtet, mit maßgeblicher Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW). Der Führungsstab des Katastrophenschutzes am Landratsamt trifft sich in dieser Zeit täglich zur Lagebesprechung.

Allein an der Kreisbehörde sind 200 Mitarbeiter nur für den Bereich „Corona“ abgestellt. Nach wie vor herrscht Mangel am Nötigsten: Desinfektion, Schutzkleidung, Masken. Es wird dazu aufgerufen, jene so wichtigen Artikel zu spenden. Quasi in letzter Sekunde erreicht zentral vom Freistaat bestelltes Material den Kreis – das THW verteilt es.

Freiwillige nähen allerorts Masken, in erster Linie für die Pflegekräfte. Ebenfalls im ganzen Landkreis formieren sich privat, in Vereinen und Kirchengemeinden Helfergruppen, die Einkäufe für Risikogruppen erledigen. Indes ist zu diesem Zeitpunkt klar: Öffentliche Gottesdienste wird es in den Kirchen zu Ostern nicht geben.

Der Sommer im Donau-Ries verläuft relativ ruhig

Die Maßnahmen scheinen unterdessen zu wirken. Im Mai dann die ersten Lockerungsschritte: Das Besuchsverbot in der Donau-Ries-Klinik und in den Seniorenheimen wird gelockert, viele Unternehmen in der Produktion, die ganz geschlossen hatten, nehmen die Arbeit wieder auf – die Schüler besuchen nach Pfingsten wieder die Schulen, wenn auch unter anderen Umständen. Die Infiziertenzahlen sinken ab Mitte Mai merklich, ab Juni herrscht spürbar weniger Mangel an Schutzausrüstung.

Das Krankenhaus in Nördlingen.
Foto: Aumann (Archiv)

Der Sommer verläuft – den Umständen entsprechend – weitgehend ruhig. Sportvereine öffnen vorsichtig, es wird trainiert, einige Menschen fahren in die Ferien. Die niedrigen Zahlen bei den Neuinfektionen scheinen sie zu beruhigen. Gottesdienste sind wieder möglich, wenn auch mit klaren Abstandsregeln. Ende September öffnet das Testzentrum im zentral gelegenen Möttingen seine Pforten, nachdem dessen Vorgänger in Monheim sogar vorübergehend geschlossen worden ist.

Im Herbst kommt die Wende, die Zahlen steigen

Dann die Wende. Das Virus zeigt nun, wie schnell die Situation kippen kann. Bereits Ende Oktober steht Ministerpräsident Söders neue „Corona-Ampel“ im Kreis Donau-Ries auf Dunkelrot: 115 nachweislich Infizierte auf 100.000 Einwohner im Sieben-Tages-Schnitt. Die Lokale müssen erneut schließen.

Im November steht angesichts der nun entwickelten Impfstoffe fest: Im Landkreis wird es zwei Impfzentren geben, in Donauwörth und Nördlingen. Bis Mitte Dezember haben sich insgesamt 2120 Bürger im Kreis infiziert, 44 sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Ende des Jahres wird erstmals geimpft: Eine 82-jährige Heimbewohnerin aus Nördlingen erhält die erste Immunisierung in der Region. Die Impfungen verlaufen seither schleppend – Hauptgrund ist schlicht und ergreifend zu wenig vorhandener Impfstoff.

Debatte über die frühe Impfung von Landrat Stefan Rößle

Das neue Jahr beginnt alles andere als erbaulich in der Region. Zu Weihnachten waren größere Treffen mit Verwandten und Bekannten möglich gewesen. Die zweite Welle wirkt sich dann ab Januar heftig aus. Der Inzidenzwert liegt Mitte des Monats laut Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 214,5, es werden jetzt seit März 84 Tote gezählt.

Es kommt wieder zu Ausbrüchen in Seniorenheimen, etwa in Hochaltingen und beim BRK in Donauwörth. Der erste Monat des neuen Jahres liefert eine bittere Bilanz: Die Zahl der Infizierten steigt auf 3493 (davon gelten 3151 als genesen), fast die Hälfte der bis dahin 124 Todesfälle seit Beginn der Pandemie wird im Januar registriert. Dann leichtes Aufatmen. Der Februar startet mit einer leichten Entspannung, obwohl die ersten Mutationen des Virus in den Nachbarlandkreisen den Medizinern im Gesundheitsamt durchaus Sorge bereiten.

Im einer Sitzung des Kreisausschusses des Landkreises Donau-Ries wird das Prüfergebnis der Regierung von Schwaben zur Impfung des Landrates Stefan Rößle dargelegt.
Foto: Barbara Wild

Den Februar über sorgen die frühen Impfungen von Landrat Stefan Rößle und Donauwörths Oberbürgermeister Jürgen Sorré für kontroverse Debatten. Schließlich verkündet die Regierung von Schwaben im Fall Rößle: Dienstlich sei kein Fehlverhalten festzustellen. Sorré wartet noch auf die Bewertung.

Die Inzidenz sinkt im Landkreis Donau-Ries

Anfang März, ein Jahr nach dem ersten Auftreten des Virus im Landkreis, ist die Stimmung eine gemischte in der Region: Einerseits ist man Anfang des Monats der Landkreis in Bayern mit der niedrigsten Inzidenz – ein Wert von zeitweise knapp 11 bedeutete deutschlandweit Rang drei hinter der Stadt Kaufbeuren (9,0) und dem Landkreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein (10,5). Andererseits geben eine mögliche „dritte Welle“ durch die Mutationen und die bislang schleppend vorangehenden Impfungen auch Anlass zur Sorge.

3626 von 134000 Landkreisbürgern haben sich bislang nachweislich infiziert. Die meisten gelten als genesen, einige spüren die Folgen nach wie vor, 141 sind laut RKI gestorben. Ein Jahr Corona im Landkreis – und das Ganze ist wohl noch eine ganze Zeitlang nicht Geschichte.

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