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Zwölf Stämme

13.09.2013

Aussteiger sagen an geheimen Orten aus

Beim Gerichtsverfahren um die Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" haben Aussteiger der an geheimen Orten per Video ausgesagt.
Bild: Daniel Karmann (dpa)

Das Gerichtsverfahren um die Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" hat unter ungewöhnlichen Bedingungen begonnen. Aussteiger sagen an geheimen Orten per Video aus.

Im Gerichtsverfahren gegen die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" wurden zum Beginn der Anhörungen von fünf Elternpaaren im Amtsgericht Ansbach Aussteiger zu den Erziehungspraktiken der Sekte als Zeugen vernommen. "Die sechs Aussteiger halten sich während ihrer Aussage an einem geheimen Ort auf", berichtete Amtsgerichtsdirektorin Gudrun Lehnberger. Die Zeugen wurden im Gericht per Video angehört. 

Vorläufiger Entzug des Sorgerechts für 40 Kinder und Jugendliche der "Zwölf Stämme"

Ehemalige Sektenmitglieder hatten darüber berichtet, dass Jungen und Mädchen bei der Sekte geschlagen werden. In der vergangen Woche hatten deshalb auf Anordnung des Gerichts mehr als 100 Polizisten die Kinder aus den zwei deutschen Gemeinschaften der "Zwölf Stämme" geholt und an Pflegefamilien übergeben. Für 40 Kinder und Jugendliche gilt ein vorläufiger Entzug des Sorgerechts.

Das Ansbacher Amtsgericht verhandelt nun über den Sorgerechtsentzug für zehn Kinder. "Alle Eltern fordern die Aufhebung der gerichtlichen Beschlüsse", sagte Lehnberger. Wann der Richter über die Anträge entscheidet, sei noch unklar. Am kommenden Mittwoch starten die Verfahren wegen der weiteren 30 Kinder beim Amtsgericht Nördlingen. Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme"

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Züchtigung der Kinder im Sektenbuch vorgeschrieben

Bereits seit langem gibt es Vorwürfe gegen die "Zwölf Stämme", dass sie ihre Kinder auch mit Schlägen züchtigen. Es geht um Kinder und Jugendliche im Alter von wenigen Monaten bis 17 Jahre, die bislang in den Gemeinschaften der Sekte im mittelfränkischen Wörnitz und auf dem schwäbischen Gutshof Klosterzimmern in Deiningen lebten.

Das Gericht hat den Eltern das Sorgerecht weitgehend entzogen, weil nach den bisherigen Erkenntnissen "die konkrete Gefahr bestand, dass es zu einer erheblichen Schädigung der Kinder kommen würde, wenn diese bei ihren Eltern verbleiben würden". Die "Zwölf Stämme" sind insbesondere in den USA vertreten. Die Gerichte schauen sich deshalb auch das englischsprachige Kindererziehungs-Handbuch der Sekte an. Dort gehe es in einem Kapitel auch um die "die Züchtigung der Kinder mit der Rute", berichtete Lehnberger.

Zwölf Stämme Polizeiaktion
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Polizeieinsatz bei den "Zwölf Stämmen"
Bild: Dieter Mack

"Zwölf Stämme" kritisieren Sorgerechtsentzug scharf

Beim Amtsgericht Nördlingen liegen wegen der "Zwölf Stämme" insgesamt 17 Verfahren an. "Das wird ein bis zwei Wochen dauern", berichtete Direktor Helmut Beyschlag über die bevorstehenden Elternanhörungen. Trotz aller Eilbedürftigkeit dieser Familienverfahren müsse der normale Betrieb des Gerichts weitergehen.

Die "Zwölf Stämme" haben die vorläufige Gerichtsentscheidung zum teilweisen Sorgerechtsentzug scharf kritisiert. Auf der Homepage der Gemeinschaft wird die Polizeiaktion in Klosterzimmern und Wörnitz als "staatlicher Kinderraub" bezeichnet. Wegen der Prügelvorwürfe ermittelt auch die Staatsanwaltschaft gegen Mitglieder der Sekte. Ein erstes Ermittlungsverfahren war vor wenigen Wochen zunächst eingestellt worden. dpa/AZ

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