Newsticker
EU kauft bis zu 1,8 Milliarden weitere Biontech-Impfdosen
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Ausstellung: Stadtmauerfest: So kleideten sich die Nördlinger früher

Ausstellung
08.08.2019

Stadtmauerfest: So kleideten sich die Nördlinger früher

Zeigen die Ausstellungsstücke (von links): Martina Guckert, Sandra Beck (Vorsitzende Trachtenverein D´ Rieser), Museumsleiterin Andrea Kugler, Sandra Wagner und Uschi Rothgang.
Foto: Rudi Scherer, Stadt Nördlingen

Das Stadtmuseum zeigt Kleidungsstücke aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Welche Kleidungsstücke die Nördlinger bevorzugten.

In Nördlingen werden jetzt wieder die Kleiderschränke nach historischen Kostümen durchforstet, denn das Stadtmauerfest naht. Doch was hat man nun früher getragen? Diese Frage greift das Stadtmuseum Nördlingen auf und präsentiert zum Stadtmauerfest eine kleine Schau verschiedener Kleidungsstücke und Accessoires. Sie stammen aus der Schneiderei Sandra Wagner, von Martina Guckert/“näh_mal“, von Uschi Rothgang Mode-Design sowie vom Trachtenverein „D’Rieser Nördlingen“.

Zu sehen gibt es Gewänder des 15. Jahrhunderts, die aus einem Gemälde des Malers Friedrich Herlin „herausgestiegen“ sind. Margarethe und Friedrich Herlin zeigen sich im Jahr 1488 in sittsamer Kirchentracht mit Mantel und Kopftuch.

Aus dem frühen 16. Jahrhundert stammt dagegen das tief ausgeschnittene Brokatkleid einer wohlhabenden Bürgerstochter. Sie ist in einem Altargemälde von Sebastian Taig aus der Zeit um 1518 zu sehen. Die Nördlinger Schneidermeisterin Sandra Wagner hat alle drei Gewänder eigens für die Ausstellung nachgenäht.

Zwischen Renaissance und Barock bewegen sich die beiden Frauenkleider aus dem Atelier von Uschi Rothgang. Die wohlhabende Bürgerin um 1550 trug ihr Kleid im Stil der Renaissance. Dagegen richtete sich die Patrizierin um 1600 nach der Mode des frühen spanischen Barock.

Modische Gestaltungsfreude auch bei den Männern

Aus der Zeit um 1800 stammen zwei originale Textilien aus der Sammlung des Stadtmuseums. Das Frauenmieder zeigt, dass die Schwäbinnen gerne „Schneppe“ trugen, das heißt sie ließen ihr Mieder vorne und hinten spitz zulaufen. Die Herrenweste belegt modische Gestaltungsfreude auch beim den Männern. Diese trugen also nicht nur Schwarz, Rot oder Tüpfelsamt.

Ein besonders typisches Kleidungsstück ist der Rieser Kittel für den Mann. Wann genau im 19. Jahrhundert das riestypische Blauhemd aufkam, ist unbekannt. Dass der Rieser Kittel nicht völlig verschwand, ist einer Pressemitteilung der Stadt Nördlingen zufolge Modedesignerin Uschi Rothgang zu verdanken. Sie erwarb Schnitte, Stickmaschinen und Know-How vom letzten Hersteller. An moderne Bedürfnisse angepasst, bietet sie den Kittel heute wieder zum Verkauf an.

Die große Gestaltungsfreude der „Rieser Tracht“ um 1900 kann eine Ausstellung der Mitteilung zufolge kaum zeigen. Zu groß sei die Menge an unterschiedlichen Kleidungsstücken und Stoffarten. Rieser und Rieserin kleideten sich konfessionell unterschiedlich. Vor allem an Farbe und Haube war die Religionszugehörigkeit ablesbar. Aus der Sammlung des mittlerweile 100-jährigen Trachtenvereins „D’Rieser Nördlingen“ erhielt das Stadtmuseum mehrere Exponate als Leihgabe.

Der Schwerpunkt ist die Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Ein Schwerpunkt beim Stadtmauerfest im September ist jedoch die Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit seinen Landsknechten. Viele Nördlinger werden dazu passende Kostüme einfacher Bürger tragen. Deren Nähvorlagen entwickelte die Stadt Nördlingen schon in den 1980er Jahren. Moderne Schnitte bietet Schneidermeisterin Martina Guckert in ihrem Geschäft an. Die Modelle sind bis zum Stadtmauerfest in der Ausstellung zu sehen. Dann werden sie von ihren Besitzern ausgeführt.

Die Ausstellung im Stadtmuseum möchte soll vor allem den Blick auf die verschiedenen Moden richten und geschichtsbegeisterten Textilern Anregungen geben. Deshalb ergänzen originale Exponate, Stiche und Requisiten aus der Sammlung die kleine Schau.

Die Ausstellung über das Stadtmauerfest ist bis 3. November jeweils Dienstag bis Sonntag von 13.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. (pm)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren