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11.04.2020

Bräuche zu Ostern

Ein Osterstrauß.
Foto: Herbert Dettweiler

Viele sind heute kaum noch bekannt

Ostereier, Osterhasen, Hasennester, der Osterspaziergang am 2. Feiertag (Emmausgang) waren und sind allerorts gepflegte Bräuche in Süddeutschland. Dennoch sind speziell für das Ries einige davon erwähnenswert, da sie heute kaum mehr bekannt sind. Aus dem Jahre 1951 existieren beispielsweise in Deiningen Aufzeichnungen von Hauptlehrer Stirner über Osterbrauchtum, wie es Deininger Schulkinder in Aufsätzen beschrieben haben: „Die kleinen Kinder machen Osternestchen. Zu denen kommt der Osterhase.“ (Wilhelm Rehklau) – „Kinder, die konfirmiert sind, bauen keine Hasennester für Ostern mehr.“ (Ingeborg Oefele) - „Kinder, die schon zu groß sind, werden vom Osterhasen vergessen. Dafür bekommen diese die Eier, die die Hennen an diesem Tage legen.“ (Marie Rehklau) - „Ich bekam die Eier, die die Hennen am Ostermontag legten.“ (Marie Dischinger) - „Die Eier verkaufte ich einige Tage nach Ostern.“ (Heinrich Dollmann)

Eierpicken und Eier-Horgeln (rollen) als bekannteste Eierspiele waren im ganzen Ries beliebt, oder aber auch nachzuschauen, ob man bei einem gelben Dotter ein „Engele“ oder bei einem grauen, schwärzlichen Dotter ein „Deifele“ war. In Nördlingen kannten die Kinder früher einen speziellen und nur dort geübten Brauch: Da gingen die Mütter und Omas am Ostersonntag mit ihren Kleinen in den Frickhinger Anlagen spazieren. Man sagte den Kindern, der „Hans Henschele“ werfe Eier von der Stadtmauer in den Graben hinab, sie möchten nur recht suchen. „Gerade hat er wieder eines herabgeworfen, hast es nicht gesehen?“, meinte die Großmutter, und während die Kinder nach oben guckten, versteckten die Großen ein Osterei in unmittelbarer Umgebung.

In katholischen Dörfern müssen von Gründonnerstagabend bis Karsamstag die Glocken schweigen. „Sie sind nach Rom geflogen“, sagte man den Kindern, die während dieser beiden Tage als Ministrantinnen und Ministranten mit Rätschen das Glockengeläut ersetzen. Während sie fleißig die Kurbel bedienen, die ein Hammerwerk in Gang setzt, bekommen sie von den Anwohnern am Karsamstagnachmittag eine kleine Spende. Am Ostersonntag läuten dann wieder alle Glocken zum Gottesdienst. In der Maihinger Klosterkirche ist dann auch wieder das „Heilige Grab“ als Auferstehungsszene zu bewundern. Vor einigen Jahren wurde dieses wieder restauriert und die Mechanik in Gang gesetzt. Und bis etwa 1960 blies in manchen Dörfern der Posaunenchor Osterchoräle vom Kirchturm oder die Musikkapelle weckte am Ostermorgen gegen 5 Uhr mit Marschmusik die Dorfbewohner, wenn sie nicht gerade, wie manches Mädchen, von einer fließenden Quelle zurückkamen, wo sie sich mit dem Osterwasser heimlich und unbeschrieen die „Rossmucken“ (Sommersprossen) abwuschen. Frau wollte doch schön sein, wenn sie an Ostern von ihrem Geliebten ein kunstvoll beschriebenes Osterei geschenkt bekam als Liebesgabe, vielleicht mit dem Spruch:

Das Veilchen am Bache,

das Röslein am Strauch,

sind alle zwei herzig.

Und Du bist es auch.

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