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Nördlingen

18.12.2019

Cybermobbing: Mitschüler (14) wird noch einmal vernommen - und gesteht

In Nördlingen sind Kinder und Jugendliche Opfer von extremem Cybermobbing geworden. Jetzt hofft die Polizei, dass Ruhe in die Schule einkehrt, der 14-jährige Tatverdächtige hat einen Großteil der Taten, die ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, gestanden.
Bild: dpa, Oliver Berg

Plus Der verdächtige 14-Jährige räumt einen Großteil der Taten, die ihm zur Last gelegt werden, ein. Ein anderer Fall in Nördlingen endete mit zwei Schlägereien.

Physische und psychische Gewalt unter Kindern und Jugendlichen ist in diesen Tagen in Nördlingen außergewöhnlich präsent. Jetzt hat das Polizeipräsidium Schwaben Nord in Absprache mit der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass der Verdächtige in den Nördlinger Cybermobbing-Fällen großteils gestanden haben soll. Am Mittwochmittag sei der 14-Jährige noch einmal vernommen worden, dabei räumte er einen Großteil der ihm vorgeworfenen Taten ein. Der Fall sei damit jedoch noch nicht abgeschlossen, die Ermittlungen zum Gesamtkomplex dauern der Polizei zufolge noch an. Das Präsidium gab bekannt, dass die Motivlage „nach jetzigen Erkenntnissen aber wohl eher im Persönlichkeitsbild des offenbar IT-affinen Jugendlichen zu suchen ist“.

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Falsche Todesanzeige in Nördlingen: Verdächtiger gesteht

Dem 14-Jährigen wird vorgeworfen, vier Mitschüler seit Juni zu belästigen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm neben Beleidigung und Bedrohung auch sexuellen Missbrauch von Kindern vor, weil er Links mit pornografischen Inhalten an die teils Minderjährigen versandt haben soll. Zuletzt wurde sogar eine gefälschte Todesanzeige von einem der Geschädigten im überregionalen Teil unserer Zeitung abgedruckt.

Dass Cybermobbing auch in physischer Gewalt enden kann, haben auch Schüler der Nördlinger Mittelschule vergangene Woche erlebt. Ein Bub soll von mehren Jugendlichen angegriffen worden sein. Die Nördlinger Polizei meldete den Fall am Samstag in ihrem Polizeibericht. Inzwischen scheint klar, dass sich mehrere Schüler auf einem Sportgelände geprügelt haben sollen. Nicht nur ein 15-Jähriger soll angegangen worden sein, auch ein Elfjähriger. Sowohl am Dienstag als auch am Donnerstag soll es nach Angaben der Polizei Handgemenge und später auch eine Schlägerei gegeben haben. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Beleidigung und schwerer Körperverletzung – auch gegen den Jüngeren.

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Gewalt unter Schüler: Mittelschule Nördlingen reagiert

Die Leitung der Mittelschule habe umgehend reagiert, sagt Rektorin Marga Riedelsheimer. Die Kinder seien sofort vorläufig aus dem Unterricht genommen worden. Mehrere Schüler seien an der Schlägerei nach dem Unterricht auf dem Sportgelände beteiligt gewesen und nicht schwerer verletzt worden. „Wir gehen vehement gegen jegliche körperliche Gewalt vor. Diese wird in keinster Weise geduldet“, sagt Riedelsheimer. „Weitere Ordnungsmaßnahmen werden nach vollständiger Klärung folgen.“ Der Streit sei in WhatsApp-Gruppen geschürt worden, so würde es oftmals ablaufen. „Die Kinder mobben sich außerhalb der Schule, oft in sozialen Netzwerken, tragen den Konflikt in die Schule und wir haben oft mit den Folgen zu kämpfen“, sagt die Schulleiterin und will die Eltern darauf aufmerksam machen, dass ihre Kinder viel verantwortungsvoller mit den neuen Medien umgehen sollten.

Die Eltern müssten ihren Erziehungsauftrag ausführen. „Es ist in erster Linie Auftrag der Eltern, auf die Gefahren der Medien hinzuweisen und die Kinder dementsprechend zu erziehen. Wir als Schule sehen uns natürlich auch in der Verantwortung und machen viel Präventionsarbeit – auch im Bereich Mobbing, Cybermobbing und Medien“, meint Riedelsheimer. Mobbing finde nicht nur in der Schule statt. In der Mittelschule ist der Gebrauch von Handys grundsätzlich verboten – wie an vielen anderen Schule auch.

Jugendbeamter sagt, Kinder wüssten nicht, was sie anrichten würden

Markus Seel ist Jugendbeamter in der Nördlinger Polizeiinspektion. Er hat viel mit Jugendlichen zu tun, die sich gegenseitig beleidigen, sich prügeln – oder sich Links zu pornografischen Inhalten weiterleiten. Dass die Jugendlichen oder Kinder sich damit bereits strafbar machten, wüssten sie oftmals nicht, sagt Seel. Sie wüssten auch nicht, was sie anrichten würden. Die weitläufige Meinung, dass Kinder unter 14 Jahren nicht belangt werden könnten, sei nicht richtig, erklärt Seel.

Bereits ab einem Alter von acht Jahren müssen Kinder mit zivilrechtlichen Folgen rechnen. Ab 14 Jahren können sie dann auch strafrechtlich belangt werden.

Lesen Sie dazu auch: Cybermobbing in Nördlingen: Was können Eltern und Betroffene tun?

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