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Nördlingen

15.07.2017

Darknet-Lieferungen nach Nördlingen

Zwei Männer waren angeklagt, weil sie auf der Darknet-Seite des Leipzigers, „Shiny Flakes“ Drogen bestellt haben sollen. (Archivfoto)
Bild: Peter Endig, dpa

Ecstasy, Kokain, Meth und Amphetamin: Die Drogen waren an einen Nördlinger adressiert. Der Fall geht zurück auf den Kinderzimmer-Dealer von Leipzig.

Jeder hinterlässt Spuren im Leben, selbst wenn er das versucht zu vermeiden. Sogar im Internet gibt es den sogenannten digitalen Fingerabdruck. Mit einer Ausnahme: dem „Darknet“, einem anonymen Onlinebereich, für dessen Zugang Nutzer ein spezielles Programm benötigen. Vor dem Nördlinger Amtsgericht wurden innerhalb kurzer Zeit zwei Fälle verhandelt, bei denen Männer Drogen im Darknet bestellt haben sollen. Dem Vorsitzenden Richter des Schöffengerichts, Helmut Beyschlag, waren allerdings die Hände gebunden.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg warf einem 31-jährigen Nördlinger nun unter anderem Drogenbesitz vor und in sechs Fällen den Erwerb von Betäubungsmitteln. Staatsanwältin Alexandra Körner listete zahlreiche Bestellungen von der Darknetseite „Shiny Flakes“ auf, die an eine Nördlinger Adresse versendet worden sein sollen. Der Nachname war stets der selbe, nur der Vorname des Käufers variierte. Zwischen Juli 2014 und Januar 2015 soll der Angeklagte demnach mehrmals unter anderem diverse Mengen an Kokain, Ecstasy, Marihuana und Amphetamin bestellt haben. Bei einer Hausdurchsuchung später wurden dann noch Marihuana Joints, Meth und Kokain in geringen Mengen gefunden.

Der 31-Jährige gestand, dass diese Drogen bei ihm zuhause lagen. Freunde hätten sie dort angeblich liegen gelassen. Von den Drogenlieferungen aus dem Darknet wollte er aber nichts wissen: „Ich war das nicht. Ich hab’ nichts bestellt. Ich hab’ von dem Typ nur mal in der Bildzeitung gelesen.“ Der Typ, der sogenannte, Kinderzimmer-Dealer, ist im März 2015 in Leipzig aufgeflogen.

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Ohne bestimmte Adressen an manipulierte Anschriften versendet worden

Ermittlungsbehörden sind ihm auf die Schliche gekommen, weil Pakete nicht zugestellt werden konnten. Die Staatsanwaltschaft Leipzig teilte damals mit, dass die Lieferungen ohne einen bestimmten Absender an manipulierte Anschriften versendet worden sind. Nach Angaben verschiedener Medien sollen seine Sendungen auch nicht ausreichend frankiert gewesen sein. Der 20-jährige Leipziger hat auf der Darknet-Seite „Shiny Flakes (Glitzernde Flocken) unter anderem Ecstasy, Kokain und Meth im großen Stil verkauft. Die Kunden haben stets mit der Internetwährung Bitcoins gezahlt. Laut einem Bericht von Spiegel Online lag der Vorteil der Seite Shiny Flakes darin, dass die Substanzen aber über das normale Internet gekauft werden konnten.

Der Leipziger Drogendealer verschickte seine Pakete an Junkies weltweit, wohl auch ins Ries. Dokumentiert ist das auf einer Liste, die Ermittler in Leipzig als Beweismittel gesichert haben. Darin standen auch die Adressen aus Nördlingen.

Der Angeklagte konnte am Mittwoch lediglich wegen des Drogenbesitzes schuldig gesprochen werden, nicht aber für die Bestellungen. Helmut Beyschlag verhängte, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, 90 Tagessätze à 40 Euro. Der Mann war nicht vorbestraft und nahm das Urteil an. Weil es an Beweisen für die Drogenbestellungen mangelt, gilt an dieser Stelle die Unschuldsvermutung für den Angeklagten. „Auch wenn die Sache wirklich gewaltig stinkt“, sagt Beyschlag, der mit diesem Kommentar die Worte des Verteidigers Walter Rubach aufgreift.

Verteidiger Rubach zweifelt, dass Bestellungen je angekommen sind

Tatsächlich werfen diverse Ungereimtheiten Fragen auf. Der Emailaccount, von dem die Bestellungen auch eines weiteren Nördlingers ausgingen, konnte nicht zugeordnet werden. Die beiden Männer sollen wohl seit der Kindheit befreundet sein. Der Angeklagte sagte, dass er keinen Emailaccount mehr besitzen würde, seitdem die Polizei diesen gesperrt habe. „Zünden Sie dann ein Lagerfeuer an, wenn sie Bestellungen machen?“, sagte Beyschlag, der nicht glaubte, dass ein junger Geschäftsmann keinen Emailverkehr betreibt. Die Staatsanwältin zweifelte an dieser Theorie ebenfalls. Der 31-Jährige fügte hinzu, dass Geschäftsmails über seinen Vater laufen würden.

Verteidiger Rubach sagte, dass es kein Wissen darüber gebe, ob die Bestellungen je angekommen seien, sondern nur einen Verdacht. Die Post habe die Daten nicht mehr gespeichert. Außerdem sei der Briefkasten von der Straße leicht zugänglich. Jeder hätte dort Bestellungen einwerfen und wieder herausnehmen können. „Man könnte auch darüber nachdenken, ob die beiden Nördlinger gemeinsam was gemacht haben, muss man aber nicht“, fügte Rubach hinzu.

Beide Täter kämen für die Bestellungen in Betracht. Die Ermittlungen, so ein Polizist, der als Zeuge geladen war, hätten allerdings bislang keine Erkenntnisse darüber gebracht. Der Darknet-Fall eine Woche zuvor wurde eingestellt, weil der Mann nicht mehr in Nördlingen gemeldet war.

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