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Wemding/Nördlingen

16.06.2017

Denkzettel für zwei Männer

Wegen einer Schlägerei in Wemding standen zwei Männer vor dem Nördlinger Amtsgericht. (Symbolbild)
Bild: Alexander Kaya

Nach einem alkoholreichen Kneipenbesuch kam es in Wemding zu einer Schlägerei. Warum die beiden Angeklagten einigermaßen glimpflich davon kamen.

Es ging um das Ende eines reichlich alkoholseligen Wirtshausbesuchs, um zwei betrunkene Männer, einen ebenfalls nicht mehr nüchternen Kontrahenten und um Provokationen, die dann in Handgreiflichkeiten ausarteten. Mit anderen Worten: Die Verhandlung am Amtsgericht Nördlingen gegen einen 34-Jährigen und seinen 37 Jahre alten Freund – beide aus dem Landkreis – bediente wieder einmal sämtliche Klischees einer Kneipenschlägerei.

Die Frage, die sich am Ende für die Vorsitzende Richterin Andrea Eisenbarth stellte, war: Haben wir es mit einer gefährlichen Körperverletzung zu tun? Für die Juristin bestand kein Zweifel daran, dass es so war. Und deshalb verurteilte sie den 34-Jährigen zu 90 Tagessätzen je 30 Euro (2700 Euro) und den 37-Jährigen zu 90 Tagessätzen á 50 Euro (4500 Euro).

Was war in jener Nacht am 11. September 2016 in Wemding passiert? Kurz vor vier Uhr früh verließen die beiden Männer in Begleitung der Freundin des einen eine Kneipe. Wie viel genau sie im Laufe des Abends getrunken hatten, war im Prozess nicht mehr feststellbar. Einer sprach von zehn Bier, die er intus gehabt hätte, der andere konnte sich nicht mehr erinnern. Laut einer späteren polizeilichen Zeugenaussage aber habe er kaum noch stehen können.

Die Angeklagten fühlten sich durch andere Nachtschwärmer provoziert

In der Nähe des Lokals beschlossen sie, noch rasch ihre Blasen zu entleeren. Zwei andere Nachtschwärmer beobachten und kommentierten das Urinieren. Dadurch fühlten sich die beiden jetzt angeklagten Männer provoziert. Das wollten sie sich nicht gefallen lassen und konterten entsprechend. Ehe man sich’s versah, war ein Streit ausgebrochen, der von dem Satz des späteren Opfers angestachelt wurde: „Dann schlag doch zu!“ Wer nun wann durch wen Hiebe, Faustschläge oder Fußtritte kassierte, war im Einzelnen nicht mehr ganz nachvollziehbar.

Fest stand aber am Ende, dass die beiden Angeklagten dem Dritten Prellungen an der Lendenwirbelsäule, am Kopf und am Brustkorb zufügten. Der musste sich in ärztliche Behandlung begeben. Die beiden Männer räumten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft im Wesentlichen auch ein. Sie waren von Anfang an geständig und zeigten Reue, indem sie sich lange vor der Gerichtsverhandlung bei dem Malträtierten entschuldigten und ihm im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs 1000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz zahlten.

Beide Angeklagte sind bislang völlig unbeschriebene Blätter, haben keinerlei Eintragungen im Bundeszentralregister. Aufgrund der Gesamtumstände mit alkoholbedingter Enthemmung, Provokationen, Reue und der Tatsache, dass das Opfer selbst in juristischer Hinsicht kein Unschuldslamm ist, kam das Gericht zu einer Strafe im unteren Bereich. „Es braucht einen Denkzettel“, erklärte Richterin Eisenbarth, „aber der muss in keinem Führungszeugnis auftauchen.“ Mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen gelten die beiden Verurteilten als nicht vorbestraft. Das wäre erst ab 91 der Fall.

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