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Möttingen

03.09.2020

Der Konflikt um die B25 in Möttingen verschärft sich

Mit einem Plakat hat ein Anwohner deutlich gemacht, was er von der B25 durch Möttingen hält.
Bild: David Holzapfel

Plus Die B25 verläuft direkt durch Möttingen. Seit Jahren fordern Anwohner eine Umgehung. Gewerbetreibende und der Bürgermeister sehen das anders. Betroffene berichten von ihrem Leben mit dem Lärm.

Wenn Gudrun und Alfred Ruckdäschel in ihrem Garten auf der Terrasse sitzen und sich unterhalten wollen, müssen sie laut werden. Die B25 verläuft keine fünf Meter von ihrem Grundstück in Möttingen entfernt, im Sekundentakt rauschen Autos und Lkw vorbei. „Hören Sie das?“, fragt Ruckdäschel und deutet in Richtung Straße. „Den Lärm müssen wir seit Jahrzehnten ertragen.“ Seit 50 Jahren wohnt er gemeinsam mit seiner Frau an der Bundesstraße. Der Verkehr, sagt er, habe sich mit der Zeit zu einer „wahnsinnigen Belastung“ entwickelt.

Die Bundesstraße 25 spaltet die Gemeinde Möttingen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Im Herbst soll der dreispurige Ausbau des Abschnitts zwischen Nördlingen und Möttingen beginnen. Er ist umstritten im Dorf. Anwohner fürchten, dass das Verkehrsaufkommen durch die Erweiterung ansteigen könnte. Das hieße: mehr Fahrzeuge, mehr Lärm, mehr Dreck. Schon seit über 30 Jahren beschäftigt sich die Gemeinde deshalb mit einer möglichen Ortsumgehung. Nun kocht die Debatte darüber erneut hoch. Auch, weil die Umgehung im Bundesverkehrswegeplan in der Kategorie „vordringlicher Bedarf“ eingestuft wurde. Über das Für und Wider einer Ausweichstraße wird in der Gemeinde heftig diskutiert.

Drei mögliche Szenarien für eine B25-Ausweichstraße um Möttingen

Es gibt drei mögliche Szenarien. Bei einer sogenannten „Null-Variante“ würde die jetzige Trasse als Hauptverkehrsader mitten durch den Ort beibehalten. Für eine solche Lösung plädieren vor allem die örtlichen Gewerbebetriebe.

Der Konflikt um die B25 in Möttingen verschärft sich

Unserer Redaktion liegt ein offener Brief vor, der federführend von Heinrich Meyer, Geschäftsführer der MW-Caravaning GmbH, verfasst und von insgesamt acht Möttinger Unternehmen unterstützt wird. Darin heißt es: „Die Gemeinde (...) ist seit jeher ein Straßendorf und wird dies auch bleiben.“ Die meisten Betriebe würden zu einem Teil von der Sichtbarkeit und Nähe zur B25 leben. „Wenn Möttingen eine Umgehung bekommt, stirbt das Geschäftsleben weg“, schreibt Meyer weiter. Die Firmen entlang der Straße hätten auch Verantwortung für ihre Mitarbeiter und deren Familien zu tragen.

Anwohnerin mit Petition für B25-Umgehungsstraße

Die Anwohner hingegen fordern entweder eine Nord- oder Südumgehung des Ortes. Alfred Ruckdäschel sagt: „Alle Befürworter der Null-Variante wohnen schlicht und ergreifend nicht an der Straße. Sie wissen nicht, wie es ist, mit der Lärm- und Schmutzbelastung leben zu müssen.“ Ihre Fenster haben die Ruckdäschels schon vor Jahren doppelt verglast. Viel gebracht hat das nicht. Zur Straße hin könnten sie wegen des Lärms kein Fenster aufmachen. Ruckdäschel beklagt auch die Kommunikation der Ämter vor allem mit Zugezogenen. „Viele haben sich herlocken lassen mit dem Versprechen, dass eine Umgehung kommen soll. Und mit dem neuen Bürgermeister wandelt sich das Versprechen plötzlich.“

Wenige Häuser weiter. Auch Stella-Maria Bartko wohnt mit ihrer Familie an der Bundesstraße. Seit einiger Zeit sammelt sie Unterschriften für eine Umgehungsstraße. Die Lärmbelastung, sagt sie, sei mitunter unerträglich, vor allem durch den zunehmenden Schwerlastverkehr.

B25 ist Hauptschlagader für Verkehr im Landkreis

Die B25 ist eine Hauptschlagader des Verkehrs im Landkreis. Schon jetzt fahren rund 14000 Fahrzeuge pro Tag durch Möttingen, davon besteht rund ein Fünftel aus Schwerverkehr, also schweren Nutzfahrzeugen wie Lkw. Tendenz: steigend. Das geht aus dem Bundesverkehrswegeplan hervor.

Ein Anruf bei Möttingens neuem Bürgermeister, Timo Böllmann (ÜWG). Seiner Meinung nach ist eine „Null-Variante“ mit größeren Lärmschutzmaßnahmen die beste Lösung. Eine etwaige Nord- oder Südumgehung sieht er kritisch. Im Norden verliefen die Bahnlinie und der Forellenbach, für deren Überquerung teure Brücken erforderlich wären, wie der Bürgermeister sagt. Im Falle einer Südumgehung würden sich die bestehenden Probleme nicht lösen, sondern lediglich verlagern: Die Südtrasse würde nahe an bereits bestehenden Wohngebieten vorbeiführen.

Staatliches Bauamt stellt im Oktober Varianten für Ortsumfahrung vor

Böllmann betont, er könne jeden verstehen, der seit 40 oder 50 Jahren an der B25 wohne und damals nicht hätte ahnen können, wie sich der Verkehr künftig entwickle. Er sagt jedoch auch: „Wer heute ein Haus an einer Bundesstraße kauft, der muss mit Lärm rechnen.“

Im Oktober wird das Staatliche Bauamt Augsburg der Gemeinde mögliche Varianten für eine Ortsumfahrung vorstellen. Anschließend will Böllmann den Bewohnern Möttingens die Ergebnisse bei Bürgerversammlungen präsentieren. Klar ist schon jetzt: Die Debatte wird den Ort noch lange beschäftigen.

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