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Nähermemmingen

16.11.2018

Die Entdeckung der seltenen Apfelsorte „Gloria Mundi“

Die Äpfel der Sorte „Gloria Mundi“ werden besonders groß. Dieses Exemplar sei eher noch eines der kleineren, sagt die Besitzerin des Apfelbaumes, Marle Koch-Schneider aus Nähermemmingen.
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Die Äpfel der Sorte „Gloria Mundi“ werden besonders groß. Dieses Exemplar sei eher noch eines der kleineren, sagt die Besitzerin des Apfelbaumes, Marle Koch-Schneider aus Nähermemmingen.
Bild: René Lauer

In Marle Koch-Schneiders Garten in Nähermemmingen steht ein in Schwaben einzigartiger Apfelbaum. Die Früchte beeindrucken vor allem durch ihre Größe.

Ein Laie würde nichts besonderes an dem Apfel entdecken, der im Obstgarten von Marle Koch-Schneider in Nähermemmingen hängt. Grün-gelbliche Farbe, schmeckt leicht säuerlich. Das einzige, was dem ungeübtem Auge auffallen könnte, ist die ungewöhnliche Größe der Frucht. Für den Pomologen Hans-Thomas Bosch stellt diese Apfelart jedoch etwas ganz Besonderes dar. „Gloria Mundi“ nennt sie sich. Ins deutsche übersetzt bedeutet der Name „Ruhm der Welt“. Das beeindruckende an dem Fund ist laut Bosch, dass das bis jetzt der einzige entdeckte Baum dieser Art in ganz Schwaben sei.

Der Baum steht direkt neben Koch-Schneiders Pferdestall und wäre vor einigen Jahren fast gefällt worden. „Eigentlich stand er ja im Weg“, erzählt sie. Der Stall sollte ausgebaut werden und dafür hätte der Baum weichen müssen. Sie hätte sich jedoch dagegen entschieden und um den Baum herum gebaut. Im Nachhinein sei sie sehr froh darüber. Was für einen besonderen Baum sie dort stehen hat, ahnte sie damals nicht.

Die Äpfel werden außergewöhnlich groß und schwer

Aufgefallen seien ihr natürlich die großen Früchte. Einige der Äpfel wurden außerordentlich groß und schwer. Deswegen wusste sie, dass es sich dabei nicht um eine typische Supermarktssorte handeln könnte. Aber genau sagen, welche Art Apfel in ihrem Garten wächst, konnte ihr niemand.

Ihr Obstbaumpfleger Ralf Hermann Melber war es dann, der das Angebot des Landratsamtes Donau-Ries nutzte. Das erfasst seit 2016 in Zusammenarbeit mit anderen Landkreisen in Schwaben alte und seltene Apfel- und Birnensorten. Dieses Projekt wird von dem Leader-Programm der EU gefördert.

Laut dem Projektträger, der LAG Monheimer Alb-Altmühl-Jura, soll dadurch die Artenvielfalt erhalten werden, die durch gewerblichen Anbau und Handel stark zurückgegangen sei. In Supermärkten gebe es heutzutage nur fünf bis zehn unterschiedliche Apfelsorten.

Für die Erfassung reist der Pomologe Hans-Thomas Bosch durch die Landkreise zu den gemeldeten Bäumen und stellt deren Sorte fest. Als er Merle Koch-Schneider erzählte, was für einen seltenen Apfel sie besaß, war sie sehr überrascht.

Bei dem „Gloria Mundi“ handelt es sich Melber zufolge um eine Art, die ursprünglich aus Nordamerika stammt. Wie der Apfel in die Region kam, könne nicht wirklich festgestellt werden, aber es sei möglich, dass er von einem Auswanderer nach Deutschland gebracht worden sei. Hans-Thomas Bosch könnte sich auch vorstellen, dass er durch Handel zwischen Amerika und Deutschland zu uns kam. Auch das Alter der Sorte könne nicht genau festgestellt werden. Aufzeichnungen zufolge stamme sie ungefähr aus dem 18. Jahrhundert.

Die Sorte „Gloria Mundi“ ist auch als Pfundsapfel bekannt

Laut Bosch ist die Apfelart in ganz Deutschland nicht weit verbreitet, kommt jedoch etwas öfter in Mittel- und Norddeutschland vor. Dort sei sie vor rund hundert Jahren häufiger gepflanzt worden.

Merle Koch-Schneider ist stolz auf den besonderen Baum, den Namen findet sie jedoch etwas hochtrabend. Bosch erklärt, dass sich dieser eigentlich nur auf dessen Größe beziehe und er deswegen auch oft als „Blender“ oder „Schaufrucht“ bezeichnet werde. Seine Größe erscheint beeindruckend. Geschmacklich sei er zwar nicht schlecht, aber auch nichts besonderes. Laut Melbert hat der Apfel noch einen anderen Namen: „Pfundsapfel“ wurde er aufgrund seiner Größe umgangssprachlich genannt.

Das Landratsamt kann noch nicht genau sagen, wie es nach dem Fund weitergehen soll. Man habe vor, einen Garten anzulegen, in dem ausgewählte Apfelsorten angepflanzt und erhalten werden sollen. Welche in diesen Garten kommen, stehe noch nicht fest. Hans-Thomas Bosch ist sich sicher, dass der „Gloria Mundi“ dort einen Platz finden wird.

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