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Auto

02.04.2019

Dieselskandal: Nördlinger klagt gegen VW

Im Zuge des Abgas- beziehungsweise Dieselskandals klagt ein Nördlinger gegen VW.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolbild)

Ein Bürger aus Nördlingen fühlt sich von VW getäuscht und reicht eine Klage gegen den Autokonzern ein. Ein Urteil gibt es noch nicht, sein Anwalt erkennt aber eine Tendenz.

Ein Nördlinger fühlt sich vom VW-Konzern getäuscht. Anfang des Jahres 2015 hatte der Mann einen VW Touran gekauft – mit Dieselmotor. Jetzt möchte er Schadensersatz. Der Hintergrund: der sogenannte Abgas- oder Dieselskandal.

Der hat seinen Ursprung im September 2015. Damals fand die amerikanische Umweltbehörde heraus, dass VW bei Dieselmodellen getrickst hatte. Nach und nach kam heraus, dass auch VW-Tochterfirmen wie Porsche oder Audi betroffen waren. Alle Autobauer setzten eine Betrugssoftware ein. Die erkannte, wenn das Auto beispielsweise in einer Werkstatt auf einem Prüfstand war, und sorgte dafür, dass dann weniger Abgase ausgestoßen wurden. Fuhren die Autos auf der Straße, wurden dagegen mehr Emissionen als beim Test in der Werkstatt abgegeben. In der Folge des Skandals trat bereits der frühere VW-Chef Martin Winterkorn von seinem Posten zurück, Rupert Stadler, der frühere Vorstandsvorsitzende von Audi, war zwischenzeitlich in Untersuchungshaft.

Mittlerweile klagen viele Dieselbesitzer gegen VW

Viele Dieselbesitzer klagen mittlerweile gegen den Konzern. Denn nach drei Jahren verjähren die Ansprüche auf Schadensersatz. Da der Skandal 2015 in der Öffentlichkeit bekannt wurde, lief die Frist Ende des Jahres 2018 ab. Allerdings könnte es auch sein, dass die Frist erst dann startet, wenn die Besitzer vom Hersteller darüber informiert wurden, dass ihr Auto betroffen ist. Solche Schreiben, sagte Anwalt Marc Frey im Januar gegenüber der Augsburger Allgemeinen, seien ab Februar 2016 verschickt worden. In den Landgerichten stapeln sich die Klagen, die Mitarbeiter kommen kaum mit der Bearbeitung hinterher. Allein im Dezember 2018 wurden rund 350 Zivilklagen beim Landgericht eingereicht.

Dieselskandal: Nördlinger klagt gegen VW

Wie die Urteile ausfallen würden, hänge immer vom jeweiligen Richter ab, sagte Anwalt Frey gegenüber unserer Zeitung. In zwei Fällen urteilten Richter in Augsburg zugunsten der Autofahrer und beschlossen, dass VW den vollen Kaufpreis zurückzahlen müsse. Allerdings hat der Autokonzern bereits Berufung eingelegt. Das heißt, dass die unterlegene Partei nicht mit dem Urteil einverstanden ist und dagegen vorgeht. Das Urteil wird damit nicht rechtskräftig und in der nächsten Instanz erneut verhandelt.

Das VW-Dieselfahrzeug war das Wunschauto des Nördlingers

Vor dem Landgericht Augsburg wurde nun der Fall des Nördlingers verhandelt. Der sagte: „Das war generell mein Wunschauto, ich habe es nach Kosten-Nutzen-Aspekten ausgesucht.“ Auf Nachfrage von Richter Thomas Bartholy erklärte der Rieser, dass er damit die Größe und Spritkosten meine, auch fahrtechnisch sei er mit dem Auto zufrieden. Dennoch: Er wurde getäuscht, einmal hinsichtlich des Verbrauchs, dazu kommt aus Sicht des Nördlingers: „Ich bin davon ausgegangen, dass das Fahrzeug einen anderen Wert hat. Wenn ich einen Verkauf in Erwägung gezogen hätte, wäre ich nicht auf den Wiederverkaufswert gekommen, von dem ich ausgegangen bin.“

Allerdings hat der Nördlinger ein verbrieftes Rückgaberecht, das heißt, er kann das Auto zu einem ausgemachten Preis an das Autohaus zurückgeben. Anwalt Michael Kawalla von der Kanzlei Freshfields vertritt den Autokonzern, er argumentierte daraufhin: „Wenn man weiß, dass man das Fahrzeug zurückgeben kann, dann ist das kein Risiko.“ Der Nördlinger dagegen sagt: „Ich bin froh, wenn ich da rauskomme. Das Auto hat mittlerweile einen viel geringeren Wert.“ Und der Kauf eines neuen Autos würde ihn mehr kosten.

Dieselskandal: Der Nördlinger ist sauer auf VW

Der Nördlinger Bürger sagte gegenüber unserer Zeitung, dass er bereits in den vergangenen 20 Jahren VW gefahren sei. „Ich war immer zufrieden, das war auch der Grund, warum ich auf VW sauer bin.“ Dieses Verfahren ist nicht das einzige, das der Mann führt. Die aktuelle Klage drehte sich um ein Auto, das er für seine Firma erworben hat, zudem hat er ein Privatauto, das ebenfalls zu den manipulierten Fahrzeugen gehört. Eine Einigung kam vor Gericht nicht zustande, Kawalla beantragte eine Abweisung der Klage, der Rieser verlangte mit seinem Anwalt einen Schadensersatz von 24000 Euro. Richter Bartholy vertagte die Urteilsverkündung in den April.

Nach der Verhandlung sagte Anwalt Marc Frey gegenüber unserer Zeitung, dass er von einer Klageabweisung ausgehe, da der Richter den Kilometerstand des Fahrzeugs nicht wissen wollte. Denn bei einem Urteil zugunsten der Kläger gebe es zwei Szenarien. Entweder müsse VW den vollen Kaufpreis erstatten. Oder es wird davon noch eine Nutzungsentschädigung abgezogen. Diese richtet sich nach gefahrenen Kilometern. Der Nördlinger will weitermachen: „Es geht nicht ums Geld, es geht um die Sache.“

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