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RN-Serie: Folge 3

25.01.2020

Dieser Bürgermeister stimmte gegen die Eingemeindung

Friedrich Geiß als Altbürgermeister im Jahr 1978 beim Heroldinger Zehentstadelfest.

Friedrich Geiß war der erste Bürgermeister in Schrattenhofen nach dem Zweiten Weltkrieg. Er musste nicht nur die Heimatvertriebenen unterbringen.

Am 7. August 1909 wurde Friedrich Geiß in Schrattenhofen geboren. 1940 verschlug ihn der Zweite Weltkrieg von Würzburg nach Frankreich über den Balkan bis an die Ostfront, von wo aus er nach einer Verwundung ins Sudetenland abkommandiert wurde. Im Juni 1945 kehrte er glücklich nach Hause zurück und übernahm bereits am 6. Februar 1946 die schwierige Aufgabe des Bürgermeisters.

Damals hatte der finanzschwache Ort zwar deutlich mehr Einwohner als 130, doch war er nach dem Krieg auf Vordermann zu bringen. Es galt, zahlreiche Heimatvertriebe auch in überfüllten Häusern aufzunehmen. Sieben Gemeinderäte unterstützten Geiß ab 1948, besonders ein langjähriger Dreierausschuss mit Johannes und Johann Schick sowie Albrecht Grieb. Man erneuerte den Glockenturm und stellte ein Siedlungsgelände für Heimatvertriebene bereit. Ortsstraßen waren auszubessern, die Zufahrt von der Staatsstraße zu teeren und die Wirtschaftswege auszubessern, denn die Bauern motorisierten sich Schritt für Schritt.

Es gab hohe Kosten für ein neues Schulgebäude

Bei der Finanzierung half kluges Verhandeln mit der Flurbereinigungsgenossenschaft, um nicht unnötig Gemeindegeld verwenden zu müssen. Finanziell schlugen eine neue Feuerwehrspritze und 1952 die Unterstützung des Heroldinger Schulhausneubaues zu Buche. Bis etwa 1970 wurden die Schüler in Heroldingen unterrichtet. Das bis dahin relativ konstante Haushaltsvolumen schnellte deutlich in die Höhe, als man sich wegen zunehmender Wassernot zum Beitritt zur Rieswassergruppe entschloss. Die Ortskanalisation und der Anschluss an den Schulverband Deiningen taten ihr Übriges. Alles kostete Geld und den Bürgermeister die sprichwörtliche Ruhe. Alle Gemeinderäte wollten unter einen Hut gebracht werden und bei Bürgerversammlungen galt es, Wogen zu glätten.

Mit der Gebietsreform tat sich Friedrich Geiß sehr schwer, denn er wollte seinen Ort so lange wie möglich selbstständig erhalten. Doch der damals junge und dynamische Ernst Stüber, der aus Rudelstetten eingeheiratet hatte, sah eine große Chance in der Summe von 80000 Mark, die bei einer vorzeitigen, freiwilligen Eingemeindung nach Heroldingen winkten.

Geiß war auch als Kreisrat tätig

Stüber überzeugte auch den Gemeinderat in Heroldingen von diesem Ansinnen. Der dortige Bürgermeister Heinrich Stegner stammte ja aus Schrattenhofen und war dem weiteren Gedeihen seines Herkunftsorts sicherlich gewogen. Buchstäblich am allerletzten möglichen Tag stimmte nach dem Heroldinger auch der Schrattenhofener Gemeinderat mehrheitlich gegen die Stimme von Friedrich Geiß für die vorzeitige Eingemeindung, um noch möglichst viel für den Ort herauszuschlagen. Dorfflur Heinrich Melber hatte somit die wohl letzte Nachricht der bis Silvester 1971 politisch selbstständigen Gemeinde auszuschellen.

25 Jahre stand Friedrich Geiß an vorderster Front für sein Schrattenhofen, auch als Kreisrat in Nördlingen. „Der Bauer“ Johannes Schick und Johann Stegner und später Ernst Stüber waren Gemeinderäte in Heroldingen, bis auch dieses Dorf am 1. Mai 1978 nach Harburg eingemeindet wurde. Ein Ortssprecher vertritt seither die Schrattenhofener. Geiß verstarb als verdienter Altbürgermeister am 26. Februar 1987. Flur Melber wurde noch im selben Jahr ganz in seiner Nähe ebenfalls auf dem Friedhof in Heroldingen beerdigt.

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