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Kultur

10.10.2019

Ein Abbild himmlischer Musik

„Hier ist die Musik“ nennt sich das Ensemble „Ecco la musica“ und verwirklicht mit den „Geistlichen Harmonien“ den Anspruch, den der Stuttgarter Hofkomponist Johann Michael Nicolai dem Grafen Albrecht Ernst I. zu Oettingen-Oettingen in einer Widmungsrede um das Jahr 1670 als „Himmlische Music“ bezeichnete.
Bild: Ernst Mayer

Im Programm des Ensembles „Ecco la musica“ in Oettingen spielen die Psalmkantaten eine zentrale Rolle. Das Konzert ist eine Lehrstunde der Instrumentenentwicklung

Eine besondere Beziehung des Ensembles „Ecco l musica“ zu Oettingen besteht in der Verbindung des Komponisten Johann Michael Nicolai zu den Oettinger Grafen. Seine Werke, die auf dem Programm des Residenzkonzertes Oettingen standen, widmete er etwa um 1670 dem Grafen Albrecht Ernst I. von Oettingen-Oettingen, als er diesem einen gedruckten Band des „Ersten Theils Geistlicher Harmonien“ lieferte. In einer Widmungsrede beschreibt der Hofkomponist der Stuttgarter Residenz sein Werk als „Abbild der Himmlischen Music“, ein Bekenntnis zum gemeinsamen Musizieren der Vokal- und Instrumentalstimmen. Das sei das höchste Ziel himmlischer Vollkom-menheit.

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Dies erreichte das Ensemble „Ecco la musica“ in seinem Programm, in dem die Psalmkantaten eine zentrale Rolle spielten, ergänzt von instrumentalen Sonaten. Nach der Einstimmung durch die „Sonata à 6“, zu sechs Stimmen, des Antonio Bertali, ab 1649 Hofkapellmeister am kaiserlichen Hof Wien, eröffnete die geistliche Kantate „Herr, der du vormals gnädig gewesen“ die Reihe der vokalen Werke. Dem Psalm 85 gab Nicolai musikalische Gestalt mit drei Vokalstimmen und voller Instrumentalbesetzung, zwei Violinen, drei Posaunen und Bass mit Orgel. Der Text handelte von der Bußfertigkeit Israels und der Umkehr zu Gott.

Die drei Männerstimmen, Kai Wessel (Altus, Countertenor), Daniel Schreiber (Tenor) und Felix Schwandtke (Bass), präsentierten sich als ein gut aufeinander eingestelltes Terzett, das den solistischen Partien der Partner jeweils Raum gab und die dynamische Gestaltung deckungsgleich verwirklichte. Interessant waren die nach historischen Vorbildern gebauten Instrumente. Eine gewichtige Rolle spielte in Nicolais Kompositionen der Bass, beziehungsweise die Bassgambe oder Violone, – im historischen Kontext die Vorläufer des Kontrabasses, denn als Spezialistin dafür gilt Heike Hümmer, Dozentin für die Gambe an der Stuttgarter Musikhochschule. Matthias Sprinz, in gemeinsa-mer Leitung mit ihr, ist spezialisiert auf Barockposaunen, die in verschiedenen Mensuren in der Zeit vor der Erfindung des Ventils die Blechblasinstrumente anführten.

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In einer „Sonate à tre Tromboni“ (drei Zugposaunen) konnten die Zuschauer beobachten, wie Sprinz mit der Diskant- und seine beiden Kollegen mit Tenor- und Basspo-saune mit den Zügen perfekt intonieren konnten. Damit war das Konzert zugleich eine Lehrstunde der Instrumentenentwicklung, wozu noch die barocke Bauart der zwei Violinen gehört, wie sie vor der Erfindung der berühmten Stradivari- und Amati-Geigen üblich war. Die Truhenorgel mit dem Organisten bildete in allen Stücken üblicherweise den harmonischen Grundstock.

Die abschließende Kantate „Singet dem Herrn ein neues Lied“ bot ein Resümee des ganzen Konzertes. Die Sänger schufen mit Koloraturen und Verzierungen ein wunderbares Klangbild, dem die darmbesaiteten Geigen mit „leiser, aber süßer Schärfe“ und die Gambe mit ihrer weichen Stimme ihre ungewöhnlichen, leicht schnarrenden Töne beimischten, worauf die Tromboni ihre von der engen Bauart veredelten metallenen Akzente setzten. Dass den Zuhörern dieser Auftritt aus fundamentaler Musikvorzeit gut gefallen hat, bestätigten sie mit ihrem lang anhaltenden Beifall.

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