Dreharbeiten von "Great"

23.05.2012

Ein Hauch von Hollywood

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6 Bilder
Brenzlige Situation: Der Leutnant (Simon Schwarz) packt sich Hauptdarsteller Milos Bikovic, der den jungen Serben Nikola spielt. Im Gepäck hat dieser den Chaplin-Film „Der große Diktator“, den er in das deutsche Soldatenkino in Valjevo schmuggeln will.
Bild: Sebastian Musolf

Szenen zu Film über jungen Serben, der im Zweiten Weltkrieg Widerstand leistete, entstanden in Nördlingen und München

Von Sebastian Musolf

In dem Zugabteil ist es warm und stickig, Rauch wabert durch den schmalen Gang. Die Gepäckfächer sind vollgestopft mit zerschlissenen Koffern und alten Decken. Einige Frauen tragen Kopftücher, andere haben Körbe mit Gemüse auf dem Schoß. Mit lautem Krach wird die Waggontür aufgerissen, drei Wehrmachtssoldaten stürmen herein. „Reiseerlaubnis. Zack Zack“, brüllen sie und fuchteln mit ihren Maschinenpistolen herum. Hastig kramen die Passagiere in ihren Taschen, strecken ihre Dokumente in die Höhe.

„Cut. Danke schön“, ruft Regisseur Andreas Henn. Kameramann Alexander Wasielewski nimmt die schwere Kamera von der Schulter, nickt zufrieden – die Szene ist im Kasten. Die Dreharbeiten zum Kurzfilm „Great“ der Berliner Produktionsfirma „Dog Ear Films“ sind in vollem Gang.

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Die Geschichte spielt im Zweiten Weltkrieg (1939-45) und beruht auf einer wahren Begebenheit. Die Wehrmacht hatte Jugoslawien in einem kurzen Feldzug 1941 besetzt. Der junge Serbe Nikola will gegen die Deutschen auf seine Weise Widerstand leisten. Sein Plan ist es, den Film „Der große Diktator“ in das deutsche Soldatenkino in Valjevo zu schmuggeln. In dem Werk aus dem Jahr 1940 rechnet der Komiker Charlie Chaplin mit Adolf Hitler und dem Faschismus ab. Verkörpert wird Nikola durch den Schauspieler Milos Bikovic. Der 24-Jährige ist auf dem Balkan ein großer Star. Neben ihm spielen die renommierten österreichischen Darsteller Paulus Manker und Simon Schwarz als deutsche Offiziere mit.

Das Filmteam führte im März in Nördlingen ein Casting durch, bei dem Komparsen-Rollen als serbische Zivilisten und deutsche Soldaten besetzt wurden. Aus dem ganzen Donau-Ries-Kreis kamen zahlreiche Bewerber, um bei dem Projekt mitzuwirken. Auch Huhn „Little Girl“ aus Donauwörth darf in der Szene im Zug in einem Käfig mitspielen. Gedreht wird in historischen Waggons im Nördlinger Eisenbahnmuseum. „Es ist sehr interessant und spannend zu sehen, wie es beim Film zugeht“, sagt Sylvia Kanis-Barnet aus Fremdingen, die zusammen mit ihren drei Kindern als Serbin mitspielt.

Szenenwechsel: Im Maxim-Kino in München wird mit rund 80 Komparsen gedreht, unter ihnen ebenfalls mehrere aus der Region. Sie spielen die deutschen Soldaten, die im Kino den Chaplin-Film zu sehen bekommen. Die Leinwand ist mit einem Bluescreen abgedeckt. „Der große Diktator“ wird später digital eingefügt. Die Komparsen müssen sich die entsprechenden Filmszenen vorstellen und abwechselnd mit Verwunderung, Wut oder Gelächter reagieren. Regieassistentin Reni Jordan geht die Einstellungen mit ihnen durch und erklärt, was sie tun sollen. Einige bekommen kleine Sprechrollen. Zum Finale soll im Saal ein riesiges Chaos ausbrechen. Als alles im Kasten ist, stoßen Komparsen, Darsteller und Crew auf die erfolgreichen Drehtage an. Allen hat es großen Spaß gemacht. Die meisten der Komparsen wirkten zum ersten Mal bei einem Film mit.

Das Filmteam ist hochzufrieden. „Die Komparsen waren einfach sensationell. Die hohe Qualität ihres Spiels hat uns umgehauen“, sagt Regisseur Andreas Henn. Der 29-Jährige lobt die Disziplin und die Aufmerksamkeit der Freiwilligen. „Wir konnten alle Szenen erzeugen, die wir wirklich haben wollten.“

Am Freitag, 25. Mai, findet der letzte Drehtag statt, danach beginnt die Postproduktion. Im Herbst ist „Great“ voraussichtlich fertig. „An allen Drehorten wird es nichtöffentliche Team-Premieren für alle Mitwirkenden geben“, kündigt Henn an. Jeder Komparse erhält zudem ein Exemplar des Films auf DVD.

Im Frühjahr 2013 soll die Weltpremiere auf einem großen Filmfestival stattfinden. Im Fernsehen wird „Great“ nächstes Jahr auf Arte und im Südwestrundfunk zu sehen sein. Die beiden Sender haben das Projekt koproduziert. Gefördert wird es vom FilmFernsehFonds Bayern und dem Medienboard Berlin-Brandenburg.  

Eine Sonderseite über die Dreharbeiten in Nördlingen und München finden Sie in den Rieser Nachrichten am Donnerstag.

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