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Gedenken

18.06.2017

Erinnerungen an Helmut Kohl

Im September 2012 trifft Bundestagsabgeordneter Ulrich Lange (rechts) den Altkanzler in Berlin.

Nicht nur Ulrich Lange traf den einstigen Kanzler persönlich. Wie sich Politiker in der Region an ihn erinnern.

Eine ganze Generation kannte zunächst nur den einen Kanzler: Helmut Kohl. 16 Jahre lang prägte er die Bundesrepublik Deutschland, zu einer Zeit, in der sich das Land grundlegend veränderte – durch die Deutsche Einheit, die Kohl mit auf den Weg brachte. „Für mich war Kohl der Kanzler meiner Jugend“, sagt so auch der Nördlinger CSU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange. Am vergangenen Freitag ist Kohl im Alter von 87 Jahren gestorben.

Den einstigen Kanzler traf Lange sogar persönlich, ganz am Anfang seiner Karriere im Deutschen Bundestag: „Das hat mich bewegt. Da erlebt man jemand persönlich, der ein Vorbild war.“ Obwohl der einstige Kanzler damals schon schwer krank war und im Rollstuhl saß, habe er mit ihm ein paar Sätze wechseln können. Lange schätzte Kohls Standhaftigkeit, seinen Mut, die Weitsicht, Chancen zu erkennen und sein Gespür für das Gegenüber – egal ob das Michail Gorbatschow war oder Maggie Thatcher. „Sie war ja nicht unbedingt die einfachste Person der Geschichte.“ Kohl sei zudem ein überzeugter Europäer gewesen: „Ich halte Europa ebenfalls für sehr, sehr wichtig.“

Die Nördlinger SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Fograscher hat Kohl noch als Kanzler erlebt. Eine Anekdote ist ihr im Gedächtnis geblieben: Wie der sonst immer sehr korrekt gekleidete Bundeskanzler bei einer Abstimmung spät am Abend im Bundestag in Bonn ganz leger in der Strickjacke auftauchte. Als junge Abgeordnete sei es ganz klar ihr Ziel und das der Sozialdemokraten gewesen, den langjährigen Kanzler abzulösen. Das gelang 1998 mit Gerhard Schröder. Danach schlug der CDU-Spendenskandal hohe Wellen – und Gabriele Fograscher saß in dem Untersuchungsausschuss, der sich mit dem Thema beschäftigte. Kohl habe in dem Ausschuss als Zeuge ausgesagt. Der einstige Kanzler sei ein „Machtmensch“ gewesen. Er habe sich dem Thema Europa gewidmet – und die Chance zur Deutschen Einheit erkannt.

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CSU-Bezirksrat Peter Schiele nennt Kohl „eine der beeindruckendsten Personen der deutschen Nachkriegsgeschichte“. Kohl sei ein „Glücksfall für Deutschland“ gewesen. Und der einstige Kanzler sei oft unterschätzt worden. Besonders beeindruckt hat Schiele, dass der Verstorbene mit Hartnäckigkeit seinen Weg verfolgt habe: „Die Einheit ist im Wesentlichen ihm zu verdanken.“ Dass er Kohl nie persönlich getroffen hat, bedauert Schiele.

Donauwörths Alt-Oberbürgermeister Alfred Böswald verliert mit Kohl einen Freund aus jungen Tagen seiner politischen Karriere. Als Vorsitzender der JU in Bayern hatte er Kohl in Landshut kennengelernt und seitdem engen Kontakt zu ihm gepflegt. Er besuchte Kohl im Laufe der Jahre in dessen Heimat Oggersheim, in Mainz, in Bonn und auch in Berlin. „Mit seinem Tod geht ein Stück große Politik, die von persönlichem Kontakt geprägt war, zu Ende“, sagt Böswald.

Zuletzt hatten sich die beiden 2008 in Oggersheim getroffen. „Ich habe zahlreiche Briefe von ihm, die er stets mit ,dein Helmut’ unterschrieben hat“, sagt Böswald. Gerne erinnert er sich noch an seine damals etwas freche Einladung Kohls als Redner auf den Landestag in Landshut 1969. „Franz-Josef Strauß wusste davon nichts und fand das nicht so lustig“, erzählt Böswald. Doch die beiden fast gleichaltrigen Politiker konnten gleich gut miteinander. „Kohl hielt eine damals sehr progressive Rede“.

1980 gab es in Donauwörth ein Wiedersehen. Böswald war mittlerweile Bürgermeister geworden, Kohl damals Bundesvorsitzender der CDU und noch Oppositionsführer. In die Donaustadt war er mit dem Hubschrauber angereist und auf Stimmenfang. Fast eine Stunde sprach er vor 1500 Zuhörern, bevor er sich ins Goldene Buch der Stadt eintrug. In den letzten Jahren schrieb Kohl an seinen Weggefährten ganz offen. „Das Leben hat manchmal sehr dunkle Seiten, aber man muss da durch“, zitiert Böswald einen Brief. Von der Politik habe er sich zunehmend distanziert und unter seiner Krankheit gelitten. „Er hat geschrieben, dass es nicht mehr stimmt“, sagt Böswald. „Obwohl sein Tod zu erwarten war, hat es mich schon getroffen.“

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