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Tarif

05.02.2015

Frostige Stimmung beim Streik

Am Mittwoch erreichte die Warnstreikwelle in der Elektor- und Metallindustrie auch den Landkreis Donau-Ries. In Nördlingen streikten etwa 90 MItarbeiter der Firma Schwaben Präzision.
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Am Mittwoch erreichte die Warnstreikwelle in der Elektor- und Metallindustrie auch den Landkreis Donau-Ries. In Nördlingen streikten etwa 90 MItarbeiter der Firma Schwaben Präzision.
Bild: Jan Kandzora

Die Ausstände in der Metall- und Elektroindustrie haben gestern auch den Landkreis Donau-Ries erreicht. Vor allem ein Streitthema erregte dabei die Gemüter.

Von Jan Kandzora

Es ist frostig. Minus sechs Grad sollen es angeblich in Nördlingen sein, doch hier, auf dem Werksgelände des Getriebeherstellers Schwaben Präzision, fühlen sie sich an wie minus 20. Etwa sechzig Angestellte des Unternehmens hat es trotzdem nach draußen gezogen. Sie tragen rote Mützen und schwenken rote Fahnen mit dem Logo der IG Metall drauf, ab und zu pusten sie in Trillerpfeifen. Die Angestellten streiken, und sie zittern.

Sie hören Roberto Armellini zu, dem politischen Sekretär der IG Metall Augsburg, der auf einer Lkw-Bühne steht und eine kämpferische Rede hält. Es geht um die laufende Tarifverhandlung in der Metall- und Elektroindustrie, es geht um die 5,5 Prozent Lohnsteigerung, die die Gewerkschaft fordert. Und um die 2,2 Prozent, die die Arbeitgeber anbieten. Eine Unverschämtheit sei das, sagt Armellini. Die streikenden Arbeitgeber applaudieren ihm. Armellini wird dann drastischer in seiner Wortwahl, er beherrscht das Vokabular des Arbeitskampfes. Die Arbeitgeberseite habe in den Verhandlungen „ihre wahre Fratze gezeigt“, ruft er. Das bezieht sich vor allem auf die Regelung zur Altersteilzeit, um die derzeit hart gerungen wird. Die IG Metall will sie zugunsten der Arbeitnehmer verbessern, die Arbeitgeberseite möchte den Kreis der Anspruchsberechtigten halbieren.

Die Stimmung zwischen den Verhandlungspartnern ist daher derzeit so frostig wie das Wetter. Ein Gewerkschaftsmann wie Armellini spricht von Fratzen, und die Arbeitgeberseite kritisiert die Warnstreiks als unverhältnismäßig und beschwört finstere Szenarien. Das Angebot in der zweiten Tarifverhandlung Ende Januar sei vernünftig und fair gewesen, sagt Bertram Brossardt vom Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Warnstreiks seien in solchen Zeiten ein gefährliches Signal. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen der Branche gegenüber ausländischen Konkurrenten schwinde. Es gehe um Marktanteile und Arbeitsplätze.

Deutschlandweit streiken an diesem Mittwoch knapp 70000 Beschäftigte, in Bayern sind es 2100, davon etwa 600 aus dem Landkreis Donau-Ries. Neben den Mitarbeitern von Schwaben Präzision streiken auch die Beschäftigten der Wemdinger Firma Valeo. Dort sei das Thema Altersteilzeit für die Beschäftigten ein hochemotionaler Punkt, sagt Armellini. „Sie wollen vernünftig hier rausgehen und ihr Leben nach der Arbeit noch genießen können.“

In Wemding endet der Warnstreik nach einer Stunde, in Nördlingen flüchten die Mitarbeiter von Schwaben Präzision nach etwas mehr als dreißig Minuten wieder ins Warme. Gut möglich, dass sie bald wieder streiken werden. Am 9. Februar startet die dritte Verhandlungsrunde zwischen den Tarifparteien. Armellini sagt, er halte es für unwahrscheinlich, dass es dann bereits zu einer Einigung kommt.

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