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Nördlingen

18.08.2020

Gefährlicher Leichtsinn an Eisenbahn-Schienen in Nördlingen

An der Brücke über den Goldbach in der Nähe des Tierheims haben einer oder mehrere Unbekannte am Samstag Holzdielen aus dem Randbereich entfernt und auf die Schienen gelegt. Der Lokführer leitete eine Vollbremsung ein.
Bild: Matthias Link

Plus Beim Nördlinger Tierheim legt ein unbekannter Täter Holzbretter auf die Gleise. Die Polizei ermittelt wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Eine Recherche zeigt: Es ist nicht der erste Fall im Landkreis.

Der Lokführer verlässt mit seinem Güterzug gerade Nördlingen in Richtung Wallerstein. Er befindet sich auf Höhe des Tierheims, es ist später Samstagabend gegen 21.50 Uhr. Geladen hat er 81 leere Container, die er zur Firma Rettenmeier nach Wilburgstetten fahren will. Sein Zug misst 535 Meter Länge. Der Lokführer fährt circa 20 Stundenkilometer schnell, als er plötzlich ein Hindernis auf den Schienen der Eisenbahnbrücke über den Goldbach erblickt und eine Vollbremsung einleitet. Er kommt nicht mehr rechtzeitig zum Stehen und rollt darüber hinweg. Der Zug entgleist zum Glück nicht.

Einer oder mehrere Unbekannte hatten Holzdielen auf die Schienen gelegt. Die Dielen waren Teil der Brückenanlage und bereits morsch. Deshalb konnten sie leicht aus dem Wegrand der Brücke entnommen werden. Und deshalb kam es auch zu keinem größeren Schaden. Walter Beck, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Nördlingen sagt, dass wegen der Morschheit der Bretter zwar kein Risiko bestanden habe, „dennoch ist ein Straftatbestand gegeben“. Die Polizei ermittelt wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr.

Gefahr der Entgleisung

Michael Frank ist Geschäftsführer der Mittelfränkischen Eisenbahnbetriebs GmbH, die die Strecke zwischen Nördlingen und Wilburgstetten als Infrastruktur-Unternehmen gepachtet hat und der die Verkehrssicherungspflicht obliegt. Er sagt: „Prinzipiell besteht bei solchen Brettern die Gefahr der Entgleisung. Weil die Bretter aber schon so alt waren, wurden sie plattgedrückt.“ Ihm zufolge müssten es zwei bis vier Bretter gewesen sein. „Viele Leute in Nördlingen haben noch nicht realisiert, dass hier wieder Schienenverkehr stattfindet“, sagt Frank. Seit Mai würden auf der Strecke wieder Güterzüge fahren, zuvor habe es dort eineinhalb Jahre lang keinen Schienenverkehr gegeben.

An einem der ersten Betriebstage dieses Jahr habe es bereits einen Zwischenfall gegeben. Drei Jugendliche hätten tagsüber auf den Gleisen beisammen gesessen, sagt Frank, und der Lokführer habe eine Vollbremsung einleiten müssen. Frank könnte sich vorstellen, dass es einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen gibt. Er weist darauf hin, dass bereits der unbefugte Aufenthalt in den Gleisanlagen eine Ordnungswidrigkeit darstelle, die mit einem Bußgeld von 500 Euro belegt sei.

Nicht der erste Fall im Landkreis Donau-Ries

Die Eisenbahnstrecken im Donau-Ries-Kreis gehören zum Revier Augsburg der Bundespolizei. Dort gab es dieses Jahr bereits 14 strafbare gefährliche Eingriffe in den Bahnverkehr, 2019 waren es insgesamt 26. Wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilt, komme es häufiger vor, dass Kinder und Jugendliche im Schienenbereich unterwegs seien und sich selbst und den Zugverkehr gefährdeten.

In Meitingen etwa musste die Polizei in den vergangenen Jahren mehrfach feststellen, dass Jugendliche Schottersteine auf die Schienen legten, die zermahlen wurden. Eine Stahlstange und ein Metallrohr lagen im Februar 2016 auf den Schienen bei Bobingen, sodass der Lokführer des Regionalzugs, der die Teile überfuhr, einen Schock erlitt. Im Oktober 2010 legten Unbekannte einen 50 Zentimeter großen Granitstein auf die Schienen der Bahnstrecke zwischen Donauwörth und Treuchtlingen, wodurch ein hoher Sachschaden von mehreren Tausend Euro an einem ICE entstand. 2005 überrollte ein Zug bei Tapfheim einen Holzstamm auf dem Gleis, die Täter warfen zudem einen weiteren Holzstamm von einer Brücke auf das Fahrerhaus. Bei Tapfheim machten im August 2016 drei zwölf und 13-jährige Mädchen Selfies im Bahngleis und brachten sich dadurch in große Gefahr.

Gefährliche "Trampelpfade" über Zug-Schienen

Im Landkreis Donau-Ries entdeckten Bundespolizisten vor einigen Jahren eine besonders hohe Zahl an gefährlichen „Trampelpfaden“ über Zugschienen. In Nördlingen, Ebermergen, Mertingen, Donauwörth, Bäumenheim und vor allem Harburg habe es mehrere dieser lebensgefährlichen Abkürzungen gegeben, die Ordnungswidrigkeiten darstellen und mit 25 Euro Bußgeld geahndet werden können. Die Mittelfränkische Eisenbahnbetriebs GmbH plant, bis Ende 2022 den Personennahverkehr auf der Strecke zwischen Nördlingen und Dinkelsbühl zu reaktivieren.

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