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Interview

05.10.2019

Hainsfarths Bürgermeister setzt auf Windräder

Klaus Engelhardt hat die ersten hundert Tage als Bürgermeister von Hainsfarth längst hinter sich. Er sieht die Energiewende auch als Aufgabe der Kommunen.
Bild: Verena Mörzl

Plus Bürgermeister Klaus Engelhardt will bei der Energiewende mit der Gemeinde Hainsfarth „nicht in der letzten Reihe sitzen“. So sehen seine Vorstellungen dazu aus.

Hallo Herr Engelhardt, schön, dass Sie zum Interview gekommen sind. Wie haben Sie nun Ihre ersten Monate als Bürgermeister in Hainsfarth erlebt?

Klaus Engelhardt: Durch den krankheitsbedingten Ausfall meines Amtsvorgängers im April 2018 musste ich mich erst einmal zurecht- und mein eigenes System finden. Unsere Verwaltung in Oettingen ist da wirklich voll hinter mir gestanden. Die Gemeinde ist wie ein kleines Unternehmen zu leiten. Mir macht diese Aufgabe sehr viel Spaß.

Können Sie das konkretisieren?

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Engelhardt: Mir macht es Spaß, etwas zu bewegen und die Leute mitzunehmen. Ich mache das ja in anderen Bereichen schon lange.

Unter anderem beim Männerstammtisch.

Engelhardt: Der Themenstammtisch „Mann trifft sich“ liegt mir besonders am Herzen. Seit elf Jahren bieten wir einmal im Monat ein Angebot für Männer an. Besonders freut mich, dass Männer, die jahrelang nicht mehr am Dorfleben teilgenommen haben, dieses Angebot nutzen. Weiter ist die Dorfmeisterschaft im Schafkopfrennen zu erwähnen, die ich organisiere, sowie die Mitbegründung des ökumenischen Arbeitskreises Hainsfarth.

Gibt es für die Buckelpiste, also die Straße Richtung Treuchtlingen, neue Pläne?

Engelhardt: Nach der misslungenen Sanierung habe ich ein Gespräch mit dem staatlichen Bauamt geführt und das Thema an Landtagsabgeordneten Wolfgang Fackler herangetragen. Es soll meiner Meinung nach eine größere politische Lösung geben oder es müssen mehr Gelder für Staatsstraßen als für Bundesangelegenheiten eingeplant werden.

Das bedeutet eine Herabstufung der Straße?

Engelhardt: Eine Herabstufung der Staatsstraße zur Kreisstraße wäre eine Möglichkeit, diese Überlegungen gab es schon vor meiner Zeit. Dafür müssen beide Landkreise mitspielen. Ich setze große Hoffnungen darauf, dass wir nach der Kommunalwahl im März nochmals einen Versuch starten können.

Sie überlegen, für Hainsfarth ein Baumkataster anfertigen zu lassen. Warum?

Engelhardt: Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Baumbesitz, für den Sie verantwortlich sind. Man steht immer in der Pflicht, sein Hab und Gut durch Sichtung instand zu halten, sodass davon keine Gefahr für andere Personen ausgeht. Die Bäume stehen auf Gemeindegrund, wenn durch herabfallende Äste etwas passieren würde, wäre die Gemeinde haftbar. Man kann zwar nicht alles ausschließen, aber durch regelmäßige Kontrollen doch einiges. Jeder Baum bekommt eine Nummer, diese wird in einem Lageplan festgehalten und er wird jährlich begutachtet.

Welche Großprojekte kommen auf die Gemeinde Hainsfarth zu?

Engelhardt: Die Sanierung des Armenhauses startet. Die Umgestaltung des Friedhofs in Steinhart ist auf der Agenda. Und es soll einen Energiesteckbrief für die Gemeinde Hainsfarth geben.

Das bedeutet?

Engelhardt: Was kann die Gemeinde tun, um Energie zu sparen und zu erzeugen? Wir haben schon erste Schritte mit der Photovoltaikanlage Richtung Auhausen unternommen. Dort hat sich die Gemeinde eine mögliche Einspeisung gesichert. Die Genehmigung ist nur mit der Bedingung zustande gekommen, dass wir die Energie für die Gemeinde Hainsfarth nutzen können. Die Energiewende muss meiner Meinung nach auch in den Kommunen stattfinden. Ich denke auch, dass die Kommunen in absehbarer Zeit einen gewissen Anteil an Energie selbst gewinnen müssen.

Was wird finanziell die größte Maßnahme für die Gemeinde?

Engelhardt: Die wasserrechtliche Erlaubnis für die Einleitung unseres Niederschlagswassers aus dem Dorfgebiet ist ausgelaufen. Nach den ersten Planungen und einer Kostenschätzung muss die Gemeinde rund 550.000 Euro einplanen. Die Unterlagen sind bereits beim Wasserwirtschaftsamt eingereicht. Wir haben grundsätzlich ein Problem mit dem unregelmäßigen Niederschlag und mit dem Grundwasser. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir mit dem Rohstoff Wasser umgehen. Besonders in der Landwirtschaft sind die Auswirkungen schon zu spüren.

Wohin läuft das Wasser derzeit?

Engelhardt: Das Wasser läuft in die Kanäle, dann in den Bach und in die Wörnitz. Wir haben schon ein Regenrückhaltebecken für das Siedlungsgebiet und das Industriegebiet. Die Niederschlagsmengen kommen nicht mehr so wie früher, sondern schlagartig. Die neuen Bau-Planungen dienen auch dem Hochwasserschutz. Finanziell muss die beste Lösung gefunden werden, um andere Projekte nicht zu vernachlässigen, naturnahes Bauen würde ich gern in den Vordergrund packen.

Was wird die Gemeinde die nächsten Jahre noch beschäftigen?

Engelhardt: Für 2020 steht die Sanierung des Feuerwehrhauses in Hainsfarth an, 2021 ist das 150-Jahre-Jubiläum. Seit April haben wir viele kleine Projekte angestoßen und der Bürger merkt, es tut sich was. Wir wollen einen Sanierungsstau verhindern. Die Feuerwehr Hainsfarth benötigt in naher Zukunft ein neues Feuerwehrauto. Wir wollen bei der Energiewende am Ball bleiben. Da möchte ich nicht in der letzten Reihe sitzen. Ein Nahwärmenetz in Steinhart ist schon im Gespräch, ein privater Investor ist derzeit bei den Planungen. Ein weiteres Thema, das nicht alle Politiker im Donau-Ries-Kreis mit Wohlwollen hören: Ich möchte auf Windenergie setzen, was derzeit im Ries ausgeschlossen ist.

Wo würden Sie Windräder bauen?

Engelhardt: Auf dem Riesrand. Es sind zwar erst Überlegungen, die natürlich noch geprüft werden müssen, aber wir sollten die Voraussetzungen schaffen, um dies auch zu verwirklichen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass das bei uns in Hainsfarth funktionieren kann, auf der anderen Seite des Kessels auf der baden-württembergischen Seite funktioniert es ja auch.

Da werden Sie bald Gegenwind spüren.

Engelhardt: Wir wollen alle keinen Atomstrom und keine Stromtrassen aus dem Norden. Wir müssen einen bestimmten Prozentsatz an regenerativen Energien vor Ort erzeugen und dazu gehört auch die Windenergie. Das werden nicht alle gerne hören, das weiß ich.

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