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Prozess in Augsburg

17.10.2019

Hat ein Rieser Landwirt seine Frau ermordet? Tränen vor dem Landgericht

Einem Landwirt aus dem Landkreis Donau-Ries wird vorgeworfen, seine Frau getötet zu haben.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Am zweiten Verhandlungstag im Mordprozess gegen einen Landwirt erscheinen die Kinder des Angeklagten aufgelöst vor Gericht. Die Schuhe des Opfers geben Rätsel auf.

Die eigene Mutter liegt tot auf dem Boden – eine furchtbare Situation, wohl für jeden Menschen. Und es war eine extrem dramatische für die erwachsenen Kinder eines Ehepaares aus Birkhausen. Der Vater hatte die beiden Älteren am 20. September 2018 mit der Nachricht angerufen, dass der Mama etwas passiert sei. Als die zwei nacheinander am Bauernhof der Familie ankommen, sind sie völlig außer sich, schreien den Landwirt an, so berichtet eine Zeugin: „Du bist schuld. Du hast sie umgebracht.“ Dem 55-Jährigen wird derzeit vor dem Augsburger Landgericht der Prozess gemacht, ihm wird Mord aus Habgier vorgeworfen.

Mordprozess gegen Rieser Landwirt: Kinder weinen vor Gericht

Am zweiten Verhandlungstag müssen alle drei Kinder dort erscheinen. Weinend machen sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, ziehen ihre vorherigen Aussagen bei der Polizei zurück. Als der Vater seine verzweifelten, aufgelösten Kinder sieht, bricht auch er in Tränen aus. Ein Brief der Kinder soll zu einem späteren Zeitpunkt verlesen werden.

Wie die Frau an jenem 20. September tatsächlich zu Tode gekommen ist, hat keiner der Zeugen beobachtet, die am Donnerstag aussagen. Sie alle kommen erst auf den Hof, nachdem der Angeklagte selbst einen Notruf abgesetzt und offensichtlich um Hilfe gerufen hat. Mehrere Schreie hat eine Zeugin gehört, ein Mann sagt aus, er habe „Hallo“, nicht „Hilfe“ verstanden. Als er auf den Hof kommt, hängt das Opfer noch halb in der Güllegrube. Gemeinsam mit dem 55-Jährigen zieht er die Frau heraus. Weil ihr Gesicht voller Gülle ist, spritzt der Zeuge es erst einmal ab, versucht kurz eine Mund-zu-Mund-Beatmung – erfolglos. Wenige Zeit später kommen schon Polizisten, Sanitäter und ein Rettungsarzt.

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Als der Tod der Frau feststeht, wird ein Mediziner für die sogenannte Leichenschau angerufen. Der macht sein Kreuzchen bei der Todesursache an einer offenbar eher ungewöhnlichen Stelle, nämlich bei: „Anhaltspunkte für einen nicht natürlichen Tod“. Es sei das erste Mal in seiner langen Karriere gewesen, dass er das getan habe, sagt der Arzt. Verteidiger Peter Witting will wiederholt den Grund dafür wissen. Der Mediziner antwortet immer wieder das Gleiche: Es habe sich nicht um einen natürlichen Tod gehandelt. Er habe eine Obduktion erzwingen wollen, um die Todesursache – auch für die Familie – herauszufinden. Er selbst habe die Frau nicht angefasst, nicht untersucht.

Widersprüchliche Aussagen im Güllemordprozess

Gesucht wurde unter anderem auf dem Hof lange nach einem Schuh. Auch bei den Zeugenbefragungen geht es am Donnerstag immer wieder um die Schuhe der Toten, denn sie hatte keine an. Ein Polizist will einen Halbschuh in der Güllegrube gesehen haben, darauf hatte ihn der Angeklagte hingewiesen. Andere nahmen den Schuh nicht wahr. Ein weiterer Zeuge sagt aus, der 55-Jährige habe selbst nach dem zweiten Exemplar gesucht – im Güllefaß, nachdem er die Grube später am Tag ganz leergepumpt und den Inhalt auf einem Acker verteilt habe.

Ebenso widersprüchlich sind die Aussagen der Zeugen bezüglich einer Leiter. Einer will sie in der Grube stehend gesehen haben. Fotos von der Grube gibt es nicht, auf anderen Bildern liegt eine Leiter neben ihr. Und auch zur Ehe von Opfer und Tatverdächtigem gibt es Unterschiedliches zu hören. Während eine Zeugin sagt, die Ehefrau sei wenige Jahre nach der Hochzeit zum ersten Mal ausgezogen, will ein anderer von seinem guten Freund, dem Angeklagten, nie etwas von Problemen gehört haben. Er habe nicht einmal etwas von der Freundin gewusst, sagt der Mann.

Was am ersten Prozesstag passiert ist, lesen Sie hier: Mord-Prozess gegen Rieser hat begonnen: So lief der erste Tag

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