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Nördlingen

06.08.2015

Haus voller Hunde-Kadaver und Kot - Tierquälerin verurteilt

Eine Seniorin hatte Hundeleichen im Keller und kranke, abgemagerte Hunde im Haus. Jetzt stand sie vor Gericht.
Bild: Symbolfoto, Alexander Kaya

Das ganze Haus voller Hundekot, dazu verweste Kadaver: Der Fall einer Frau, die ihre Doggen massiv vernachlässigte, erregte Aufsehen. Nun stand die Seniorin vor Gericht.

Mittendrin sagt Erna P.*, die ohne Rechtsbeistand erscheint, dass sie einen Anwalt hätte mitnehmen sollen. Es ist ein kurzer, rarer Moment des Selbstzweifels, von denen sich die Angeklagte im Laufe des Prozesses nicht viele gönnt. Die Seniorin steht vor Gericht, weil sie „Wirbeltieren durch Unterlassen Schmerzen und Leiden zugefügt“ haben soll, wie es Staatsanwältin Irmina Palczynska vorträgt. Polizei und Behörden hatten im März acht Doggen aus dem Haus der Seniorin in einer Gemeinde im Nordries geholt. Die Tiere waren abgemagert und krank, im Keller des Hauses entdeckten die Beamten verweste Hundekadaver. Das Anwesen selbst war in einem schauerlichen Zustand, der Boden über und über mit Hundekot bedeckt.

Elf Monate auf Bewährung wegen Tierquälerei

Und nun also der Prozess. Am Ende der Verhandlung verurteilt Richter Helmut Beyschlag die Angeklagte zu elf Monaten Haft auf Bewährung, wegen Tierquälerei in fünf tateinheitlichen Fällen. Bis dahin aber redet Erna P. sehr viel, mit heiserer Stimme, sie schimpft, fällt Zeugen, der Staatsanwältin und dem Richter ins Wort, gestikuliert. Seit 40 Jahre züchte sie Hunde und habe dafür die besten Bewertungen erhalten, sagt sie. Zwar räume sie ein, dass das Haus in einem grausamen Zustand gewesen sei, nach einem Unfall hätte sie sich nicht mehr so gut darum kümmern können. Und ja, einem kleinen Hund sei es auch nicht gut gegangen. Aber mit den anderen Tieren sei alles in Ordnung gewesen, die seien dünn, aber nicht unterernährt gewesen. Sie möge einfach keine „fetten Hunde“.

Wer damals die Bilder des verwahrlosten Hauses gesehen hat, dem dürfte es schwergefallen sein, kein Mitleid mit der Frau zu empfinden. Niemand lebt freiwillig unter solchen Bedingungen; es war offensichtlich, dass hinter der Geschichte eine gehörige Portion menschliche Tragik steckte. Im Gerichtssaal bemüht die Seniorin sich allerdings nicht gerade darum, weiteres Mitleid hervorzurufen. Die Brücken, die das Gericht ihr baut, ignoriert sie allesamt. Als der Richter sie fragt, ob sie ihre Meinung beibehalten wolle, dass lediglich ein Hund in einem schlechten Zustand gewesen sei, wo doch Gutachten belegen, dass das bei mehreren Doggen der Fall war – bleibt die Frau bei ihrer Aussage. Die Hundeleichen im Keller? Jemand habe die Tiere vergiftet, sagt die Frau. Sie sei nicht zur Polizei gegangen, da man den Täter sowieso nicht gefasst hätte. Warum sie die Doggen trotz ihrer Überforderung nicht abgegeben habe? Schlechte Preis auf dem Markt.

Haus voller Hunde-Kadaver und Kot - Tierquälerin verurteilt

Doggen seinen in erbärmlichem Zustand gewesen

Die Zeugen beschreiben in zum Teil drastischen Worten, was sie im März vorfanden. Noch nie, sagt Manuela Kaußen, die Leiterin des Nördlinger Tierheimes, habe sie Vergleichbares erlebt, die Doggen hätten verkümmerte Muskeln und Schmerzen beim Laufen gehabt und sich deshalb kaum bewegt. Die meisten Doggen seien in einem erbärmlichen Zustand gewesen, schildert Wulf-Dietrich Kavasch, Vorsitzender des Tierschutzvereines und Tierarzt, der die Tiere untersuchte. Die Hunde seien heute noch nicht wieder gänzlich gesund. Eine Gutachterin vom Landratsamt Donau-Ries spricht von einem „sehr schlechten Pflege- und Erziehungszustand“ der Hunde, es sei davon auszugehen, dass fünf Tiere erhebliche Schmerzen gehabt hätten.

Richter Beyschlag folgt in seinem Urteil dem Plädoyer von Staatsanwältin Palczynska und verdonnert die Angeklagte neben der Bewährungsstrafe zu einem Tierhalteverbot von fünf Jahren und einer Zahlung von 3000 Euro an den Nördlinger Tierschutzverein. Selten, erklärt Beyschlag, habe eine Beweisaufnahme einen solch klaren Sachverhalt ergeben, es liege ein schlimmer Fall der Tierquälerei vor. Die Frau sei für die Tierhaltung ungeeignet und habe zudem einen erheblichen Mangel an Einsicht gezeigt. Sie habe ihre Tiere erheblich vernachlässigt und hätte sich Hilfe holen müssen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

* Name geändert

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