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Hohenaltheim

19.08.2020

Hohenaltheims Bürgermeisterin Göttler: „Ich will aus der Schule etwas machen“

Alles im Griff: Martina Göttler ist seit gut 100 Tagen Bürgermeisterin der Südrieser Gemeinde Hohenaltheim.
Bild: Jochen Aumann

Plus Die Hohenaltheimer Bürgermeisterin Martina Göttler zieht Bilanz nach ihren ersten 100 Tagen im Amt. Nach dem außergewöhnlichen Wahlkampf hat sich das Dorf aus ihrer Sicht beruhigt.

Frau Göttler, wie war Ihr Start ins Amt?

Martina Göttler: Ich habe mir vieles einfacher vorgestellt und bin doch überrascht, wie vielfältig die Aufgaben einer Bürgermeisterin sind.

Was hat Sie besonders überrascht?

Martina Göttler: Kanal war für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Auf einmal wurde ich am Wochenende angerufen, weil etwas defekt war. Da lernt man dazu.

Sind Sie trotzdem froh, Bürgermeisterin geworden zu sein?

Martina Göttler: Es war am Anfang sehr anstrengend für mich, mittlerweile ist es besser. Ich bin ein Naturtalent bei der Selbstorganisation.

Sie waren als einzige Kandidatin zur Wahl angetreten und mussten sich trotzdem einer Stichwahl stellen. Spüren Sie den außergewöhnlichen Wahlkampf heute noch im Ort?

Martina Göttler: Ich habe von meinem Kontrahenten noch einen Brief bekommen. Der ist vom Gemeinderat und mir zur Kenntnis genommen worden. Seitdem habe ich diesbezüglich keine Frage mehr bekommen, auch nicht von Bürgern. Ich bin gewählt worden und habe mich sehr gefreut, dass ich mich nicht getäuscht habe in den Leuten. Jetzt ist absolute Ruhe, als wäre nie etwas gewesen.

Was stand in dem Brief?

Martina Göttler: Er hat erneut seine Themen aus seiner Wahlpropaganda angesprochen, zum Beispiel den Ensembleschutz in Niederaltheim. Zu diesem Thema hatte ich auch schon ein Gespräch. Der Gemeinderat hat mir geraten, den Brief zu ignorieren. Die Sticheleien zur Vergangenheit bringen uns nicht weiter.

Was für ein Gespräch haben Sie zum Ensembleschutz geführt?

Martina Göttler: Der Landtagsabgeordnete Wolfgang Fackler hat mich besucht, nachdem sich Fritz Bauer mit einem Brief bei Ministerpräsident Markus Söder beschwert hat. Der Ensembleschutz bleibt bestehen. Ausnahmen lässt das Landratsamt sowieso zu. Solarzellen gehen nicht, das ist jetzt halt so. Dann muss man eben über ein Solarfeld nachdenken.

Wie geht es bei den Bauplätzen voran?

Martina Göttler: Die Erschließung der sieben Bauplätze in Niederaltheim West im Herbst hat sich verschoben, weil wir Einsprüche von Bürgern haben. Diese Einsprüche sind zwar schon Gedanken, die die Leute haben können, es ist aber bei der Planung alles berücksichtigt worden. Es soll vier weitere Bauplätze geben, die wir so schnell wie möglich ebenfalls erschließen wollen, weil die Nachfrage groß ist. Unser Problem ist, dass viele Gebäude leer stehen und Baugrundstücke nicht genutzt werden. Da ist der Bauzwang früher vergessen worden.

Soll es auch in Hohenaltheim neuen Baugrund geben?

Martina Göttler: Richtung Mönchsdeggingen könnte man ein Gebiet erweitern, aber auch da will der Eigentümer nicht verkaufen. Ich überlege, ob wir ein Gewerbegebiet schaffen. Aktuell haben wir keines.

Haben Sie schon ein Gebiet im Sinn?

Martina Göttler: Ich weiß nicht, wo ich einen Acker kaufen kann. Aber es wäre natürlich Richtung Nördlingen. Dann hätte die Gemeinde womöglich mehr Einnahmen. Wir haben eine ganz große Baustelle in Hohenaltheim, die Schule. Die ist zum Teil schon renoviert worden für Asylanten. Der Initialfunke fehlt, in welche Richtung man das aufleben lassen kann, zum Beispiel mit einem Kleingewerbe. Ich habe viele Gedanken, was man machen könnte, aber das muss man erst einmal abfragen. Man könnte die Schule aber auch abreißen und Bauplätze dort schaffen.

Welche Ideen wären das?

Martina Göttler: Ich kann mir eine Tagespflege gut vorstellen. Dafür müsste man aber Geld in die Hand nehmen und es ist ja schon viel investiert worden. Ich will etwas aus der Schule machen. Aber wie oder was, ist im Moment nicht klar.

Im Wahlkampf haben Sie ein Nahverkehrskonzept für Hohenaltheim gefordert. Wollen Sie sich für eine Anbindung nach Nördlingen mit dem Projekt Nö Mobil einsetzen?

Martina Göttler: Ich habe mich erkundigt und war zunächst der Ansicht, dass Hohenaltheim nicht eingebunden werden kann. Nun denke ich, dass es vielleicht doch etwas ist, was für uns ausgeweitet werden kann. Ich möchte mich darüber erst noch genauer informieren.

Alerheim soll kommendes Jahr wohl auch angeschlossen werden.

Martina Göttler: Ja, vermutlich. Schauen wir mal. Da braucht es extremen Druck. Wir haben ja schon ein Mitfahrangebot mit zwölf Freiwilligen. Da ist man besser bedient. Da kommen die Leute auch zusammen.

Was hat es damit auf sich?

Martina Göttler: Das ist angeboten worden in der Corona-Zeit, aber nicht viel genutzt worden. Die meisten werden von ihrer Familie versorgt. Es gibt einen starken familiären Zusammenhalt in Hohenaltheim.

Haben Sie ansonsten größere Vorhaben?

Martina Göttler: Das würde sich rauskristallisieren, wenn ich eine Bürgerversammlung machen könnte. Heute ist ein Brief angekommen von einem Bürger, der eine Grundversorgung mit Wasser vorschlägt. Wir haben einen ungenutzten alten Brunnen bei Niederaltheim mit einem Hochbehälter. Der wäre auch wichtig für die Feuerwehr, andere könnten ihre Gärten damit bewässern. Außerdem ist es mir wichtig, den Kindergarten zu unterstützen.

Sie sind auch Unternehmerin. Wie gut bringen Sie das mit Ihrem Amt unter einen Hut?

Martina Göttler: Wir sind hauptsächlich auf Messen unterwegs. Deshalb ist unser Betrieb auf fast null heruntergefahren. Wenn es wieder losgeht, stelle ich eine Sekretärin im Betrieb ein. Und im Rathaus brauche ich auch eine Sekretärin. Ich bin es gewöhnt, dass ich für den Schreib-Kram jemanden habe. Ich bin lieber unterwegs bei den Vereinen. Ich brauche den Kontakt zu den Bürgern und bin auch immer ansprechbar. Mich kann jeder auf dem Handy anrufen, dafür mache ich keine feste Amtsstunde, außer einmal pro Woche am Abend.

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