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Nördlingen

19.02.2021

Inklusive Wohngemeinschaft in Nördlingen mit klarer Aufgabenverteilung

Regina Ströbele, Niklas Kübler und Jasmin Dörr (von links) kochen gemeinsam in der inklusiven Wohngemeinschaft in der Nördlinger Altstadt.
Bild: Eva Konle

Plus Lebenshilfe startet in der Nördlinger Innenstadt ein Pilotprojekt mit fünf jungen Leuten. Zwei davon sind Menschen mit Behinderung. Wie eine inklusive Wohngemeinschaft in Zeiten von Corona zusammenfindet.

In der Nördlinger Altstadt gibt es seit November ein besonderes Pilotprojekt, eine inklusive Wohngemeinschaft. Diese Wohnform innerhalb der Stadtmauer zu realisieren, sei für die Lebenshilfe ein wichtiges Anliegen gewesen, sagt Eva Konle von der Verwaltung. Denn dadurch können Menschen mit Behinderung ihren Alltag so unabhängig wie möglich „mitten im Geschehen“ organisieren. Unterstützt werden sie dabei von ihren Mitbewohnern ohne Behinderung. Die fünf Bewohner für dieses Projekt hat die Lebenshilfe über die sozialen Medien, die Fachakademie Maria Stern und in ihren Einrichtungen gefunden.

Wie ist es, in der Lebenshilfe-WG in Nördlingen zu wohnen?

Als „Erprobungsraum“ für junge Leute sieht Konle die Möglichkeit des Zusammenlebens in einer WG. Die Bewohner der Fünfer-WG sind zwischen 20 und 28 Jahre alt und teilen ihre Begeisterung für diese Wohnform. Zwei von ihnen sind Menschen mit Behinderung und Assistenzbedarf. Diese Assistenz erhalten sie in einem vorgegebenen zeitlichen Rahmen von ihren drei Mitbewohnern ohne Behinderung. Dazu wurde mit diesen neben dem Mietvertrag ein Arbeitsvertrag abgeschlossen. In diesem ist sowohl der Stundenaufwand geregelt wie auch dessen Bezahlung. Dass hier ein Spannungsverhältnis zwischen Mitarbeiter und Mitbewohner entstehe, sei das Besondere bei einer inklusiven WG, bestätigt Konle. Deshalb sei dieses Pilotprojekt sowohl für die Lebenshilfe wie auch die Bewohner nicht als starres Modell konzipiert, sondern entwickle sich anhand der aufkommenden Bedürfnisse weiter.

Auf Ausflüge, Bowling und Kinobesuche gefreut

Dies bestätigen auch Regina Ströbele, Jasmin Dörr und Niklas Kübler, drei der fünf Bewohner der WG. Wegen der Kontaktbeschränkungen haben sie sich nach dem gemeinsamen Einkauf fürs Abendessen noch für ein Interview via Skype vor den Laptop gesetzt. Dieses Ausmaß der Corona-Pandemie sei noch nicht ersichtlich gewesen, als sie sich im Sommer für ein Zusammenleben in der inklusiven WG entschieden hätten, meint Niklas Kübler. Obwohl sie sich einig sind, dass sie ihr aktuelles Zusammenwohnen sehr schätzen, hatten sie doch eine andere Freizeitgestaltung geplant. So klingt etwas Enttäuschung mit, als sie davon sprechen, dass sie sich auf Ausflüge, Bowling und Kinobesuche gefreut haben. Stattdessen sind sie aufgrund von Corona abends meist zu Hause und verbringen die Zeit mit gemeinsamem Kochen, Film- und Spieleabenden, einem WG-Workout und planten jüngst eine WG-Faschingsfeier.

Da meist nicht alle Bewohner gemeinsam in der WG sind, sei es wichtig, verbindliche Absprachen zu treffen, erklärt Jasmin Dörr. Denn ein Mensch ohne Behinderung muss anwesend sein, wenn ein Mensch mit Behinderung in der WG ist. Zu dritt teilen sie sich die mit der Lebenshilfe vereinbarten 20 Assistenzstunden pro Woche. Es sei immer wieder ein Ausprobieren, wie das WG-Leben und die dazugehörige Arbeitszeit zu vereinbaren sind, meint Dörr, zumal sie die gemeinsamen Abende nicht nur als weitere Arbeitszeit sehen würden. Wöchentlich unterstützt und beraten wird die WG von zwei Betreuern der Lebenshilfe, die auch anstehende Aufgaben wie Arztbesuche und gemeinsame Einkäufe übernehmen. Diese kombinierte Unterstützung machte es Regina Ströbele erst möglich, sich für das Leben in der inklusiven WG zu entscheiden. Da sie seit ihrer Geburt eine körperliche Behinderung hat, ist sie auf regelmäßige Hilfe angewiesen. Sie könne zwar einfache Tätigkeiten verrichten und habe eine Vollzeitstelle in den Werkstätten der Lebenshilfe, erzählt sie, aber bei größeren Einkäufen brauche sie bereits Unterstützung.

Regina Ströbele freut sich sehr, in die WG in Nördlingen eingezogen zu sein, denn im Gegensatz zu einem Leben im Wohnheim kann sie sich hier ihre Zeit selbst einteilen und gemeinsam mit ihren Mitbewohnern gestalten.

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