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Nördlingen

09.07.2019

Insolvenz beantragt: So geht es jetzt mit Strenesse weiter

Die Strenesse New GmbH hat beim Amtsgericht Nördlingen Insolvenz in Eigenverantwortung beantragt. Dem wurde stattgegeben. Die Mitarbeiter wurden in einer Versammlung informiert.
Bild: Jan-Luc Treumann

Plus Das Modeunternehmen will sich von alten Strukturen lösen und insbesondere die Outlet-Shops unter die Lupe nehmen. Was das für die Mitarbeiter in Nördlingen bedeutet.

Kürzlich fand bei der Strenesse New GmbH am Eichendorffplatz eine Mitarbeiterversammlung statt. Rund 60 Männer und Frauen arbeiten derzeit in Nördlingen für das Modeunternehmen, das einst als Ausstatter von Jogis Jungs für Schlagzeilen gesorgt hatte. Bei der Versammlung erfuhren die Beschäftigten, dass die Geschäftsleitung beim Amtsgericht Nördlingen Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hat.

Diesem Antrag wurde stattgegeben, erst am Dienstag ging die Geschäftsführung damit an die Öffentlichkeit. In einer Pressemitteilung der Strenesse New GmbH wird Geschäftsführerin Micaela Sabatier wie folgt zitiert: "Die Eigenverwaltung eröffnet uns die Chance, die aus der Vergangenheit übernommenen Belastungen und Verpflichtungen anzupassen." Die Kollektionsentwicklung, die Produktion und die Auslieferungen würden nahtlos und ohne Beeinträchtigungen fortgeführt. Sabatier verantworte weiterhin den operativen Bereich, werde in der Geschäftsführung aber vom sanierungserfahrenen Dr. Hubert Ampferl unterstützt, der für die Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen zuständig sei. Als Sachverwalter sei Professor Martin Hörmann von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte in Augsburg bestellt worden. Doch was heißt das im Klartext für Nördlingen und die Mitarbeiter?

Bereits 2014 Insolvenz angemeldet

Bereits 2014 hatte Strenesse eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Man habe heute noch "Hausaufgaben" von damals, wie eine Sprecherin der Strenesse New GmbH am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt, es gebe noch "Strukturen von früher". Zum Beispiel Outlet-Shops, die nicht mehr zu einer Premium-Marke passten. Manche hat man bereits geschlossen – etwa den in Metzingen – die anderen werde man sich jetzt peu á peu anschauen. Der erfolgreiche Outlet-Shop in Nördlingen bleibe allerdings bestehen, sagt die Sprecherin. Sie betont: Der Schweizer Investor sei weiterhin an Bord, er stehe nach wie vor hinter der Marke. Man habe einen neuen internationalen Designer gewinnen können, dessen Namen man aber noch nicht verraten wolle. Zudem biete man jetzt Stücke an, die nicht an eine Kollektion gebunden seien und die es deshalb auch immer gebe – etwa einen Kaschmirmantel. Nicht zuletzt habe man in den Online-Shop investiert, der bekam Mitte Mai einen Relaunch, wurde also überarbeitet. Jetzt wolle man die nächsten drei Monate nutzen, um zu prüfen: Was macht für Strenesse Sinn und was nicht? Die Zahl der Mitarbeiter in Nördlingen solle bei den rund 60 bleiben.

IG Metall: Erst vor Ort ein Bild machen

Beschäftigte blicken dagegen weniger optimistisch in die Zukunft. Schließlich handle es sich um die zweite Insolvenz in rund fünf Jahren, die erste sei noch gar nicht richtig abgeschlossen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Gewerkschaftssekretär Kilian Krumm von der IG Metall sagt gegenüber unserer Redaktion, er wolle sich erst einmal ein Bild vor Ort machen. Nördlingens Oberbürgermeister Hermann Faul ist von der erneuten Insolvenz überrascht. Er hofft, dass das Unternehmen die Wende schafft und weiter am Markt präsent ist – und am Standort in Nördlingen.

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