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Schulstart im Ries

09.09.2019

Ist ein plastikfreier Schulstart überhaupt möglich?

Schulbuch einbinden, auf traditionelle Weise mit Zeitungspapier, ist auch heute noch gefragt.
Bild: Verena Mörzl

Schüler demonstrieren gegen den Klimawandel. Doch wie nachhaltig sieht es in ihren Taschen aus?

Neue Filzstifte, neues Lineal, neue Schlampermäppchen und neue Schulranzen – wie nachhaltig kann ein Schulstart tatsächlich sein? Einige ältere Schüler, aber auch Eltern beschäftigen sich vermehrt mit dem Thema, weil die Fridays-For-Future-Demos Begriffe wie Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung in die Klassenzimmer gebracht haben.

Bücher mit Zeitungspapier einbinden ist kein neuer Trend, seit Jahrzehnten sparen sich Familien so Geld für den Einband. Günter Schmalisch, Schulleiter des Oettinger Albrecht-Ernst-Gymnasiums sagt jedoch, dass ein völlig plastikfreier Schulstart kaum möglich sei. Man versuche den Eltern und Schülern aber dennoch immer wieder, zum Beispiel bei einem Elternabend, Tipps zu geben. „Es müssen keine Plastiklineale sein“, sagt Schmalisch. „Holz geht auch.“ Außerdem verwenden die Schüler Ordner, sodass nicht jedes Jahr neue Hefte gekauft werden müssen. Am AEG bleibe der Deutsch-Ordner in allen Jahrgangsstufen rot. Die SMV habe dieses Jahr Hefte mit einer Schnellhefterfunktion organisiert, passende Papierumschläge gebe es dem Schulleiter zufolge auch dazu. „Es ist wichtig, dass Dinge wiederverwendet werden können“, sagt Schmalisch. Die Fairtrade-Schule wolle zu diesem Verständnis beitragen.

Einige Familien aber können aus finanziellen Gründen nicht immer auf die Vermeidung von Plastik achten. Ingeborg Hartmann ist die Eigentümerin des Geschäfts Papier Hartmann mit Filialen in Nördlingen, Donauwörth und Monheim. Sie rechnet vor, um wie viel günstiger Plastikumschläge für Hefte sind: „Ein Karton-Heftumschlag kostet 90 Cent, einer aus Plastik 30 Cent.“ Sie habe aber auch schon die Erfahrung gemacht, dass Eltern explizit Karton- oder Pappumschläge kaufen würden, wenn es der Lehrer auf die Einkaufsliste schreiben würde. Was sich allerdings inzwischen gebessert habe: Viele Kunden kämen mit eigenen Körben, Rucksäcken oder Leinenbeuteln, um die Ware nicht in Plastiktüten mit nach Hause zu nehmen.

Schulsachen nicht im Internet bestellen

Die Erfahrung, dass viele Plastikprodukte kaufen, weil sie auf der Liste stünden, hat auch Kurt Bork vom gleichnamigen Spiel- und Schreibwarengeschäft in Oettingen gemacht. Außerdem meint auch er, dass viele Eltern vor allem auf den Preis schauen müssen und sich weniger für das Thema Plastik-Vermeidung interessierten. Viel Schulbedarf werde deshalb im Discounter gekauft. Einbände aus Plastik sind Bork zufolge außerdem strapazierfähiger. Seiner Meinung nach könnte man Plastik vor allem dann einsparen, wenn weniger online bestellt würde. Sein Geschäft habe den Verkauf von Schulranzen eingestellt, weil einige Kunden zur Beratung in seinen Laden gekommen seien, dann aber online bestellt hätten. Ein bekanntes Einzelhandels-Problem.

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