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Straßennamen

07.08.2019

Maler prägten die Wintergerst-Straße

Das Bild des linken Seitenaltars in der St. Andreaskirche in Hainsfarth ist das einzige bekannte Werk von Joseph Wintergerst in unserer Gegend und zeigt die „Hl. Familie auf der Flucht“ vor den Schergen des Königs Herodes.
Bild: H. Kucher

In Wallerstein gilt die Widmung einem Vater und seinem Sohn. In Hainsfarth und anderen Orten ist das Wirken der Künstler noch zu sehen

Die Wintergerst-Straße in Wallerstein ist nicht der Erinnerung an eine Einzelperson gewidmet, sondern gleichermaßen an die beiden Maler Anton Wintergerst und dessen Sohn Joseph. Anton Wintergerst war kein gebürtiger Wallersteiner, sondern seine Wiege stand in Bärenwies, einem kleinen Weiler in der Nähe von Kempten. Von seinem Geburtsdatum ist nur das Jahr 1738 gesichert. Er machte bei dem bekannten Kemptener Hofmaler Franz Georg Hermann seine Berufsausbildung. Am 7. Juni 1768 heiratete er Maria Monica Prenner, nachgelassene Tochter des Schwarz-Ochsen-Wirts Heinrich Prenner († 1758) in Wallerstein.

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Maler Wintergerst war auch Wirt

So wurde der Maler Wintergerst in seinem 30. Lebensjahr auch Wirt einer der angesehenen Gastwirtschaften des Marktes. Als Maler machte er sich in vielfacher Weise in unserer Gegend – und auch darüber hinaus – einen guten Namen. Seine Fresken finden sich unter anderem in der ‚Kappl’ in Zöbingen, in der evangelischen Stadtkirche Aalen, in den Pfarrkirchen von Kerkingen, Röttingen, Oberliezheim und Diemantstein. Als seine erste Frau 1776 verstarb, heiratete er im folgenden Jahr Maria Barbara Bux, eine Gastwirtstochter aus Schrezheim. Neben den Talenten einer guten Gastwirtin brachte sie ihm die ererbte, gut gehende „Fayence-Manufaktur Schrezheim“ bei Ellwangen mit in die Ehe.

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Anton Wintergerst durfte sich wegen der Aufträge, die er für das Fürstliche Haus auszuführen hatte, den Titel „Hofmaler“ zulegen. Mehrere Jahre versah er als Hereingeheirateter sogar auch das Amt des Bürgermeisters in der Marktgemeinde. Am 9. September 1805 schloss er dann für immer die Augen.

Auch der am 3. Oktober 1785 in Wallerstein geborene Sohn Joseph blieb dem Beruf des Kunstmalers treu. Nach Lehrjahren bei seinem Vater bildete er sich ab 1804 an der Akademie der Bildenden Künste in München und anschließend an der Akademie der bildenden Künste in Wien weiter.

Dann schloss er sich den „Lukas-Brüdern“ an, einer bekannten Vereinigung von Malern, welche in Rom in der Abgeschiedenheit des Klosters „Sant’ Isidoro“ ihrer Malkunst nachgingen.

Der Sohn kehrte 1813 wieder nach Deutschland zurück

1813 kehrte er nach Deutschland zurück. Zunächst wurde er Zeichenlehrer an der Kantonsschule in Aarau, ab 1815 dann Zeichenlehrer am Gymnasium in Ellwangen. 1822 verschaffte ihm sein Freund und amtierender Direktor der Akademie, Peter von Cornelius, eine Stelle als Elementarzeichenlehrer an der Düsseldorfer Akademie, wo er 1824 – als Nachfolger von Lambert Cornelius – ebenfalls Inspektor wurde und neben diesem Beruf fortan auch Zeichnen am Königlichen Gymnasium unterrichtete. In Düsseldorf verstarb er am 21. Januar 1867 im hohen Alter von 82 Jahren.

Seine künstlerische Tätigkeit bezieht sich hauptsächlich auf Bildwerke im so genannten Nazarener-Stil. Sie sind heute überwiegend in Privatbesitz.

In unserer Nähe ist ihm nur das Bild des linken Seitenaltars in der Kirche von Hainsfarth zuzuschreiben, welches im Jahr 1938 von Gröber/Horn herausgegebenen Band „Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Nördlingen“ so beschrieben ist: „Nördlicher Seitenaltar Gemälde: hl. Familie; signiert: WINTERGERST INV. ET PINXIT; im Medaillon des Auszugs Gemälde: Gottvater. Um 1830.“

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