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Porträt

17.11.2018

Mit Kunst aus der Lehmkuhle fing es an

Roland Schulz auf der Biennale in Hamburg mit seinem Werk „Vielfältig“, das bei 500 Bewerbern unter die 24 Finalisten kam.
Bild:  Foto: Schulz

Roland Schulz war unter den Finalisten der Biennale in Hamburg. Wie er seinen Beruf des Künstlers versteht.

Viel Bespaßung gab es nicht nach 1950, als Roland Schulz in Nördlingen geboren wurde. Aber es gab eine Lehmkuhle im Garten. Und die Skulpturen, die daraus entstanden, reichten, um sein gestalterisches Talent zutage zu bringen. Das hielt er wach, ging schon in der siebten Schulklasse zum Textilhaus Singer, um bei der Dekoration mitzuhelfen und machte schließlich seine Lehre als Werbegestalter dort. Dann entschied er sich doch für einen technischen Beruf, lernte Werkzeugmacher. Aber sein gestalterischer Drang schlug schon wieder durch, er landete im Konstruktionsbüro und machte noch seinen Techniker. 1978 zog er nach Baldingen, richtete Haus und Garten quasi als Galerie ein, ersetzte 2004 die Garage durch ein Atelier.

Den Beruf verstand er immer als Verbindung von Kunst und Technik, aber zu Hause pflegte er parallel immer die reine Kunst als Ausgleich vom Alltagsstress. Er fing mit Porträtmalerei an, das war ein Schwerpunkt auf der Gewerbefachschule in Augsburg gewesen und zog sich durch alle Arbeiten, da Menschen und Lebewesen allgemein seine Motive blieben. Mit angesammeltem Urlaub besuchte er mehrmals die Sommerakademie in Trier. Er sagt: „Dort drehte mich Professor Claude Mancini vom Gegenständlichen ins Abstrakte.“ Schulz tat das beispielsweise, indem er die Abbildung eines Gegenstandes zur Aufgabe machte, von diesem Bild wiederum ein Detail malen ließ, auch davon einen Ausschnitt und fünf- bis sechsmal so weiter. Mancini wollte Schulz gar als Meisterschüler nach Paris holen, aber da war dieser verheiratet und gab der Familie den Vorzug. Es ging trotzdem weiter.

„Ich müsste 150 Jahre alt werden, um alle Ideen umzusetzen.“

Schulz gab ab Anfang der 90er Jahre Ausstellungen unter anderem in Ebnat oder in einer Galerie am Altmühlsee, nahm an -zig Gruppenausstellungen teil, natürlich auch an Ateliertagen und Mauerschau; derzeit stellt er im Schlössle und der Technikerschule aus. 2002 gewann er einen Wettbewerb für Kunst am Bau bei seinem Arbeitgeber Valeo in Wemding, wo sein über 40 Quadratmeter großes Kunstwerk zu bewundern ist; 2012 wurde ihm in Frankreich der Valeo-Kunstpreis verliehen. Aus einer künstlerischen Richtung entwickelte sich die Nächste - aus Linolschnitt-Druck wurde Rundumdruck, die runden Druckstöcke waren selbst Kunstwerke, woraus sich Skulpturen entwickelten. Schulz arbeitete mit Wachs, Metall, glasfaserverstärktem Kunststoff, mit feinflüssigem Bitumen, er kombiniert pechschwarz gebranntes mit schneeweiß lackiertem Holz. Derzeit lagert er riesige Lindenholz-Quader in der Holzbau-Firma Grimmbacher, wo er später daraus eine lebensgroße Serie aus Damenskulpturen fertigen will. Alles bereitet er mit Skizzenbüchern vor: „Ich müsste 150 Jahre alt werden, um alle skizzierten Ideen auch umzusetzen.“

Letztes Jahr nahm er in Hamburg an einer Ausstellung zum 200. Geburtstag von Theodor Storm mit Druckgrafiken von dessen Gedichten teil. Unabhängig davon bewarb er sich bei der diesjährigen 7. Internationalen Biennale in Hamburg; Thema war die Artenvielfalt. Genial einfach stellte er die Vielfalt der Arten direkt dar, indem er in Lasurtechnik „alles, was kreucht und fleucht“ vom Schmetterling bis zum Elch bunt übereinander druckte. Die Lasurtechnik an sich setzte er dabei mit der Biosphäre gleich, denn jede Art braucht die anderen, um ein Gesamtsystem zu bilden, und die kleinste Unvollkommenheit würde sich auf das gesamte Bild auswirken. Aus über 500 Bewerbern wählte die Jury zunächst 67 Künstler aus 19 Nationen aus.

Für den Künstler Roland Schulz war es die bislang größte Anerkennung, dass er sogar unter die 24 Finalisten kam; den Förderpreis erhielt schließlich der Russe Sergey Machekhin.

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