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Nördlingen

04.10.2019

Nach Brand in Tiefgarage: Aufräumen mit Atemschutz

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„Das waren mal meine Lieblingsschuhe“, sagt Theresia Leberle, die mit Atemschutzmaske ihren Kellerraum inspiziert und die Schäden für die Hausratversicherung aufschreibt.
Bild: Robert Milde

Plus Nur langsam kehrt wieder Normalität ins Leben der Bewohner in der Maria-Holl-Straße ein. In nächster Zeit sind vor allem die Versicherungen gefragt.

Theresia Leberle hat zwei, drei Tage gebraucht, bis sie sich zum ersten Mal in den Keller getraut hat. Dorthin, wo sie nach dem Umzug in die Maria-Holl-Straße vor knapp zwei Jahren und der damit verbundenen Verkleinerung ihres Hausstandes Küchengeräte, Kleidung oder Schuhe lagerte. „Es hat mich Überwindung gekostet“, sagt die 69-Jährige.

Inzwischen steht fest: Nichts von ihren dort aufbewahrten Habseligkeiten ist nach dem Tiefgaragenbrand in dem Wohnkomplex der Baugenossenschaft noch verwendbar. Wenn sie trotzdem die drei Treppen nach unten geht und mit Atemschutzmaske die verrußten Sachen inspiziert, dann macht sie das für ihre Hausratversicherung, die die Schäden dokumentiert haben möchte.

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Bilder der Zerstörung aus der Tiefgarage
Bild: Robert Milde

Es dürfte noch Wochen dauern, bis wieder Normalität ins Leben der knapp 70 Frauen, Männer und Kinder in den 30 Wohnungen einkehren wird. Die Tiefgarage ist mittlerweile komplett geräumt, alle 25 zum Zeitpunkt des Brandes dort geparkten Fahrzeuge abtransportiert. 22 davon waren Totalschäden, nur drei noch fahrbereit. Darunter auch der Pkw von Theresia Leberle, die es kaum glauben konnte: „Der Lack muss aufbereitet und der Innenraum gründlich gesäubert werden, dann kann ich wieder fahren.“ Der Wagen ist derzeit in der Werkstatt, die Kosten übernimmt ihre Kaskoversicherung – auch da hat sie Glück.

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Tiefgaragenbrand: Nicht alle haben einen umfassenden Versicherungsschutz

Nicht alle Bewohner haben solch umfassenden Versicherungsschutz, weiß Blasius Wizinger, der Geschäftsführer der Baugenossenschaft. Zusammen mit Angelo Keßler, dem Hausmeister des Wohnkomplexes, hat er sich den vergangenen zweieinhalb Wochen viele Stunden lang um die großen und kleinen Sorgen der Bewohner gekümmert. „Wer auf Schäden sitzen bleibt, weil die Versicherung nicht zahlt oder gar keine existiert, soll es uns melden“, erklärt Wizinger. Ob man alles Materielle ersetzen werde, könne er aber natürlich nicht versprechen. Unterstützung zugesagt haben die Stiftung „Nördlinger Hilfe in Not“, die Kartei der Not, das Hilfswerk unserer Zeitung, und die Baugenossenschaft selbst. Zudem gibt es ein Spendenkonto bei der Diakonie Donau-Ries (DE23 7225 0000 0015 0824 07, Stichwort: Tiefgaragen-Brand).

Die Baugenossenschaft verzichtet als finanzielle Sofortmaßnahme für die Bewohner im stärker betroffenen Block Nummer 8 auf eine komplette, in Block 6 auf eine halbe Monatsmiete. Da die Tiefgarage bis auf weiteres gar nicht genutzt werden könne, falle auch dafür natürlich keine Miete an, sagt Blasius Wizinger. Ob die Brandversicherung diese großzügige Lösung akzeptieren und das Geld vollständig ersetzen wird, ist noch nicht klar, übernehmen wird sie jedoch auf jeden Fall die Unterbringungskosten der Bewohner in Ferienwohnungen und Pensionen.

Im Treppenhaus steht ein Stuhl zum Ausruhen

Nicht nutzbar ist derzeit der Aufzug des Wohnkomplexes, da die Elektrik im Keller durch das Löschwasser beschädigt worden ist. Vor allem für die älteren Menschen ist die Benutzung der Treppen mühselig und sie müssen auf halber Strecke schon mal verschnaufen. Der umtriebige Hausmeister Keßler hat auch dafür eine Lösung gefunden: Im Treppenhaus steht neuerdings ein Stuhl mit einem kleinen handgeschriebenen Zettel: „Bitte stehen lassen, Ausruhmöglichkeit für unsere älteren Mitbewohner!“

Außer Frage steht, dass die Hausgemeinschaft durch das Unglück zusammengewachsen ist. Theresia Leberle ist vor allem froh, dass niemand ernsthaft verletzt wurde. Die zusätzlichen Aufgaben, die sie jetzt erledigen muss, sieht sie als Herausforderung: „Da kann ich meinen Kindern zeigen, dass ich auch in meinem Alter noch tough bin.“

Mehr über die geschätzte Schadenshöhe lesen Sie hier.

22 Pkw, bei denen alles zerstört ist, was brennbar war. Ein kurzer Besuch in der Tiefgarage der Maria-Holl-Straße im Video
Video: Robert Milde (Video) und Verena Mörzl (Schnitt)
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Feuerwehr löscht mehrere Stunden lang Brand in Nördlingen
Bild: Jochen Aumann
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