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Zwölf Stämme

05.09.2013

Neue Prügel-Vorwürfe gegen Sekte: 28 Kinder in Sicherheit gebracht

Polizeibeamte riegelten das Gut Klosterzimmern ab. Im Hintergrund Mitglieder der Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme".
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Polizeibeamte riegelten das Gut Klosterzimmern ab. Im Hintergrund Mitglieder der Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme".
Bild: Ronald Hummel

Großeinsatz bei den "Zwölf Stämmen" in Klosterzimmern (Kreis Donau-Ries): Nach neuen Prügel-Vorwürfen holten Polizei und Jugendamt 28 Kinder aus der Glaubensgemeinschaft.

Es war gegen 6 Uhr am Donnerstagmorgen, als vor Gut Klosterzimmern bei Deiningen im Donau-Ries Streifenwagen und Busse der Bereitschaftspolizei vorfuhren. Beamte riegelten die Zufahrtsstraßen ab, zeitgleich rückten Ermittler der Kripo und Mitarbeiter des Jugendamtes an.

Die Polizei hat 28 Mädchen und Jungen aus der umstrittenen Sekte "12 Stämme" mitgenommen. Das Amtsgericht Nördlingen hatte vorläufig das Sorgerecht wegen Hinweisen auf Kindesmissbrauch entzogen. Etwa 100 Beamte waren im Einsatz

Die Mitglieder der "Zwölf Stämme" in ihren Häusern waren völlig überrascht, als die Beamten ausschwärmten, von Tür zu Tür gingen - und die Mütter und Väter aufforderten, ihre Kinder anzuziehen und herauszugeben. Busse für den Transport stünden schon bereit.

Die Eltern leisteten keinen Widerstand: Insgesamt 28 Buben und Mädchen, das Jüngste gerade einmal sieben Monate alt, wurden von den Beamten zu den Fahrzeugen gebracht und weggefahren. Vier Säuglinge wurden von ihren Müttern begleitet.   

Zwölf Stämme: Weiterer Großeinsatz in Wörnitz

Zeitgleich fand ein zweiter Großeinsatz in Wörnitz ( Mittelfranken) statt. Auch dort war das Ziel der Ermittler und Jugendschützer eine Kommune der "Zwölf Stämme", auch dort wurden insgesamt zwölf Kinder bei ihren Eltern abgeholt.

Die Glaubensgemeinschaft der "Zwölf Stämme", die weltweit rund 2000 Angehörige hat und streng nach den Regeln der Bibel lebt, gerät seit Jahren immer wieder in Konflikt mit dem deutschen Staat.  Die Mitglieder weigern sich, ihre Kinder in staatliche Schulen zu schicken. Die Gemeinschaft begründet dies mit ihrer Religion, macht „Gewissensgründe“ geltend. Ein Grund ist der Sexualkundeunterricht, mit dem die Gläubigen nicht einverstanden sind.

Die "Zwölf Stämme" waren in der Vergangenheit aber auch wegen Misshandlungs-Vorwürfen im Visier der Staatsanwaltschaft. Umfangreiche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Augsburg gegen fünf Mitglieder der Glaubensgemeinschaft in Klosterzimmern ergaben demnach, dass in der Sekte Kinder gezüchtigt werden. Zu einer Anklage kam es aber nicht. „Die Taten ließen sich nicht in der für eine Anklage ausreichenden Weise konkretisieren“, hieß es.

Nun aber, berichteten am Donnerstagmittag Landratsamt Donau-Ries und Amtsgericht Nördlingen, ergaben sich neue, konkrete Hinweise auf brutale Züchtigungen. Demnach meldeten sich im August mehrere Aussteiger der Gruppe und sagten als Zeugen aus. Kinder und Jugendliche seien bei den "Zwölf Stämmen" wiederholt mit Weidenruten verprügelt worden.

Eltern das Sorgerecht entzogen

Das Nördlinger Familiengericht entzog den Eltern daraufhin vorläufig das Sorgerecht. Man habe schnell handeln müssen, um bleibende Schäden bei den Kindern zu verhindern, hieß es. Die betroffenen Kinder sollen nun in Jugendhilfeeinrichtungen und bei Pflegeeltern untergebracht werden.

Man wolle jetzt erst einmal Ruhe einkehren lassen, hieß es bei einer Pressekonferenz. In einigen Tagen werde man den Eltern dann mitteilen, wo ihre Kinder untergebracht sind und ihnen den Kontakt ermöglichen. Das Sorgerecht soll ihnen aber bis zu einer endgültigen Entscheidung entzogen bleiben.

Ein Mitglied der "Zwölf Stämme" beteuerte am Donnerstag vor Journalisten noch einmal, dass in der Gruppe keine Kinder geschlagen würden. Man sei entsetzt über die Polizeiaktion und werde sich mit rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen. Zudem lägen Gutachten vor, dass es in der Glaubensgemeinschaft keine Züchtigungen gebe.

Großeinsatz der Polizei bei der Glaubengemeinschaft "Zwölf Stämme" in Klosterzimmern (Kreis Donau-Ries) am 5. September 2013: Die Beamten nahmen alle Kinder der Gruppe mit.
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Polizeieinsatz 2013 bei den "Zwölf Stämmen"
Bild: Dieter Mack
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