Newsticker

Höchster Stand seit Mai: Robert-Koch-Institut meldet 1226 Corona-Neuinfektionen
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Neues Hallenbad in Nördlingen wird mit Rutsche gebaut

Nördlingen

31.07.2020

Neues Hallenbad in Nördlingen wird mit Rutsche gebaut

Jürgen Eichelmann hat im Stadtrat vorgestellt, wie ein neues Hallenbad im Rieser Sportpark aufgebaut sein könnte.
Bild: Anton Färber

Plus Der Stadtrat verabschiedet Eckpunkte für das Bad im Rieser Sportpark in Nördlingen. Auch zur Zahl der Bahnen und einer Sauna gibt es Neuigkeiten. So könnte die geplante Rutsche aussehen.

Noch vor wenigen Wochen galt eigentlich eine Sanierung und Erweiterung des Bads an der Gerhart-Hauptmann-Straße als ausgemacht. Seitdem ging alles ganz schnell: Ein Neubau wäre günstiger, der Rieser Sportpark als Standort ideal, das Hallenbad soll kommen – trotz Corona und der damit verbundenen Steuereinbrüche. Nach der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause am Donnerstag gibt es Neuigkeiten zur Zahl der Bahnen, der Rutsche und der Sauna.

Die Stadt will Architekten in einem Wettbewerb Entwürfe für das Hallenbad vorlegen lassen. Die sollen jeweils so aufgebaut sein, dass sie über ein Grundmodul mit Kasse, Kiosk, Umkleiden, sanitären Anlagen, einem Schwimm-, Lehr- und Kinderbecken sowie Nebenräume verfügen. Nun hat der Stadtrat entschieden, dass auch eine sogenannte einfache Rutschenlösung – ohne externen Turm – Teil des Hauptgebäudes werden soll. Sprich: Baut die Stadt ein Hallenbad, wird es eine Rutsche haben. Infrage kommt unter anderem eine Kombination aus einer geraden Dreifachrutsche mit einer kurzen Röhrenrutsche. Bis 2023 soll das Bad stehen, 18 Millionen Euro sind für das Bad mit Sauna im Haushalt veranschlagt.

Soll das Hallenbad in Nördlingen fünf oder sechs Bahnen haben?

Umstritten war besonders die Anzahl der Bahnen im Schwimmerbecken. Das bisherige Bad verfügt über vier Bahnen, für die Erweiterung waren sechs vorgesehen, so auch für den Neubau – bis vor wenigen Wochen. Dann startete Oberbürgermeister David Wittner mit der Verwaltung den Vorstoß, die Anzahl auf fünf zu reduzieren, aus finanziellen Gründen.

Neues Hallenbad in Nördlingen wird mit Rutsche gebaut

Das Gremium hatte genauere Zahlen verlangt: Wie viel teurer wäre eine sechste Bahn? Die legte Jürgen Eichelmann, Leiter des Gebiets Hochbau bei der Stadt, in der Sitzung am Donnerstagabend vor: Auf Grundlage von Beispielrechnungen schätzt er, dass die zusätzliche Bahn im Bau 1,9 bis 2,2 Millionen Euro, im Betrieb pro Jahr 150000 Euro teurer wäre.

Lehrschwimmbecken im Hallenbad soll Hubboden erhalten

Nachdem Kämmerer Bernhard Kugler sich bereits eindringlich gegen sechs Bahnen ausgesprochen hatte, folgte am Donnerstag ein deutliches Statement von Karl Stempfle, der für die städtischen Liegenschaften und damit auch für das künftige Hallenbad verantwortlich ist. Man werde das 12,5 Meter lange Lehrschwimmbecken mit einem Hubboden ausstatten, sodass es auf 1,80 Meter Tiefe abgesenkt werden könne – und somit das große Schwimmerbecken entlaste.

So sieht die „Triple Slide“ Rutsche mit einer 25 Meter langen Röhrenrutsche im „Ellwanger Wellenbad“ aus. Sie könnte auch im Nördlinger Bad stehen. Möglich ist aber auch eine Rutsche, die im Lehrschwimmbecken mündet.
Bild: Stadt Ellwangen

Sechs Bahnen seien für kalkulierte 40000 Besucher pro Jahr überdimensioniert, „nicht zu finanzieren“ und eine „Wunschvorstellung“, betonte er. Die Leistungen des Schwimmvereins seien unbestritten, aber es sei nicht gerechtfertigt, Millionen öffentliche Gelder herzunehmen, um einem einzelnen Verein Idealbedingungen zu bieten. Dann müsste der Stadtrat auch 800000 Euro für einen Kunstrasenplatz für die TSV-Fußballer bereitstellen, die fast dreimal so viele Mitglieder hätten.

Zwei Experten, die für die Sitzung hinzugezogen worden waren – einer war per Video zugeschaltet – sprachen sich deutlich für das schmalere Becken aus. Protest und ein Plädoyer für sechs Bahnen kam insbesondere von Maximiliane Böck (CSU).

Eine sofortige Entscheidung für sechs Bahnen, wie sie der Bauausschuss noch empfohlen hatte, erhielt mit 14 Gegenstimmen knapp keine Mehrheit. Die Sprecher der Fraktionen Stadtteilliste, PWG und SPD sprachen sich dagegen aus – und hatten zumindest mehrheitlich ihre Fraktionen hinter sich.

Die Sauna hat im Hallenbad in Nördlingen Priorität

In einem Gespräch zwischen den Fraktionsvorsitzenden und Oberbürgermeister David Wittner entstand ein Kompromiss: Im Wettbewerb sollen Entwürfe mit fünf Bahnen eingereicht werden, der Sieger soll dann zusätzlich einen Plan mit sechs Bahnen vorlegen. Erst dann soll entschieden werden, wie viel Bahnen gebaut werden – auch auf Grundlage einer dann konkreteren Kostenplanung. Darauf einigte sich das Gremium mit vier Gegenstimmen von der SPD. Schließlich beschloss das Gremium noch, dass die Sauna Priorität hätte, sollte die Stadt ein Zusatzmodul bauen. Eine zusätzliche Rutsche mit Turm – sie könnte später zusätzlich zu jener im Grundmodul angebaut werden – sowie ein Außenbecken müssten dann warten. Wolfgang Mussgnug (Grüne/Frauenliste) schüttelte mit dem Kopf. Er hatte die hohen Kosten der Sauna mit Blick auf erwartete 12000 Saunabesucher pro Jahr kritisiert. Laut der Berechnung zahlt die Stadt für das aus drei Saunen bestehende Modul 300000 Euro pro Jahr drauf.

Und obwohl am Ende ein breiter Kompromiss stand: Die Gemüter waren erhitzt. Rudi Koukol (Grüne/Frauenliste) sagte, er fühle sich „verarscht“, weil die Verwaltung ständig neue Zahlen präsentiere. Er äußerte Zweifel, ob das Gremium nicht erst einen Beschluss zurücknehmen müsse. Wittner hielt dagegen: „Nur weil sie es nicht verstehen, gilt rechtlich trotzdem, was rechtlich gilt.“ Augenblicke später entschuldigte er sich dafür. „Da ist mir der Gaul durchgegangen.“

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren