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Wechingen

31.08.2017

Neues Projekt: Nachbarschaftshilfe

Klaus Schmidt ist Bürgermeister in Wechingen. Er sagt, in den vergangenen drei Jahren wurde in der Gemeinde kräftig investiert. Unter anderem wurde das Gemeindezentrum in Fessenheim fast kernsaniert.
Bild: Wehrmann

Wechingens Bürgermeister Klaus Schmidt über die Erfahrungen mit Flüchtlingen in seiner Gemeinde und die Debatte über die neuen Bauplätze.

Herr Schmidt, welche Projekte haben Sie in dieser Amtszeit geplant und welche haben Sie bislang umgesetzt?

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Klaus Schmidt: Das Projekt „Integrierte ländliche Entwicklung“ (ILE), das wir gemeinsam mit Alerheim und Deiningen begonnen haben, verfolgen wir noch immer. Ziel war die Belebung der Ortskerne – da haben wir Fortschritte gemacht. Aus dem gemeinsamen Bauhof wurde leider nichts. Die Baulandentwicklung war ein großes Thema. In Wechingen haben wir innerorts ein Baugebiet geschaffen, das umstritten war.

Warum war das Baugebiet umstritten?

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Schmidt: Einige kritisierten die Zufahrt zum Baugebiet und die Bebauung der Südseite des Dorfes. Mittlerweile ist die Akzeptanz aber gestiegen, weil auch ein neuer Fußweg entstand, der den Schulweg verkürzt. Für die vier neuen Bauplätze in Fessenheim mussten wir für 300000 Euro Altlasten entsorgen, das war überraschend. In Wechingen schaffen wir gerade 16 neue Bauplätze. Außerdem haben wir das 30 Jahre alte Gemeindezentrum in Fessenheim fast kernsaniert.

Wie viel hat die Sanierung gekostet?

Schmidt: Dafür mussten wir knapp 350.000 Euro in die Hand nehmen. Allerdings wurde Jahrzehnte lang fast nichts investiert, irgendwann kommt das halt. Dieses Jahr steht dann noch der Neubau der Aussegnungshalle an. Außerdem haben wir den Bebauungsplan für das Gewerbegebiet in Fessenheim fertiggestellt.

Wie steht die Gemeinde nach diesen Investitionen finanziell da?

Schmidt: Unser Kämmerer hat uns signalisiert, dass wir in den nächsten ein, zwei Jahren keine größeren Investitionen angehen sollten. Heuer war leider eine Neuverschuldung von 800.000 Euro notwendig. Die Dorferneuerung Holzkirchens vor zehn Jahren ist aber vollständig finanziert. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 550 Euro sind wir noch im überschaubaren Bereich.

Wie Wechingen die Flüchtlingswelle traf

Wie denken Sie im Rückblick über die Flüchtlingswelle, die Wechingen verhältnismäßig stark traf?

Schmidt: Einige wenige Gemeinden nahmen damals viele auf, während andere keine Flüchtlinge aufnehmen mussten. Allerdings war das es auch für das Landratsamt eine Herkulesaufgabe. Wechingen hätte gar keine Unterkünfte zur Verfügung stellen können, die kamen von einem Bauunternehmer. Sie waren auch von heute auf morgen belegt.

Wie reagierten die Bürger darauf?

Schmidt: Gut in Erinnerung ist mir die Informationsveranstaltung im Schützenheim mit 300 Bürgern geblieben. Einige hatten große Bedenken – es blieb aber eine sehr faire Diskussion. Wir hatten in Wechingen fast ausschließlich afghanische und syrische Familien mit Kindern, das machte es einfacher. Eine Zeit lang waren fünf Nigerianer da – das hat nicht funktioniert, allerdings war einer von ihnen auch sehr problematisch. Entscheidend war das große Engagement der vielen Ehrenamtlichen.

Wie ist die Situation heute?

Schmidt: Noch heute engagieren sich rund ein Dutzend Wechinger, Fessenheimer und Holzkirchener hervorragend. Die meisten Flüchtlinge wollten in Wechingen bleiben. Einige sind im Sportverein, für manche hat man Arbeits- und Ausbildungsstellen gefunden. Untereinander gab es hin und wieder Streitereien. Die großen Befürchtungen bewahrheiteten sich aber nicht. Es gab damals schlichtweg keine andere Möglichkeit. Zustände wie in manchen Turnhallen, die nur mit Bauzäunen und Betttüchern unterteilt waren, sind in unserer heutigen Gesellschaft nicht tragbar. Ein Problem ist, dass die meisten Flüchtlinge in Wechingen anerkannt sind, aber noch in einer Unterkunft leben. Sie gelten also als „Fehlbeleger“. Eigentlich müssten sie in Mietwohnungen ziehen, die sind aber nicht verfügbar.

Die Ziele des Gemeinschaftsprojekt „Nachbarschaftshilfe“

Am 1. November läuft die „Nachbarschaftshilfe“ an, das Gemeinschaftsprojekt mit Alerheim und Deiningen. Welches Ziel verfolgen sie damit?

Schmidt: Wir möchten, dass Senioren in unseren Gemeinden so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben können. Professionellen Pflegediensten machen wir dabei keine Konkurrenz. Die Nachbarschaftshilfe ist eher als Übergang zu sehen. Sie ist für Menschen gedacht, die eigentlich noch selbstständig leben können, bei denen es aber an einzelnen Dingen wie Arztbesuchen oder Gartenarbeit hakt.

Welche Resonanz bekamen sie bisher?

Schmidt: Es haben sich schon viele Interessierte gemeldet, die gerne helfen würden. Dafür werden sie natürlich bezahlt – dementsprechend kostet die Nachbarschaftshilfe auch etwas. Die größere Herausforderung wird sein, dass Menschen das Angebot nutzen. Viele haben eine gewisse Hemmschwelle, sich von fremden Menschen helfen zu lassen. Im Deininger Rathaus haben wir eine Koordinationsstelle geschaffen.

Wie zufrieden sind Sie mit den vergangenen drei Jahren Amtszeit?

Schmidt: Insgesamt bin ich zufrieden. Durch das gute Miteinander im Gemeinderat macht mir die Arbeit Spaß. Parteien spielen bei uns keine Rolle, unsere Gemeinderäte vertreten ihre Ortsteile. Ich muss auch nicht immer Recht haben. Wichtig ist, dass wir unsere Entscheidungen am Ende gemeinsam tragen.

Interview: Philipp Wehrmann

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