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Nördlingen

23.03.2020

Nördlinger Polizei-Chef im Interview: So liefen die Corona-Kontrollen

Walter Beck

Plus Die Polizei hat am Wochenende im Ries die Richtlinien der Corona-Allgemeinverfügung überprüft. Es gab viel Verständnis, aber auch ein Strafverfahren und Platzverweise.

Die Ausgangsbeschränkungen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sind auch im Ries am Wochenende in Kraft getreten. Die Polizei kontrollierte. Über die ersten Ergebnisse informiert Nördlingens Polizeichef Walter Beck im Interview.

Herr Beck, welche Erfahrungen hatte die Nördlinger Polizei mit den Ausgangsbeschränkungen am ersten Wochenende?

Walter Beck: Die meisten Menschen im Ries haben sich kooperativ verhalten und die vorläufigen Ausgangsbeschränkungen befolgt. In einigen Fällen haben meine Kollegen kleinere Personengruppen festgestellt, die jedoch im Gespräch sehr schnell Vernunft gezeigt haben.

Nördlinger Polizei-Chef im Interview: So liefen die Corona-Kontrollen

Hat das eher kühle Wetter bis Samstag eine Rolle gespielt?

Beck: Natürlich war das nasskalte Wetter am Samstag sehr hilfreich. Aber auch am Sonntag war die Lage entspannt und die Bürger haben sich sehr verständnisvoll an die Empfehlungen und Weisungen gehalten. Es waren wohl sehr viele Spaziergänger – insbesondere in den Wandergebieten (z. B. Marienhöhe und Riesrand) unterwegs. Tatsächlich kam es auf dem ein oder anderen Wanderparkplatz zu „Gruppenunterhaltungen“; Sicherheits-Abstände wurden teilweise nicht eingehalten. Auch im Bereich der Kaiserwiese in Nördlingen mussten Platzverweise ausgesprochen werden.

Mussten erste Verwarnungen ausgesprochen oder gar Strafanzeigen erstattet werden?

Beck: In den ersten Tagen haben wir aufgeklärt und sind meist auf großes Verständnis gestoßen. In diesen Fällen blieb es bei mündlichen Verwarnung. Ein Gastwirt befolgte die Anweisungen jedoch trotz intensiver Belehrung nicht; gegen ihn wird ein Strafverfahren eingeleitet.

Was hat die Polizei am Wochenende am stärksten belastet?

Beck: Das war die Unsicherheit der Bürger. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag stand das Telefon auf der Inspektion nicht still (knapp 100 Anrufe an beiden Tagen). Die angebotenen Hotlines waren zeitlich zu eng gestaltet bzw. überlastet. Gerade die Auslegung der Verbote unddes Erlaubten, war für die Anrufer kompliziert. Unter anderem wollten Berufstätige, die am Montag zur Arbeit fahren wollen, verlässliche Auskunft. Unheimlich viele Rieser haben sich am Wochenende mit einem Umzug beschäftigt. Auch hier hat die Interpretation eher einen engen Rahmen. Ausgehend vom Grundsatz „möglichst wenig Kontakte“ muss man sich zuerst die Frage stellen, „ist der Umzug jetzt zwingend nötig oder kann er auch in einigen Wochen erfolgen?“. Meist beantwortet sich die Frage von allein.

Was halten Sie persönlich von diesen doch bedeutenden Einschränkungen?

Beck: Es geht jetzt darum, das öffentliche Leben – zum Wohle aller –so weit wie möglich zu beschränken. Die Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen ist unerlässlich, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Die erschütternden Nachrichten aus Italien sollten uns mehr als eine Warnung sein.

Wie wird die Polizei weiter mit den Kontrollen verfahren?

Beck: Wir werden die Einhaltung der Allgemeinverfügung weiterhin konsequent und mit starken Kräften kontrollieren. Dazu erhalten wir auch Unterstützung von Kollegen der Bayerischen Bereitschaftspolizei oder aus Augsburg. (RN)

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