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Nördlingen

20.06.2017

Notärzte: Kritik am neuen Modell

Seit drei Monaten beteiligen sich Ärzte des Stiftungskrankenhauses am Notarztdienst – zwischen 7.30 uns 16 Uhr. Das bringt auch Probleme mit sich, sagt Dr. Hermann-Josef Scherrers.

Seit rund drei Monaten beteiligen sich Ärzte des Stiftungskrankenhauses an den Einsätzen. Doch sie tun das nur in einer ganz bestimmten Zeitspanne.

Gut drei Monate nach der Ergänzung des Notarztdienstes in der Region Nördlingen durch Ärzte des Stiftungskrankenhauses (wir berichteten), herrscht bei so manchem der Beteiligten nach wie vor große Unzufriedenheit. Auch Dr. Hermann-Josef Scherrers, der in den zurückliegenden Jahren im Ries mit Abstand am meisten Notarzteinsätze gefahren ist, übt Kritik. Es sei zwar grundsätzlich begrüßenswert, dass einige Mediziner vom Stift jetzt tagsüber an Werktagen bis 16 Uhr Dienst machten, sagt Scherrers. Dies entspreche jedoch weniger als 25 Prozent der Gesamtbelastung. Außerdem sei dadurch ein großes Problem aufgetaucht: Außerhalb dieser Zeit gebe es jetzt keine Ärzte mehr, die „im Block“ über zwei oder drei Tage durchgehend jeweils 24 Stunden zur Verfügung stünden, weil die Tagdienste das Krankenhaus übernehme, erklärte Scherrers die neue Lage. Diese Blocks, bisher ausschließlich von auswärtigen Kollegen absolviert, hätten die Dienstpläne ganz wesentlich bestimmt. Insbesondere seien dadurch mehrere Nachtdienste hintereinander abgedeckt gewesen.

„Die Ärzte von außerhalb bleiben jetzt weg. Sie kommen nicht für eine Nacht aus Sonthofen, Ulm oder Kempten nach Nördlingen. Das lohnt sich nämlich nicht“, so Scherrers. Durch den Tagdienst des Krankenhauses wären die Blöcke unterbrochen. Die auswärtigen Kollegen müssten tagsüber Däumchen drehen, weil sie erst wieder ab 16 Uhr zum Dienst müssten. „Das macht doch keiner von denen“, äußert Dr. Scherrers Verständnis. Somit sei die personelle Notarzt-Misere nicht viel anders als vor Jahresfrist.

Ein weiterer Kritikpunkt Scherrers: Nach wie vor gebe es im Ries keine Möglichkeit, sich zum Notarzt weiterbilden zu lassen. Neben ihm fahre aus Nördlingen nur noch ein niedergelassener Kollege – „und das auch noch in Baden-Württemberg“.

Nicht verstehen kann der Allgemeinmediziner das „sture Festhalten“ des Stiftungskrankenhauses an den Dienstzeiten für seine Ärzte. „Ich wünsche mir mehr Flexibilität, sodass wenigstens ab und zu mal ein auswärtiger Arzt über einige Tage hinweg nach Nördlingen kommen und durchgehend Notarztdienst machen kann.“

Auf die Frage unserer Zeitung, wie es angesichts der momentanen Situation vor allem mit den Nacht- und Wochenendeinsätzen weitergehe, sagte Scherrers: „Das ist ganz einfach. Ich werde die Lücken im Dienstplan füllen – wie bisher auch schon.“ Er habe auch wenig Hoffnung, dass sich an der Personalmisere bald etwas ändere. Er glaube zudem, dass die für den Notarztdienst zuständige Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) den Ernst der Lage im Ries immer noch nicht erkannt habe.

Der Vorstandsvorsitzende des gKU, Jürgen Busse, sagte auf Anfrage der RN, zuständig für den Notarztdienst sei allein die KVB. „Das Stiftungskrankenhaus hat derzeit nur eine Genehmigung für Notarzteinsätze werktags von 7.30 Uhr bis 16 Uhr. Wir dürfen gar nicht mehr machen.“

Weiter erklärte Busse, das gKU wäre „unter Umständen“ bereit, auch noch mehr Dienste zu übernehmen. Dazu benötige es allerdings eine entsprechende Erlaubnis von der KVB, die man vorher beantragen müsste. Für Gespräche in dieser Richtung sei er offen.

Der zuständige Sachbearbeiter der Kassenärztlichen Vereinigung war bis zum Erscheinungstag dieses Artikels nicht erreichbar (Bericht folgt).

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