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Prozess in Nördlingen

01.12.2020

Oettinger will Ehefrau einschüchtern und wirft mit Aschenbecher nach ihr

In Oettingen hat ein Mann einen Aschenbecher geworfen.
Bild: Burgi, dap (Symbol)

Plus Ein Mann steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Die Beteiligten versuchen, die Sache schnell aus der Welt zu schaffen. Doch das gelingt nicht.

Der Plan ist offensichtlich. Der Angeklagte sagt nichts, die Geschädigte – seine Ehefrau – sagt nichts und der Schwiegersohn in spe auch nicht. So sollte die angeklagte gefährliche Körperverletzung unter den Tisch fallen. Nicht einmal einen Anwalt hat sich der Angeklagte für den Termin genommen. Doch dann gerät der Plan ins Wanken: Der künftige Schwiegersohn ist eben nur mit der Tochter der Geschädigten verlobt, nicht verheiratet – womit er das Recht gehabt hätte, die Aussage zu verweigern. Und deshalb muss er vor Gericht aussagen.

Der Vorfall, um den es geht, hat sich im Juli dieses Jahres in Oettingen ereignet. Der Angeklagte soll seine Frau und den potenziellen Schwiegersohn geschubst haben, die sich dadurch jeweils an einer Dachschräge in der Wohnung den Kopf stießen, die Frau habe sich dadurch mehrere Verletzungen zugezogen. Dazu soll der Mann einen Aschenbecher auf seine Ehefrau geworfen und die Küchentür eingetreten haben – soweit die Ausführungen der Staatsanwaltschaft.

Körperverletzung in Oettingen: Vor Gericht will niemand aussagen

Doch keiner der Beteiligten hat vor Gericht ein Interesse daran, den Fall weiter zu verfolgen, nicht einmal der Hauseigentümer für die beschädigte Tür. Doch Staatsanwältin Johanna Thumser und Richter Nicolas Pfeil befragen den 21-Jährigen, der seit Kurzem mit der Tochter der Geschädigten verlobt ist. Der versucht den Vorfall herunterzuspielen, es sei ein Streit gewesen, wie er nun mal häufiger in Beziehungen vorkomme, man habe sich gegenseitig beleidigt und geschubst. Doch das hätten die beiden miteinander geklärt.

Richter Pfeil will mehr über den Schubser wissen und liest dem jungen Mann schließlich noch einmal Teile seiner Vernehmung bei der Polizei vor. Dort habe er das Schubsen gegen die Wand noch gesehen. Der junge Mann verneint: „Dann stimmt der Polizeibericht nicht.“ Dass der Aschenbecher flog, räumt der 21-Jährige ein, auch wenn dieser vom Angeklagten nicht auf die Ehefrau geworfen worden sei. Das räumt sogar der Angeklagte schließlich ein.

So geht es am Ende der Verhandlung nur noch um den Tatbestand der versuchten gefährlichen Körperverletzung. Der Angeklagte ist damit unzufrieden, beklagt, dass ihm im vergangenen Jahr das Nasenbein gebrochen, aber die Sache letztlich eingestellt worden sei. Richter Pfeil hat Verständnis für das verletzte Gerechtigkeitsempfinden des Mannes. Das ändere aber nichts daran, dass ein geworfener Aschenbecher gefährlich sei. Der Angeklagte stimmt nicht so ganz überein: „Wenn ich hätte treffen wollen, hätte ich getroffen.“

Mann wirft mit Aschenbecher und wird zu Geldstrafe verurteilt

Staatsanwältin Thumser schlägt vor, das Verfahren gegen eine Geldstrafe von 4000 Euro einzustellen. Die Ehefrau ruft von den Sitzplätzen für die Zuhörer dazwischen, sie müsse eine Strafe ja auch mitfinanzieren. Auch der Angeklagte hat für den Vorschlag kein Verständnis, empfindet diesen als unfair und will mit Richter Pfeil verhandeln. Doch der stellt klar: Es ist ein Angebot der Staatsanwaltschaft, das könne er annehmen oder auf ein Urteil warten.

Der Angeklagte sagt, er würde vielleicht auf 3000 Euro plädieren und das in 20-Euro-Raten abbezahlen. Letztlich lehnt der Angeklagte das Angebot ab, will sich für das Urteil nun doch mit seinem Anwalt besprechen und diesen nach der Verhandlung kontaktieren.

Richter Pfeil verhängt letztlich 90 Tagessätze zu je 70 Euro, somit insgesamt 6300 Euro, allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. In das Urteil fließt mit ein, dass der Angeklagte bereits vor neun Jahren wegen einer gefährlichen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

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