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26.07.2010

Paradies im Hinterhof

Mit viel Liebe haben die Deininger Bürger ihr Droffest gestaltet. Gerde Wenzel und ihr Ehemann zeigten zum Beispiel eine Kaffeetafel früherer Zeiten. Überall im Dorf gab es solche Entdeckungen, an jeder Ecke gab es etwas zu bestaunen.
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Mit viel Liebe haben die Deininger Bürger ihr Droffest gestaltet. Gerde Wenzel und ihr Ehemann zeigten zum Beispiel eine Kaffeetafel früherer Zeiten. Überall im Dorf gab es solche Entdeckungen, an jeder Ecke gab es etwas zu bestaunen.

Deiningen Ein Blick auf das Programmheft lässt einen erstarren: "Wo soll ich denn nur anfangen?" Nummern über Nummern und eine Aktion nach der nächsten. Am besten, man steckte das Heftchen an den Festtagen in Deiningen in die Tasche und ließ sich von der historischen Stimmung einfach durch das ganze Dorf treiben. So entdeckte man am ehesten die Kleinode, welche die Dorfgemeinschaft in so manche Hinterhöfe gezaubert hat.

Eine dieser Entdeckungen ist das "Riasr Haus": Dort wird jeder Besucher von Gerda Wenzel, geborene Ritsche, herzlich empfangen. Ihr Elternhaus, das bereits 1766 erbaut wurde, steht seit dem Tod der Eltern leer. Anlässlich des Jubiläumsjahres hat sie in Zusammenarbeit mit dem Trachtenverein Deiningen die Räume im Stile "anno dazumal" ausgestaltet.

Liebevoll berührt sie eine alte Singer - Schreibmaschine in der Stube mit der niedrigen Decke und posiert freudig am gedeckten Kaffeetisch mit ihrem Mann. Immer wieder beantwortet sie Vorbeiziehenden Fragen zu den alten Familienbildern an der Wand und schmökert ab und zu im Gästebuch, in das viele Besucher einen persönlichen Eindruck hinterlassen. "Ach, am Liebsten würde ich wieder hier einziehen", meint Gerda Wenzel, man glaubt ihr das von ganzen Herzen.

Doch nebenan in der alten Wagnerei gibt es fast genauso viel zu bestaunen. Das Elternhaus von Bürgermeister Karlheinz Stippler hat seine Türen weit geöffnet. In den alten Ställen, welche die Familie mit Dampfdruck und viel Schweiß auf Vordermann gebracht hat, kann man sich mit alten Rieser Speisen, wie Leberkuchen mit Apfelmus, stärken. Bürgermeister Stippler wuselt ständig zwischen Ausschank und Werkstatt hin und her und zeigt zusammen mit Johann Braun aus Laub das Handwerk des Wagners: Per Transmission und Treibriemen wurden in der Werkstatt seines Vaters mit einem Motor drei Maschinen (Säge, Schleifstein und Drechsel) angetrieben. Voller Eifer präsentiert der Bürgermeister die Arbeitsschritte und bedauert nur eins: "Mich ärgert heute noch, dass ich früher nicht mehr von meinem Vater gelernt habe."

Paradies im Hinterhof

Begeisterte Besucher aus Australien

Von so viel Geschichte wird auch ein australisches Ehepaar angelockt: Joan und Collin aus Melbourne, die ihren Sohn im Ries besuchten, sind zum ersten Mal überhaupt in Europa. Sie können ihre Eindrücke kaum in Worte fassen. "Es ist wunderschön, wie stolz die Menschen auf ihre Geschichte sind", so Joan, die sich vor allem von den Kostümen und den alten Handwerkspräsentationen, wie beispielsweise Dreschen, begeistert zeigt. "Unser junger Kontinent hat keine vergleichbare Geschichte." Beide werden nach dem Fest in Deiningen eine Schiffsreise durch Europa machen und beteuern: "Wir saugen einfach alles auf."

Hinter der St.-Martins-Kirche hat der Pfarrgemeinderat aufgeschlagen: Neben Verpflegung in der Templerklause erfahren die Besucher bei der Kirchenführung, wie die Deininger Kirchengeschichte mit der der Templer verknüpft ist: Als nämlich zwei Templerritter auf ihrer Reise in Deiningen Halt machten, wurden sie im Schlaf von ihrem eigenen Diener aus Habgier erschlagen - den Schatz, den sie mit sich trugen, hat er nie gefunden. Jener ruht wohl immer noch irgendwo in der Ortsmitte.

Auf der Bühne des Festwochenendes gibt es Musik, Gauklerdarbietungen und eine Uraufführung: Ronald Hummel hat extra für das Dorffest einen Einakter geschrieben: Er handelt darüber, wie es sich am Hofe von König Pippin III zugetragen haben könnte, als er für sein eigenes Seelenheil die Gemeinde Deiningen, damals noch Thininga, an das Kloster in Fulda schenkte. Mit viel Wortwitz und direktem Schauspiel sorgen die Darsteller für amüsante 15 Minuten.

Landwirtschaft und Handwerk

Landwirtschaftliche Ausstellungen und Handwerkspräsentationen verstreuen sich über das ganze Dorf und in manchen Ecken entdeckt man längst vergessene Techniken wieder, wie beispielsweise das Nadelbinden. Maria Zielke vom Lager der Raetovarier arbeitet gerade an einer Mütze mit der Handarbeitstechnik aus der Jungsteinzeit. Sie hat sich das Nadelbinden, das heute noch in Teilen des Nahen Ostens und in Skandinavien ausgeübt wird, autodidaktisch beigebracht. Als es dunkler wird, ziehen die Nachtwächter durch den Ort und bilden mit ihren Rufen und Gesang einen stimmungsvollen Ausklang zu einem unvergesslichen Festtag in Deiningen.

Bei uns im Internet: Bilder und ein Video unter rieser-nachrichten.de

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