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Kirche

01.09.2019

Pfarrer für Alerheim gesucht

Pfarrer Rüdiger Lange und Elke Thum übernehmen viele Aufgaben, solange Alerheim noch keinen eigenen Pfarrer hat. Thum ist Vertrauensfrau im Kirchenvorstand. Sie sagt, dass vieles nur funktioniert, weil das Dorf zusammenhält.
Bild: Jan-Luc Treumann

Plus Seit mehr als einem Jahr hat Alerheim keinen eigenen Pfarrer. Die Aufgaben werden zum Teil auch von Ehrenamtlichen übernommen. In Zukunft wird sich die Lage wohl nicht bessern.

Sonntag. Es ist Zeit für den Gottesdienst. Alerheimer, die diesen besuchen wollen, müssen dafür eventuell nach Bühl fahren. Denn in Alerheim findet der Gottesdienst nur alle 14 Tage statt. Seit Juli vergangenen Jahres hat die Pfarrei Alerheim-Bühl mit den zugehörigen Kirchengemeinden Rudelstetten und Wörnitzostheim keinen eigenen Pfarrer mehr.

Der evangelische Pfarrer Siegfried Bernard ging in den Ruhestand. Die Stelle durfte erst mit dem Dienstende des Pfarrers ausgeschrieben werden, zudem muss ein halbes Jahr gewartet werden, bis sie neu besetzt wird. Das sei üblich, bestätigt Dekan Gerhard Wolfermann vom Dekanat Nördlingen gegenüber unserer Zeitung. So werde in dieser Zeit die Dienstwohnung saniert.

Zeit dafür ist genug vergangen, die Wohnung kann längst von einem neuen Pfarrer bezogen werden. Nur ist noch keiner da, der das Amt ausüben möchte. Nicht nur in Alerheim gibt es dieses Problem, sondern auch in Harburg und Oppertshofen-Brachstadt.

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Kein Pfarrer in Alerheim: Der Übergang dauert schon mehr als ein Jahr

In Alerheim übernehmen die Pfarrer Rüdiger Lange – der eigentlich für Kleinsorheim und Großsorheim zuständig ist – sowie Reinhard Caesperlein aus Heroldingen übergangsweise die vakante Stelle. Dieser Übergang dauert nun schon mehr als ein Jahr. Lange beschwert sich darüber nicht, er sagt: „Wir organisieren die Gottesdienste und kümmern uns um das, was notwendig ist: Seelsorge, Besuche, Trauungen, Taufen.“

Lange selbst ist noch Ansprechpartner für den kirchlichen Kindergarten, Caesperlein übernimmt die Verwaltungsarbeit, den Rest teilen sie auf. „Wir gehen daran nicht kaputt“, sagt Lange. Es würden aber auch Dinge liegen bleiben, beispielsweise in der Jugendarbeit. So organisierte die Evangelische Landjugend in Großsorheim das Sunfield-Festival. Lange erklärt: „Das lief über meinen Schreibtisch, aber die Verantwortung lag bei den Jugendlichen.“

Auch der Kirchenvorstand übernimmt einige Aufgaben. In dem Gremium ist Elke Thum Vertrauensfrau. Sie berichtet, dass sich einige Vorstandsmitglieder um den Friedhof kümmern, andere unterstützen den Kindergarten. Eine besonders starke Belastung ist das für Thum nicht: „Stress ist, wenn man sich selbst Stress macht.“ Und sie sieht die Situation derzeit auch pragmatisch: „Wenn es funktionieren muss, dann funktioniert es.“

Rüdiger Lange wird die Vertretung in Alerheim nicht mehr ewig machen

Das klappt aber nur, weil viele zusammenhelfen. Zwölf Menschen sind im Kirchenvorstand, der für sechs Jahre gewählt wird. Als im vergangenen Jahr neue Mitglieder gesucht wurden, hätte Thum gezielt Menschen angesprochen. „Ich muss sagen, ich war von der Resonanz positiv überrascht. Wenn man da auch niemanden gefunden hätte, wüsste ich nicht, wie die Situation heute aussieht“, schildert Thum. Die Hilfsbereitschaft im Dorf sei groß.

Das ist auch nötig, denn Rüdiger Lange wird die Vertretung nicht mehr ewig machen können: Im kommenden Jahr geht der 64-Jährige in den Ruhestand. Der Pfarrer hat aber keine Bedenken, dass die Situation dann noch gravierender wird: „Es besteht die Möglichkeit, dass ein Dienstanfänger hingeschickt wird. Der darf sich seine erste Stelle nicht aussuchen.“ Zudem habe es ein Treffen der Dekanate Nördlingen, Oettingen und Donauwörth gegeben, bei dem die Beteiligten beraten haben, wie sie enger zusammenarbeiten können. Eine Überlegung sei die Zusammenlegung des Konfirmationsunterrichts.

Eine Stellungnahme zu der Situation in Alerheim vom Dekanat Donauwörth, das für die Gemeinde zuständig ist, konnte nicht erteilt werden. Dekan Johannes Heidecker befindet sich derzeit im Urlaub, wie auch der evangelische Regionalbischof im Kirchenkreis Augsburg, Axel Piper. In Zukunft wird sich die Situation nicht entspannen. Rüdiger Lange konstatiert: „Man kann die Pfarrer nicht aus der Zaubertüte holen.“ Eine Pfarrersnot sehe er nicht. Noch nicht. „Aber immer weniger Leute bewerben sich für das geistliche Amt. Die Pfarrersnot wird kommen“, sagt Lange.

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