1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Protest gegen Stromtrasse: Das sagt der Veranstalter der Kundgebung

Stromtrasse Oettingen

17.01.2015

Protest gegen Stromtrasse: Das sagt der Veranstalter der Kundgebung

Copy%20of%20DSC_0047.tif
2 Bilder
Der Hohenaltheimer Bürgermeister Wulf-Dietrich Kavasch sieht die Rieser Landschaft durch die geplante Stromtrasse „Korridor D“ bedroht. Er organisiert eine Demo in Oettingen.
Bild: Jan Kandzora

Am 25. Januar gibt es in Oettingen eine Kundgebung gegen die geplante Stromautobahn. Wulf-Dietrich Kavasch organisiert die Demo. Wie es dazu kam und was ihn antreibt.

Wulf-Dietrich Kavasch ist ein vielbeschäftigter Mann. Der 70-Jährige ist Bürgermeister der Gemeinde Hohenaltheim, wo er auch eine Tierarztpraxis leitet, er ist Vorsitzender des Vereins Rieser Kulturtage und des Tierschutzvereins Nördlingen. Und nun kommt ein weiteres Amt hinzu: Kavasch ist Veranstalter einer Großkundgebung gegen die geplante Stromtrasse von Sachsen-Anhalt nach Bayern.

Herr Kavasch, wie kommt es, dass Sie die Demo gegen die Stromtrasse organisieren?

Kavasch: Petra Wagner, die Bürgermeisterin von Oettingen, hat ja beim Neujahrsempfang der Stadt verkündet, dass am 25. Januar die Großkundgebung stattfinden wird. Ich habe ihr gesagt: Ich finde das prima, da sind wir auch dabei. Wenig später hat mich Landrat Stefan Rößle ins Landratsamt eingeladen und mir vermittelt, dass die Rieser Kulturtage das organisieren müssen, weil wir gut vernetzt sind, auch nach Baden-Württemberg und ins benachbarte Mittelfranken.

CR Newsletter.jpg

Und dann haben Sie zugesagt.

Kavasch: Ich habe schon geschluckt, was da logistisch auf mich zukommt. Und meine Frau war zunächst nicht begeistert. Die hat gesagt, du hast doch genug zu tun. Aber das Thema liegt uns am Herzen. Ich habe die Bürgerinitiative Donau-Lech von Werner Roßkopf um logistische Hilfe gebeten, die haben ja immerhin gemeinsam mit anderen Initiativen bereits bewirkt, dass die Trassenplanung verschoben wird. Ich habe mich natürlich intensiv in das Thema eingearbeitet, mich noch mehr damit beschäftigt, als ohnehin schon. Dass auch die Hesselberg-Region dazukommt und an der Kundgebung teilnehmen wird, kam unerwartet und ist erfreulich. Ich hoffe, dass der Kontakt nach der Demo bestehen bleibt. Ich spüre eine ungemeine Solidarität.

Was sind die Ziele der Demo?

Kavasch: Das ist einfach zu beantworten und auch zu begründen. Wir wollen, dass keine Stromtrasse durch den Landkreis gebaut wird, dass zukünftig grundsätzlich der Bau derartiger Trassen in unserer Region verhindert wird. Man muss sich darüber im Klaren sein, was die Trasse für Ausmaße haben soll. Alle 300 Meter soll ein Mast stehen, und der wäre erheblich höher als herkömmliche Masten, bis zu 70 Meter hoch. Das ginge dann quer durch die Landschaft. Letztlich ist das eine Baumaßnahme, die man von jeder Ecke des Rieses aus sehen würde.

Der Netzbetreiber Amprion spricht mittlerweile nur noch von 40 bis 50 Meter hohen Masten. Höher seien sie nur in Einzelfällen, etwa wenn es das Gelände erfordere, heißt es.

Kavasch: Auch 40 bis 50 Meter-Masten wären immer noch sehr hoch. Die Frage ist doch, was wichtiger ist: der Erhalt der Rieser Landschaft – oder industrielle Interessen. Ich bin der Überzeugung, dass das Ries ein einzigartiges geologisches Gebilde ist, aus diesem Grund haben wir auch vor 20 Jahren die Ries-Autobahn verhindert. Es ist wichtig, einen der wenigen gut erhaltenen Meteoritenkrater zu schützen. Der Bau der Stromautobahn wäre zudem ein massiver Rückschlag für den Geopark Ries und den Tourismus in der Region. Wer will im Schatten der Trasse Urlaub machen?

Nur steht noch gar nicht fest, dass die Trasse tatsächlich durch das Ries verläuft. Warum demonstrieren Sie trotzdem schon?

Kavasch: Sie soll von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt nach Gundremmingen verlaufen. Wenn man die Strecke auf der Karte verfolgt, durchkreuzt man das Ries. Und sobald erst einmal ein Planfeststellungsverfahren läuft, könnte es zu spät sein, deshalb mobilisieren wir schon jetzt, auch wenn wir den genauen Trassenverlauf noch nicht kennen. Es ist notwendig, noch vor Ende des Energiedialogs im Februar ein Zeichen zu setzen. Ich bin kein Berufsdemonstrant, das ist nicht meine Welt. Aber wenn mir etwas wichtig ist und ich sehe, dass sich viele Leute, die ich schätze, für dasselbe Ziel engagieren, mache ich etwas. In unserer Region hat so eine Trasse keinen Platz.

Die Kernenergie macht in Bayern derzeit knapp 60 Prozent der Stromerzeugung aus. 2022 wird das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet. Wo soll der Strom danach herkommen?

Kavasch: Der Strom kann zum Beispiel über Gaskraftwerke produziert werden. Abgesehen davon gäbe es die Möglichkeit, ihn über Kabel zu transportieren, das schont die Landschaft. Und so schlecht sind wir nicht aufgestellt. Wir haben im Landkreis den zweithöchsten Anteil an Biogas-Anlagen in ganz Deutschland, wir haben Höfe und Gemeinden, die sich eigenständig mit Energie versorgen. Aber selbst, wenn man annimmt, dass eine Trasse notwendig sein sollte: Es wäre aus meiner Sicht besser, sie entlang der A7 zu führen, nicht durch sensible Landschaften.

Sehen Sie weitere Kritikpunkte an der Trasse, abgesehen von möglichen Eingriffen in die Landschaft?

Kavasch: Kein Mensch weiß, wo der Strom herkommt, den sie transportieren soll, das ist ein Problem. Sachsen-Anhalt ist schließlich auch Braunkohle-Gebiet. Der Bund mag den Investoren für den Neubau der Stromtrassen eine Rendite von neun Prozent versprochen haben, aber man kann so ein Projekt nicht über die Köpfe der Bevölkerung hinweg machen.

Wie viele Teilnehmer erwarten Sie am 25. Januar?

Kavasch: Ich rechne mit mindestens 500 Leuten, womöglich werden es aber viel, viel mehr. Wir verteilen schließlich alleine an die 70000 Flyer. Das Interview führte Jan Kandzora

Hinweis: Die Demo in Oettingen startet am Sonntag, 25. Januar , um 13.30 Uhr auf dem Marktplatz.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Schild.jpg
Nördlingen

Unfall: Zwei Verletzte und ein hoher Sachschaden

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser Morgen-Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen