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30.04.2015

Protestmarsch mit dem Kinderwagen

Hebammen sorgen sich um die Zukunft ihres Berufes

Isabel Graumann ist Hebamme in Reimlingen. Genau wie ihre 21 Kolleginnen im Landkreis Donau-Ries sieht sie den Beruf der Hebamme gefährdet. Warum? „Welche junge Frau möchte schon einen Beruf erlernen, bei dem die Rahmenbedingungen derart unsicher und unvorhersehbar sind wie bei der Hebamme?“

Zwei Beispiele nennt sie dafür: Die Prämie für Berufshaftpflicht für freiberufliche Hebammen hat sich in den vergangenen zehn Jahren verzehnfacht und wird ab Juli 6300 Euro betragen – und zwar unabhängig davon, wie viele Geburten eine Hebamme pro Jahr hat. Im Vergleich dazu, sagt Graumann, würden in Österreich die Prämien lediglich 1500 Euro kosten. Ob aber im nächsten Jahr überhaupt noch Versicherungen das Berufsrisiko von Hebammen tragen wollen, sei fraglich. Eine zusätzliche Unsicherheit.

Außerdem gibt es eine aktuelle Debatte darüber, unter welchen Umständen eine Hausgeburt künftig noch von den Krankenkassen bezahlt wird. Demnach stehe zur Diskussion Hausgeburten nicht mehr zu bezahlen, wenn Frauen nur einen Tag über ihrem Entbindungstermin seien. „So kann es nicht weitergehen,“ sagt Graumann. Schließlich gehe es darum, dass Frauen auch in Zukunft die freie Wahl haben müssen, wo sie ihr Kind zur Welt bringen wollen, denn: Wenn die Rahmenbedingungen für die freiberufliche Ausübung des Berufs der Hebamme nicht besser werden, würde dieser wohl älteste Frauenberuf der Welt, in Deutschland langsam verschwinden. Ohne freiberufliche Hebammen wären zum Beispiel kleinere Geburtshilfen wie die des Nördlinger Stiftungskrankenhauses, die als Belegabteilungen arbeiten, nicht mehr denkbar. Vor allem aber gebe es für Frauen nicht mehr die Möglichkeit, ihre Kinder zu Hause auf die Welt zu bringen.

Deshalb rufen Graumann und ihre Kolleginnen Regina Maier, Birgit Landwehr und Hilde Hankl zu einem Kinderwagenprotestmarsch in Nördlingen auf. Dieser soll am Internationalen Hebammentag, am Dienstag, 5. Mai, um 10 Uhr vor dem Nördlinger Rathaus beginnen. Der Marsch wird durch die Fußgängerzone führen und gegen elf Uhr enden. (heja)

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