Newsticker
Bericht: Merkel lässt sich am Freitag mit AstraZeneca impfen
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Publikum feiert drei Ausnahmekünstlerinnen

Musik

22.11.2019

Publikum feiert drei Ausnahmekünstlerinnen

Die „Klezmers Techter“ begeisterten in Reimlingen.
Foto: Dieter Mack

„Klezmers Techter“ spielen in Reimlingen jüdische Instrumentalmusik vom Allerfeinsten

„Der Pojaz tanzt“ lautete das Motto des Abends basierend auf einem Roman von Karl Emil Franzos, welches die drei sympathischen Musikerinnen als „ Klezmers Techter“ einem begeisterten Publikum im ausverkauften Konzertstadl in Reimlingen präsentierten. Doch der Pojaz (Bajazzo) tanzt nicht nur des Tanzes wegen, sondern er tanzt seinen persönlichen Traum, einmal ein Schauspieler zu sein. Im Roman gibt es ein Happy End, sein Traum geht in Erfüllung. Der Pojaz ist jiddisch und stammt wie die Musik der „Klezmers Techter“ aus Osteuropa. Es ist ihr Traum, diese mitreißende Musik zu leben, zu spielen, vor allem aber einem breiten Publikum zugänglich zu machen. An der Romanfigur des Pojaz kann man aber auch die verschiedenen Charaktere der Musikerinnen erkennen. Im Roman ist er Schauspieler und auch ein Stimmenimitator. Gabriela Kaufmann braucht dazu keine Stimme, sie hat dafür Klarinetten. Eine „normale“, und eine für den Bass. Tief verbunden mit der Spielweise eines Giora Feidmann beherrscht die Klarinettistin alle Facetten dieser Musik. Quirlig, rasant, feurig bis hin zu tief gurgelnd entlockt sie ihren Klarinetten schier unspielbare Töne. Auch sie kann Stimmen imitieren wie sie in dem Lied über eine Nachtigall eindrucksvoll beweist. Und wenn es richtig ab geht, dann darf es auch mal quietschen. Chapeau, das ist ganz große Klasse.

Wer könnte im Ensemble besser den Charakter des Schauspielers übernehmen als Almut Schwab. Ihr Temperament ist schwer zu zügeln und sorgt für Humor. Und der ist wichtig. Wer fast nur in Moll-Tonarten spielt, braucht ein fröhliches Pendant. So gelingt es dem musikalischen Tausendsassa – Schwab beherrscht Akkordeon, Querflöte und ein Hackbrett – immer wieder, das Publikum auf ihre Seite zu zeihen.

Doch wie verloren sind Klarinette und Akkordeon ohne Rhythmusinstrument. Diesen Part übernimmt bei den „Techtern“ Nina Hacker am Bass. Im Vergleich zu den anderen ist ihr Spiel eher unaufgeregt, aber elementar. Sie leitet die unzähligen Rhythmuswechsel ein, zieht das Tempo hoch wenn nötig und streicht ihren Bass intonationssicher in gefühlvollen Passagen. Ohne sie ginge im Ensemble gar nichts.

Es war ein beeindruckendes Konzert mit Klezmer vom Allerfeinsten und drei Ausnahmemusikerinnen, die frenetisch gefeiert wurden. Durch viel Abwechslung erreicht diese wundervolle Musik ein Höchstmaß an Authentizität, die dank der drei Musikerinnen erlebbar wurde. Es ist ihr Verdienst den Klezmer seines Vorurteils der Melancholie zu berauben. Vielleicht ging damit an diesem Abend auch der Traum der „Klezmers Techter“ ein Stück weit in Erfüllung. Ein Happy End hat er sicherlich. (ce)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren