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Buchvorstellung

27.11.2019

Rieser Heimatkrimi: Ermittlungen am Rande der Legalität

Nördlingen und das Ries sind Schauplatz des neuen Krimis von Ronald Hummel.
Bild: Heidi Källner (Archivbild)

Kommissar Georg Stelzle ist in Ronald Hummels neuem Rieser Heimatkrimi einem Verbrechen auf der Spur.

Nebenerwerbskommissar beziehungsweise -landwirt Georg Stelzle aus Alerheim ist die Hauptfigur im neuen Rieser Heimatkrimi „Kommissar Stelzle ermittelt“ von Ronald Hummel. Stelzle ermittelt als Polizeibeamter in zweiter Reihe bei der Kripo Dillingen und ist ja schon ein schräger Vogel: Irgendwie aus der Zeit gefallen trauert er der „atemberaubend guten alten Zeit“ nach, nächtigt gerne im Heu seiner Scheune, wo er sich eine Art „Liebesnest“ eingerichtet hat, tuckert mal mit einem „Strich-Achter-Mercedes“, mal mit einem „Fendt“ durch die Gegend.

Die Kulinarik ist ihm weniger wichtig, aber nicht, weil ihm der Gusto fehlt, sondern wegen seines über die Rieserische Sparsamkeit hinausgehenden Geizes. Seinen Vorgesetzten begegnet er mit professionellem Respekt, tut dann aber doch genau das, was nicht unbedingt erwünscht ist, er aber für richtig hält. Das alles macht ihn sympathisch. So ist dem Autor Ronald Hummel ein Charakter gelungen, den man gerne auf seinen etwas verschlungenen Wegen begleitet.

Aufhänger des Heimatkrimis ist ein Fall, der vor einigen Jahren beim Nördlinger Amtsgericht verhandelt wurde: Eine mittelständische Spedition hatte größere Bestechungssummen „investiert“, um sich lukrative Aufträge heimischer Großunternehmen zu sichern. Während des Prozesses kamen noch weitere Unregelmäßigkeiten zum Vorschein, „der Sumpf wurde immer tiefer“. Im Roman liegt nun die Angeklagte jenes Prozesses, Anna Heider, wenige Wochen später tot am Gosheimer Weiher. Hingestreckt durch einen sauberen Schuss mitten ins Herz. Kommissar Stelzles Zeit ist gekommen.

Rieser Heimatkrimi: Ermittlungen am Rande der Legalität

Kriminelle Machenschaften in der Region

Bis zur Auflösung verwebt Ronald Hummel recht geschickt den Bestechungssumpf mit anderen kriminellen Machenschaften in der Region: Da geht es um Drogenhandel aus den Flüchtlingskreisen einer „Nigeria-Connection“ und um die Verschacherung verbotener Pflanzenschutzmittel. Auch der im Ries immer mal wieder vorkommende zwielichtige Handel mit Gebrauchtmaschinen und Ersatzteilen spielt hinein.

Ronald Hummel hat einen Heimatkrimi geschrieben.
Bild: Rüdiger Wagner

Die potenziell Verdächtigen versuchen nun, von sich ab- und die Ermittler auf die Spuren anderer zu lenken, was ihnen bei den Beamten und dem Leiter der Einsatzgruppe auch ganz gut gelingt, aber eben nicht bei Kommissar Georg Stelzle. Der kommt mit seinen außergewöhnlichen, am Rande der Legalität stehenden Ermittlungsmethoden – zu denen auch das Lösen der Zunge durch allerhand Alkoholika oder das Aushorchen im „Liebesnest“ gehören – der Wahrheit immer näher. Dazu spannt er sogar seine Mutter als „verdeckte Ermittlerin“ bei einer leicht dementen Mitbewohnerin des Seniorenheims ein. Nicht zuletzt deren „Verhör“ bringt die dramatische Wende.

Man merkt: Ronald Hummel, der „jeden Wurm unter jedem Stein kennt“, liebt sein Ries. Er hat viel Detailwissen, welches immer wieder zum Einsatz kommt – sei es durch kurze historische Randbemerkungen, kartografisch genaue Schilderungen der Örtlichkeiten oder durch ironische Einwürfe. So erfährt man von Schlossberg als einem „ominösen Vorort des nahen Bopfingen“ oder der „natürlichen Feindschaft“ von Riesern und Donauwörthern.

Ein spannender Heimatkrimi

Sehr interessant ist seine psychologische und von viel Kenntnis geprägte Schilderung des Zeugen-Wartebereichs vor den Sitzungssälen des Nördlinger Amtsgerichts. Auch amüsante Begebenheiten fließen – nicht übertrieben oft – ein: Eine Verfolgungsjagd von Alerheim zum Möttinger Bahnhof ist wirklich köstlich, geradezu filmreif und zieht sich in Nachwehen durch das ganze Buch. Aber auch die erwähnte mütterliche Ermittlung gehört dazu. Sehr gelungen finde ich auch den Einfall des Autors, sich selbst – geradezu in der Manier eines Alfred Hitchcock – einen kurzen, selbstironischen Auftritt als der „Schreiberling, der eigentlich immer ungelegen kommt“ zu gönnen.

Mancher Dialog könnte etwas straffer ausfallen und es gibt auch die eine oder andere Ungereimtheit, zum Beispiel, dass im beschaulichen Nördlingen am helllichten Tag trotz flüchtigen Schützen das Leben weitergeht, als sei nichts geschehen. Das tut dem Roman als Gesamtwerk aber keinen Abbruch.

Er ist ein spannender, mit großem Detailreichtum versehener Regio-Krimi, der dem Leser ein Stück Rieser Land und Leute näherbringt und in ihm das Interesse an der Erkundung der diversen Schauplätze, aber auch der hintergründigen Gedankengänge des Autors andererseits weckt. Denn ein Personenname ist eindeutig eine Metapher und es kann kein Zufall sein, dass ausgerechnet der Chef der „Nigeria-Connection“ von „Connections“ ganz anderer Art profitiert. Da denkt man sich: Wen hatte Ronald Hummel vor Augen, als er „Elfriede Schnell alias Ellen“ mit der Kette im Dekolleté schuf? Oder an wen dachte er beim Ausruf: „A, härad’s mer auf mit deane bleede Fotos“? Welche weiteren verborgenen Querverweise lassen sich entdecken? Das alles mögen die Leser nach mir herausfinden.

Mein Fazit: Ich habe wieder einmal einen wirklich guten Regional-Krimi gelesen, der mir ein paar Stunden bester Unterhaltung geschenkt hat. Das Ries, seine – etwas eigenartigen – Bewohner und insbesondere Georg Stelzle sind authentisch und kommen gut rüber. Und nicht zuletzt habe ich als „Einpendler“ viel Neues aus meiner beruflichen Heimat erfahren, was ich in nächster Zeit näher kennenlernen oder ausprobieren möchte. So beispielsweise den „Flotzamichl“ in Nördlingens „urigster Kneipe“.

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28.11.2019

Das Schattenbild vom Kirchturm Daniel passt bestens zum Krimi - ein super Weihnachtsgeschenk, dieser Rieser Krimi . . .Ronald Hummel, der geniale Erzähler

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