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Mord-Prozess in Birkhausen

05.12.2019

Rieser Landwirt muss in Untersuchungshaft bleiben

Im Prozess gegen einen Landwirt aus Birkhausen, der beschuldigt wird, seine 51-jährige Frau ermordet zu haben, beleuchtete das Augsburger Landgericht gestern vor allem die familiäre Situation des Angeklagten.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Das Gericht will am zehnten Verhandlungstag weitere Details über die Ermittlungsarbeit erfahren.

Ein Rieser Landwirt muss in Untersuchungshaft bleiben. Das teilt die Verteidigung des Mannes auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Die Rechtsanwälte des Landwirts aus Birkhausen, dem die Staatsanwaltschaft Augsburg den Mord an seiner Ehefrau vorwirft, hatten Mitte November beantragt, den Haftbefehl aufzuheben. Am zehnten Verhandlungstag waren Polizisten im Zeugenstand des Augsburger Landgerichts, um Details ihrer Ermittlungsarbeit vorzulegen.

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Die Vorsitzende Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser interessierte sich für den Inhalt zweier Vernehmungen des Angeklagten, die der erste Zeuge durchgeführt hatte. Außerdem wollte sie vom Kripo-Chef den Ermittlungsweg erfahren.

Gülle-Prozess: Polizisten geben Details der Ermittlungsarbeit bekannt

Der erste Polizist schilderte, was der beschuldigte Vater bei der Vernehmung am 24. September gesagt haben soll, als er bereits in Untersuchungshaft war. Der Landwirt habe seine Frau beauftragt, den Hof mit Wasser abzuspritzen. Er sei vom Feld zurückgekommen und habe sie leblos an der Güllegrube gefunden. Nachdem der Befragte festgestellt habe, dass sie nicht mehr angebe, habe er im Haus den Notruf gewählt. Der Nachbar, der auch zur Hilfe gekommen sei, habe versucht zu reanimieren. Wegen der Gülle im Gesicht sei eine Mund-zu-Mund-Beatmung nicht mehr möglich gewesen. Der Polizist erklärte außerdem, dass der Angeklagte mehrmals betont habe, dass er seine Frau nicht umgebracht habe und alles tun werde, um zu beweisen, dass er unschuldig sei.

Rieser Landwirt muss in Untersuchungshaft bleiben

Angaben zum zweiten Verhör machte der Angeklagte nicht mehr. Verteidiger Nico Werning forderte ein Verwertungsverbot der Aussage, die sein Mandant an diesem Tag gemacht habe. Dieser hätte nicht ohne Anwalt befragt werden dürfen, das sei der Polizei bis dahin bereits mitgeteilt worden. Der Beamte habe diese Befragung dennoch durchgeführt und den Landwirt unter Druck gesetzt. Außerdem habe der Polizist eine emotional belastende Situation ausgenutzt. Am selben Tag habe ein Kind den Angeklagten zum ersten Mal in Untersuchungshaft besucht.

Vernehmung des Landwirts: Verteidigung will Verwertungsverbot

Die Vorsitzende Richterin wies den Polizist im Zeugenstand, der in der Zwischenzeit vor dem Gerichtssaal wartete, darauf hin, nur zur Verfassung des Angeklagten (ruhig) Angaben zu machen. Der Zeuge erwähnte auch, dass der Angeklagte Verletzungen an der linken Schulter und ein Hämatom sowie Kratzer am rechten Unterarm hatte, eine Untersuchung habe das ergeben.

Die Behauptung, dass es auf dem Nachbarhof zwei Wochen vor dem Tod der Birkhausenerin zu einem Unfall in einer Güllegrube gekommen sein soll, konnte der Polizist nach seinen Ermittlungen nicht bestätigen. Die Rettungsleitstelle wisse zumindest nicht Bescheid.

Am Mittwoch-Nachmittag wurde schließlich der Leiter der Kripo Dillingen zu den Mord-Ermittlungen befragt. Der Verteidigung war es erneut wichtig, herauszuarbeiten, dass das Obduktionsergebnis ohne prüfende Rücksprache mit dem Rechtsmediziner an die Staatsanwältin weitergegeben worden war (wir berichteten). Darüber hinaus erklärte der Beamte, dass die Hintergründe zu der toten Frau auf dem Bauernhof nicht klar gewesen seien. Der anwesende Arzt habe daran gezweifelt, dass die Frau außerhalb der Güllegrube und eines natürlichen Todes gestorben sei. Auffallend sei zudem gewesen, dass die Schuhe weg waren, und dass der Füllstand der Grube nicht mit den Spuren an der Leiter, die darin stand, übereinstimmten. Der Polizist machte außerdem Angaben dazu, dass die Ermittler auch nach entlastenden Beweisen gesucht hätten. Sie seien einer Unfall- oder Suizid-Theorie nachgegangen, was sich allerdings nicht bestätigen lassen konnte.

Verteidiger Werning stellte einen weiteren Beweisantrag. Die Kinder seien am Tag, an dem ihre Mutter starb, in einer emotionalen Ausnahmesituation gewesen. Die Mord-Vorwürfe gegen den Vater seien ein Schutzmechanismus gewesen. Werning erwähnt den Brief, den die Kinder geschrieben und dem Gericht zukommen haben lassen. Darin stehe, dass sie ihren Vater für unschuldig halten. Der Jurist will ein psychologisches Gutachten der Kinder. Eine Entscheidung des Gerichts steht dazu noch aus.

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