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RN-Jahresrückblick

27.12.2020

Rückblick in Wallerstein: Ein Jahr wie kein anderes

Joseph Mayer
Bild: David Holzapfel

Plus Polit-Skandal, Gülle-Prozess und dann auch noch Corona: Der Markt Wallerstein hat eine turbulente Zeit hinter sich. Doch die Krise brachte auch positive Erkenntnisse.

Jahresrückblicke sind dazu da, Vergangenes revue passieren zu lassen. So trivial, so gut. In der Marktgemeinde Wallerstein kommt man bei diesem Unterfangen nicht umhin, ein ganz bestimmtes Ereignis ins Schlaglicht der Aufmerksamkeit zu rücken. Sie ahnen es: Die Rede ist von Sener Sahin und seiner zurückgezogenen Kandidatur um das Amt des Wallersteiner Bürgermeisters.

Zurück in den Januar. Noch gegen Ende des alten Jahres hatte der CSU-Ortsverein der Marktgemeinde mit der Nachricht überrascht, den türkischen Unternehmer Sener Sahin bei den Bürgermeisterwahlen als Kandidaten nominieren zu wollen. Der war bis dahin vor allem im Fußball-Genre als erfolgreicher Trainer verschiedener Vereine in Erscheinung getreten. Doch an der CSU-Basis Wallersteins, vor allem bei den älteren Mitgliedern, regte sich Widerstand.


Den bekam natürlich auch Sahin mit und zog zu Beginn des neuen Jahres seine Kandidatur zurück. Die Medienresonanz war bundesweit riesig. Sogar Bayerns Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender Markus Söder beeilte sich zu erklären, dass ein kompetenter Muslim natürlich Kandidat der CSU sein könne. Aber der Zug war abgefahren, der Ortsverein, der letztlich keinen Kandidaten bei der Wahl aufstellte, bis auf die Knochen blamiert.

Sener Sahins (Bild) Rücktritt von der Kandidatur für den Bürgermeisterposten in Wallerstein habe einen „medialen Tsunami“ ausgelöst, sagte CSU-Landratsabgeordneter Wolfgang Fackler.
Bild: Walter Brugger

So furios das Jahr begann, so radikal kam kurz darauf die Entschleunigung. Die Corona-Pandemie machte auch vor dem Markt Wallerstein nicht halt. Gemeinderatssitzungen gab es ab diesem Zeitpunkt ausschließlich in der weitläufigen Mehrzweckhalle. Dort wurden im Mai auch die neuen Stellvertreter von Joseph Mayer gewählt: Georg Stoller (PWG) zum Zweiten, Manfred Steger von der Wählergemeinschaft Birkhausen zum Dritten Bürgermeister. Apropos Birkhausen: Der Wallersteiner Ortsteil geriet wegen des Gülle-Prozesses Ende 2019 bundesweit in die Schlagzeilen. Im Mai dieses Jahres stand die Urteilsverkündung an: Ein 55-jähriger Landwirt wurde vom Landgericht Augsburg wegen Totschlags zu 13,5 Jahren Haft verurteilt. Er soll seine damals 51-jährige Ehefrau getötet haben. Die Verteidigung des Birkhausener Landwirts hat indes Revision eingelegt. Nun entscheidet der Bundesgerichtshof – und das wahrscheinlich erst in einigen Monaten.

Neben Polit-Skandalen, Gerichtsprozessen und Corona brachte das Jahr 2020 für den Markt Wallerstein auch neue Bauprojekte. Das größte, das die Gemeinde in diesem Jahr in Angriff nahm, war die Dorferneuerung in Munzingen. Insgesamt 1,65 Millionen Euro wurden und werden dafür investiert. Geplant war der Bau eines Dorfgemeinschaftshauses sowie Kanal- und Straßenerneuerungen. Relativ weit sei man bei den Maßnahmen, sagte Bürgermeister Mayer unlängst auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Straße etwa sei bereits asphaltiert und befahrbar. Die Dorferneuerung in Birkhausen, ein weiteres Großprojekt des Marktes, konnte in diesem Jahr indes nicht wie geplant verwirklicht werden. Mayer sagt: „Zu bauen ist heuer durch Corona schwierig.“

Das Gemeindeleben in Wallerstein litt

Auch das Gemeindeleben in Wallerstein litt, wie anderswo auch, unter der Pandemie. Manche örtlichen Vereine schafften es, ihre Versammlungen in den engen Zeitkorridor zwischen erster und zweiter Corona-Welle zu quetschen, andere nicht. Mayer sagt: „Insgesamt war es in diesem Jahr sehr ruhig in der Gemeinde.“ Der Bürgermeister hofft, dass das große Engagement nicht langfristig leiden wird unter der Pandemie. Und, dass das Vereinsleben in einer (hoffentlich nahen) coronafreien Zukunft wieder zügig anläuft.

Große Nachbarschaftshilfen und Spendenaktionen: Das Sozialgefüge in der Gemeinde, sagt Mayer, sei intakt. Auch diese Erkenntnis kann eine Krise bringen. Der Bürgermeister betont: „Es hat sich gezeigt, dass keiner untergeht in unserer Gemeinde.“ Und fügt an: „Wiederholen braucht sich das Jahr in dieser Form trotzdem nicht.“

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