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Konzert

27.06.2019

Selten Gehörtes von Rosetti

In der Oettinger St.-Jakobkirche musizierten das Barockorchester Musica Obligata, der Kammerchor der Uni Augsburg und das Vokalensemble BeckerPsalter.
Bild: Peter Urban

Geistliche Musik für Soli, Chor und Orchester in St. Jakob in Oettingen

Das Barockorchester Musica Obligata, der Kammerchor der Uni Augsburg und das Vokalensemble BeckerPsalter haben in Oettingen in einem gemeinsamen Konzert erstmalige Wiederaufführungen von Leopold Mozart- und Antonio Rosetti-Werken auf historischen Instrumenten präsentiert. Die Zusammenarbeit der Ensembles unter der Leitung von Andreas Becker ist eine nahezu perfekte Verbindung, um vergessene Werke wieder zu entdecken und hörbar zu machen.

Das Konzert fand in der St.-Jakobkirche statt, die für das überaus gelungene und wohlklingende Vorhaben den passenden Rahmen bot. Das Becker-Psalter-Ensemble aus jeweils mit zwei Personen besetzten Stimmen intonierte im ersten Teil Rosettis festliche Messe in D-Dur (um 1780 entstanden) unglaublich feinfühlig und dennoch kraftvoll. Die bestens aufgelegten Instrumentalisten von Musica Obligata legten den erhabenen Klangteppich dafür aus. Nicht nur das „Agnus Dei“ ließ die Zuhörer im leider nur zu gut zwei Dritteln gefüllten Kirchenschiff in Klangschönheit schwelgen. Gerne hätte man noch mehr in dieser Konstellation gehört und der begeisterte Beifall schon zur Pause hätte eine kleine Zugabe durchaus verdient.

Danach übernahm der Kammerchor in stattlicher Stärke den Vokalpart (verstärkt von vier Solisten des BeckerPsalter-Ensembles), der drei Werke aus dem Oeuvre von Leopold Mozart, das neben einigen groß angelegten Messen, Litaneien und Oratorien auch einige „kleinere“ Kompositionen umfasst. Sie führen nach der Meinung nicht nur von Experten völlig zu Unrecht ein Schattendasein und kommen in neuerer Zeit so gut wie nie zur Aufführung. Nicht so in Oettingen, Dirigent Andreas Becker führte seine Musiker souverän mit behutsamen Gesten auch durch diese Mozart-Kleinode.

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Leopold Mozart, Vizekapellmeister und Hofkomponist der Erzbischöfe von Salzburg, für die er zahlreiche christliche Werke geschaffen hat, ist mit diesen Werken trotzdem immer hinter seiner berühmten Violinschule – und vor allem seinem Sohn – zurückgeblieben. Der Unterschied zwischen (wenn man so will) Lehrmeister und Genie sind deutlich vernehmbar. Zunächst kam die sehr getragene Litanei in G-Dur zu Gehör, danach das Offertorium in C-Dur und zum Schluss das „Dixit Dominus und Magnifikat in C-Dur“, das übrigens auch sein Sohn später vertont hat (KV 339). Hier wird der Unterschied zum Sohn besonders hörbar, was bei Leopold getragen, bisweilen gehemmt wirkt, hat Wolfgang Amadeus mit einer kompositorischen Brillanz versehen, die seinem Vater nie gegeben war.

Die ausgezeichnet agierenden Musiker gaben den Leopoldschen Kompositionen dennoch durch die gesamte Aufführung hindurch eine Würde, die ihm sicher gefallen hätte. Schade, dass nach dem „Dixit“ trotz des lang anhaltenden und aufmunternden Beifalls keine Zugabe zu erlangen war.

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