1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Stadt Nördlingen: Wie viele Mitarbeiter sind nötig?

Hintergrund

12.07.2019

Stadt Nördlingen: Wie viele Mitarbeiter sind nötig?

Die PWG will von einem unabhängigen Institut oder einer Beratungsgesellschaft die Abläufe in der Stadtverwaltung überprüfen lassen.
Bild: Denis Dworatschek

Plus Die Personalausgaben der Stadt Nördlingen steigen seit Jahren an. Jetzt will die PWG interne Abläufe der Stadt prüfen lassen. Dafür ernten die Parteifreien deutliche Kritik.

Seit Jahren steigen die Personalkosten der Stadt Nördlingen an. Waren 2014 noch 9,66 Millionen Euro für diesen Posten notwendig, so hat Kämmerer Bernhard Kugler im Etat 2019 dafür rund 12,5 Millionen Euro eingeplant. Die Aufgaben der Beschäftigten werden immer vielfältiger, die Stadt hat mit dem Bahnhof oder dem nun anstehenden Hallenbad zudem große Projekte zu stemmen. Daher nutzt die Verwaltung auch immer wieder Hilfe von außen. Beim Hallenbad will sie jetzt einen Projektsteuerer beauftragen. Der soll – ganz vereinfacht gesagt – die Maßnahme überwachen. Im Stadtrat ist das durchaus umstritten, diskutiert wurde darüber bislang nur in einer nicht-öffentlichen Sitzung, wie unsere Zeitung erfahren hat.

Im Gespräch mit den Rieser Nachrichten verweist Jörg Schwarzer (CSU) gestern darauf, dass bei den Baumaßnahmen des Kreises ohne Projektsteuerer nicht immer alles glatt gelaufen sei – wie berichtet, wird die Sanierung des Theodor-Heuss-Gymnasiums deutlich teurer als ursprünglich gedacht. Man könnte den Experten für das Nördlinger Hallenbad ja auch abschnittsweise beauftragen, schlägt Schwarzer vor.

Der Nördlinger Stadtrat hat sich noch nicht dafür entschieden

Die Stadtteilliste werde noch einmal intern bei einer Fraktionssitzung über das Thema sprechen, sagt Thomas Mittring: „Es gibt Gründe dafür und dagegen.“ Auch in der PWG gebe es unterschiedliche Auffassungen, so Helmut Beyschlag gestern. Mancher meine, dass da viel Geld kaputtgemacht werde. Hinter vorgehaltener Hand wird eine mittlere sechsstellige Summe genannt, die die Stadt bezahlen müsste, sollte sie einen Projektsteuerer damit beauftragen, die Erweiterung und Sanierung des Hallenbades von Anfang bis Ende zu begleiten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wolfgang Goschenhofer (Grüne/Frauenliste) unterstützt die Idee dennoch, der Bauingenieur hat in seinem beruflichen Alltag mit Projektsteuerern gute Erfahrungen gemacht. Ein solcher Experte sei dafür zuständig, dass eine Maßnahme im Zeit- und Kostenrahmen bleibe. Und damit lohne sich die Investition, meint Goschenhofer mit Blick auf den jetzt deutlich teureren Umbau des Nördlinger Gymnasiums. Rita Ortler (SPD) stört vor allem, dass es so scheine, als ob der Auftrag an einen Projektsteuerer schon beschlossene Sache sei. Dabei habe der Stadtrat sich noch gar nicht dafür entschieden.

Darum geht es bei der Debatte in Nördlingen

Bei der Debatte geht es nicht alleine um die Frage, ob Expertise von außen nötig ist. Indirekt wird wieder einmal darüber diskutiert: Was kann die Stadtverwaltung (noch) selbst leisten? Passend dazu kam von der PWG in dieser Woche folgender Antrag: Ein unabhängiges Institut beziehungsweise eine Beratungsgesellschaft solle die verwaltungsinternen Abläufe und den Personalbedarf der Stadtverwaltung Nördlingen überprüfen. Als Kritik will Beyschlag diesen Vorstoß nicht verstanden haben, jede Firma mache das so. Und jetzt, vor dem OB-Wechsel sei genau der richtige Zeitpunkt, um solch eine Prüfung durchzuführen.

Das sieht CSUler Schwarzer ganz anders. Ein Oberbürgermeister sei der Chef der Verwaltung – und Fauls Nachfolger habe sicher Ideen und Vorstellungen, die er einbringen wolle. Schwarzer bezeichnet den PWG-Antrag als „eigenartig“ – als ob die Parteifreien zum Ende der Amtszeit „ihres“ OB Faul überprüfen lassen wollten, wie erfolgreich dessen Personalführung in den vergangenen 14 Jahren war. Im PWG-Antrag steht zudem, dass „eine Veränderung in der Verwaltung durch die Verwaltung“ keinesfalls einer wirtschaftlichen Verhaltensweise entspreche. Schwarzer weist auf die Tatsache hin, dass PWG-OB-Kandidat David Wittner aus der Stadtverwaltung komme: „Das verstehe ich nicht.“

Ist eine Einsparung beim Personal möglich?

Mittring hält ebenfalls wenig von einem externen Prüfer, die Aufgaben einer Stadtverwaltung seien schließlich nicht mit denen in der freien Wirtschaft vergleichbar – vieles sei vorgegeben, bürokratisch und eben mit hohem Zeitaufwand verbunden.

Goschenhofer fragt sich, ob mit dem PWG-Vorstoß eine Kritik an den vergangenen 14 Jahren OB Faul verbunden sei. Der Antrag sei insgesamt wenig zielführend und unkonkret, meint er. Rita Ortler spricht von einem „zweischneidigen Schwert“, schließlich könnte bei der Untersuchung auch herauskommen, dass man zu wenig Personal habe.

Oberbürgermeister Hermann Faul glaubt nicht, dass eine Einsparung beim Personal möglich ist. Im Gegenteil: Der kommunale Prüfungsverband habe Nördlingen attestiert, dass man für die Aufgaben einer Großen Kreisstadt gerade mal durchschnittlich besetzt sei. Als Kritik versteht Faul den PWG-Antrag nicht: „Ich sehe es positiv, wenn wir Hinweise zur Optimierung bekommen.“

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren